"Bankengewinne fließen in die Manager-Boni"

Karben (jas). Parkplätze rund um die Gaststätte "Zur Ludwigshöhe" waren am Montagabend Mangelware. Der Grund: Der ehemalige Bundesfinanzminister und hessische Ministerpräsident Hans Eichel hatte sein Kommen zugesagt, um über die "Konsequenzen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise" zu sprechen. Den Kontakt zum mittlerweile 69-jährigen Finanzexperten der SPD hatte Ehrenbürgermeister und Kreistagsabgeordneter Detlev Engel geknüpft. "Wir kennen uns schon sehr, sehr lange, was an unserem Alter liegen mag", begrüßte Engel seinen Parteigenossen freundschaftlich. Der war gerne auf Einladung der AG 60 plus und der SPD Wetterau in die Stadt gekommen, um den Genossen Wahlkampfhilfe zu leisten.

Karben (jas). Parkplätze rund um die Gaststätte "Zur Ludwigshöhe" waren am Montagabend Mangelware. Der Grund: Der ehemalige Bundesfinanzminister und hessische Ministerpräsident Hans Eichel hatte sein Kommen zugesagt, um über die "Konsequenzen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise" zu sprechen. Den Kontakt zum mittlerweile 69-jährigen Finanzexperten der SPD hatte Ehrenbürgermeister und Kreistagsabgeordneter Detlev Engel geknüpft. "Wir kennen uns schon sehr, sehr lange, was an unserem Alter liegen mag", begrüßte Engel seinen Parteigenossen freundschaftlich. Der war gerne auf Einladung der AG 60 plus und der SPD Wetterau in die Stadt gekommen, um den Genossen Wahlkampfhilfe zu leisten.

Statt vieler Worte vorneweg nahm Eichel sich sofort das Thema Finanzmarktkrise vor. "Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Wir können Hoffnung auf Verbesserung haben, aber das wird dauern. Und: Die nächste Finanzmarktkrise kann schnell wieder kommen", so sein Fazit. Doch zurück an den Anfang von Eichels Ausführungen: Die Ursachen für die Krise auf dem Geldmarkt reichten Jahrzehnte zurück, führte der Sozialdemokrat aus. Das Problem sei, dass Hauptverdienst und -tätigkeit der Banken das Investment-Banking und der Eigenhandel sind.

"90 Prozent des Bankengeschäfts liegt in diesem Bereich, nur noch 10 Prozent verdienen die Banken durch das klassische Geschäft." Die Gewinne der Banken wiederum fließen zu einem Großteil in die Boni der Manager. "Im vergangenen Jahr gab es 25 Hedgefondsmanager auf der Welt, die mehr als eine Milliarde Dollar verdient haben." Dieses Geld werde aus der Realwirtschaft abgezogen und fließe in die Finanzwirtschaft. "Es geht aus der Tasche der vielen in die Tasche der wenigen", sagte Eichel.

Einige Fortschritte, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, habe man bereits gemacht. "An die Großbanken, bei denen der Eigenhandel ein wesentliches Thema ist, werden mittlerweile verschärfte Eigenkapitalforderungen gestellt, damit sie stabiler sind", führte Eichel aus. Außerdem gebe es Ansätze für eine weltweite Bankenaufsicht. Auf Banker-Boni müsse man mit Besteuerungen reagieren. Harsche Kritik übte Eichel an den so genannten Nationalhelden wie zum Beispiel Rennfahrer Sebastian Vettel, die ihren Wohnsitz in Steuerparadiese verlegen. "Das ist nicht in Ordnung."

In Sachen Wirtschaftskrise - laut Eichel anders als die Finanzkrise ein globales Problem - habe sich die Zusammenarbeit der G 20, der 20 weltweit wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, bewährt. Früh habe man dem Abwärtstrend mit Konjunkturprogrammen wie der Abwrackprämie entgegengesteuert. "Das war das erste Mal, dass weltweit kooperativ gehandelt wurde", so der Finanzexperte. Positiv ausgewirkt habe sich auch die Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes. "Die Wirtschaft ist schnell wieder angesprungen. Es waren genug Leute da, die reagieren und liefern konnten. Im Sommer werden wir fast wieder das Vorkrisenniveau erreichen", prognostizierte der Referent und machte deutlich, dass es für ein Wirtschaftssystem, in dem es "schnell rauf und runter gehen kann", wichtig ist, Stabilisatoren einzubauen, um extreme Schwankungen abfangen zu können.

Fest steht für Eichel: "Aus der Schuldenfalle kommen wir nicht allein durch Sparen heraus. Wir müssen auch investieren." An erster Stelle stehe die Bildung. "Wir verbauen unseren Kindern die Zukunft, wenn wir ihnen zu viele Schulden hinterlassen, aber auch, wenn wir sie nicht gut ausbilden." Der Ex-Minister forderte vehement die Kindergartenpflicht, Krippenplätze für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr und den Ausbau von Ganztagsschulen. Ein weiterer Schwerpunkt müsse der Kampf gegen den Klimawandel und der Einsatz für eine rohstoff- und energiearme Wirtschafts- und Lebensweise sein. Vorbild in beiden Punkten seien die skandinavischen Länder. "Die Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke ist genau der falsche Weg", so Eichel.

Von großer Bedeutung sei außerdem eine europäische Einigung als Beitrag zu einem stabilen globalen System. "Die Welt wird dominiert von Chinesen, Indern, Amerikanern, Brasilianern und Indonesiern. Wo bleiben da die 80 Millionen Deutschen?" Die Chance der Deutschen, so Eichel, liege in einem gemeinsamen europäischen Modell. "500 Millionen Europäer müssen zusammenhalten, dann sind wir die größte Wirtschaftsmacht der Welt.

" Allgemeines Ziel müsse sein, die "europäische Kleinstaaterei des 21. Jahrhunderts zu beseitigen". "Wir behalten unsere Identität und leben aber eine gemeinsame europäische Kultur. Und Sie sollten keine Angst davor haben. Es gibt eine Perspektive nach vorne."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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