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Aufschwung durch Rehasport

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Von: Holger Pegelow

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Die Millionen teure Kur fürs Karbener Hallenfreizeitbad hat sich gelohnt. Bad und Sauna weisen zweistellige Zuwachsraten auf.

Helga Keil ist 90 Jahre alt. Regelmäßig kommt die Karbenerin einmal pro Woche montags ins Hallenfreizeitbad. Dort nimmt sie am Rehasport-Angebot der SG Rodheim teil. »Das habe ich vom Arzt verschrieben bekommen. Es ist gut für meinen ganzen Bewegungsapparat.« Nach dem Umziehen geht die Seniorin mit mehr als einem Dutzend anderer Rehasportler ins 29 Grad warme Wasser, wo sie unter Anleitung von Reha-Trainerin Sabine Nagel ihre Übungen absolviert.

284 Schwimmbadbesuche wurden im Karbener Hallenfreizeitbad durch die SG Rodheim »verursacht«. Die SG aus der Nachbarstadt ist einer der neuen Vereine, die die Karbener Stadtwerke, die das Bad betreiben, im vergangenen Jahr gewinnen konnten. Die Turngemeinde Groß-Karben ist mit ihrem Rehasport ebenfalls neu. Auch das Unternehmen ContiTech hat mit Karben eine Vereinbarung über den Schwimmbadbesuch von deren Mitarbeitern getroffen. Extra registriert sind auch die Feuerwehr und die Ferienspielkinder, sodass in diesem Segment 1755 Schwimmbadbesuche stehen, 2014 waren es noch 765, ein Jahr später 780.

Auch bei den Schulen zeigt die Kurve steil nach oben: Kamen 2014 noch 4097 Besucher ins Bad, waren es im vergangenen Jahr knapp 8000. Im Bad kommt man über alle Gruppen von Besuchern auf eine Steigerung von 13 Prozent in zwei Jahren. Das geht aus der Statistik hervor, die Badbetriebsleiterin Carolin Beck, Bürgermeister Guido Rahn und der kaufmännische Leiter der Stadtwerke, Georg Klein, am Montag der Presse vorgestellt haben. Die Zahl der Badbesucher steigerte sich von 49 542 2014 auf 67 437 2016, pro Öffnungstag ging es von 202 Besucher auf 229 hoch.

Noch stärker stieg der Besuch der vor drei Jahren völlig neu gestalteten Sauna: von 30 auf 36 pro Tag. Hier schlägt das Plus mit 20 Prozent zu Buche. »Die Leute kommen nicht nur aus Karben, sondern auch aus Bad Nauheim, Altenstadt und Bad Homburg«, weiß Beck. Zudem habe die Zahl der Stammgäste in der Sauna zugenommen. Schon gibt es erste Überlegungen für eine Erweiterung des Saunabereiches. Die Stadtwerke haben mit Beck zusammen überlegt, auf einem schmalen Stück Wiese zwischen dem jetzigen Saunatrakt und den Kunstobjekten einen Anbau zu errichten. Dort könnte ein Ruheraum mit 20 bis 25 Liegen entstehen, der Saunagarten soll ausgestaltet und die Außensauna könnte mit weiteren Abkühlmöglichkeiten ergänzt werden.

»Das würde rund 200 000 Euro kosten«, sagt der Bürgermeister. Diese Investition müsse gut überlegt werden. »Vielleicht können wir die Saunabesuche auch über die Eintrittspreise steuern«, betont er. Das würde bedeuten: Zu jetzt schwächer nachgefragten Zeiten könnte der Saunabesuch günstiger werden. Irgendwie ist den Verantwortlichen aber klar, dass etwas getan werden muss. Denn »manchmal haben wir im Januar 80 Saunagäste an einem Tag. Da wird es bei 60 Spinden und nur wenigen Liegen schon eng«, wissen Beck, Rahn und Klein. Neben den Rehasportlern und den Saunagästen tragen auch die Schulen zum Aufschwung des Bades bei. Die Verdoppelung der Besucherzahlen kommt laut Beck auch dadurch zustande, dass außer den Karbener Schulen ebenso Einrichtungen aus Wöllstadt, Rodheim, Friedberg und beispielsweise neu die Europäische Schule aus Dortelweil und die Eichendorffschule aus Ilbenstadt zum Schwimmunterricht nach Karben fahren.

Tiefrote Zahlen

Trotz aller Erfolge bei den Besucherzahlen schreibt das Hallenfreizeitbad noch immer tiefrote Zahlen. Stand vor zwei Jahren ein Defizit von rund 653 000 Euro zu Buche, waren es ein Jahr später schon über 707 000 Euro. Knapp 685 000 Euro betrug es im Jahr 2016. »Natürlich sind 707 000 Euro Defizit zu hoch«, gibt der Bürgermeister zu. »Aber wir hatten nach der Wiedereröffnung einige Anlaufschwierigkeiten, etwa mit dem Blockheizkraftwerk.« Das habe aber 2016 optimiert werden können. Die Stadt steuere nun eine »Zielmarke« von 650 000 Euro beim Defizit an.

Erreicht werden soll dies etwa auch durch eine Umgestaltung der Liegewiese. Während der Sommersaison soll sie den Badegästen vorbehalten sein, in der Nebensaison für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. »Wir wollen die Erde bei den Arbeiten zur Nidda-Renaturierung dort aufschütten und alles zu einer Ebene machen«, kündigt das Stadtoberhaupt an. Zudem werde es einen Sandkasten und neue Spielgeräte geben. Ob auch der zusätzliche Sauna-Bau kommt, steht noch nicht fest. Immerhin: Ein Plan, wie das Teil mal aussehen soll, existiert schon.

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