Milda Cloos zieht auch noch mit 92 Jahren in ihrem Garten ihr eigenes Gemüse. Die Kittelschürze, die sie schon frühmorgens anzieht, um in ihrem Nutzgarten zu arbeiten, hat sie zum Fototermin nicht angezogen. Die Kartoffeln werden in wenigen Wochen geerntet und eingekellert. FOTOS: ANNE-ROSE DOSTALEK
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Milda Cloos zieht auch noch mit 92 Jahren in ihrem Garten ihr eigenes Gemüse. Die Kittelschürze, die sie schon frühmorgens anzieht, um in ihrem Nutzgarten zu arbeiten, hat sie zum Fototermin nicht angezogen. Die Kartoffeln werden in wenigen Wochen geerntet und eingekellert. FOTOS: ANNE-ROSE DOSTALEK

Viel Gartenarbeit

92-jährige Karbenerin hegt und pflegt ihren Gemüsegarten

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Ein großer Garten kann für den einen eine Last, für den anderen eine Freude sein. Milda Cloos aus Petterweil ist 92 Jahre alt und muss kein Gemüse kaufen, weil sie es in ihrem eigenen Garten hegt und pflegt.

Die Bohnen sind bald so weit", sagt Milda Cloos, die rüstige Gartenbesitzerin mit dem grünen Daumen und bückt sich, um einige der länglichen Hülsenfrüchte zu pflücken. Gut sehen sie aus, die Buschbohnen. Sie tragen sattgrünes Laub und büschelweise hängen die gelblich-grünen Bohnen herab.

"Ich tue sie in die Gemüsesuppe oder mache einen Bohnensalat daraus", erzählt Cloos. Auch die anderen Zutaten für eine gute Suppe hat sie in Sicht- und Pflückweite: Karotten, Zwiebeln, Sellerie, Kohl, Petersilie, Kartoffeln. Jedes Beet in dem großen Hausgarten ist belegt. An den Gemüsegarten schließt sich eine Ecke mit Beerenfrüchten an, es sind große Büsche mit Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren.

Der Garten ist ihr Reich

Und als ob das nicht genug wäre, gibt es noch einen kleinen Obstgarten mit Steinfrüchten, also Apfel, Birnen und Zwetschen. "Ich lebe das ganze Jahr aus meinem Garten", sagt Milda Cloos voller Stolz und ihre Augen blitzen vergnügt hinter den Brillengläsern. Ihr Haar ist grau und kurzgeschnitten, ihr Gang fest und gerade, was keine Selbstverständlichkeit ist für eine 92-Jährige. Dass sie zupacken kann, sieht man an ihren sehnigen, kräftigen Armen.

Staunend betrachtet eine Nachbarin aus dem Ort den Garten und kann es kaum glauben, dass sich Milda Cloos noch ganz alleine darum kümmert. "Chapeau, Hut ab, was sie hier leistet und das mit 92 Jahren", sagt Dorothee Schulz. Kennengelernt hätten sie sich zufällig, als sich ihre Wege in der Sauerbornstraße kreuzten.

Der Garten bestimmt den Tagesablauf

Denn zum Einkaufen in den kleinen Petterweiler Supermarkt "Neukauf" macht sich Cloos zu Fuß und mit Rollator auf. Viel brauche sie ja nicht, sagt sie. Etwas Mehl und Brot, Butter oder Milch, sonst habe sie ja alles in ihrem Garten.

Der Garten ist es auch, der ihren Tagesablauf bestimmt. Jetzt, in den warmen Sommerwochen, zieht die Seniorin schon frühmorgens ihre Kittelschürze an, bindet das Kopftuch um und schaut nach dem Rechten. Beeren werden gepflückt, um Gelee zu kochen. Ein Salatkopf muss dran glauben. Sind die Gurken bald soweit oder auch die Tomaten?

Sommerzeit ist Erntezeit

Sommerzeit ist Erntezeit, die meiste Arbeit im Garten ist im Frühjahr und Herbst zu leisten. Dann nimmt Cloos den Spaten, Schippe, Hacken und Rechen zur Hand oder wirft ihre Fräse an. "Bei den Kartoffeln hat mir in diesem Jahr mein Sohn geholfen", erzählt Cloos. Das sei aber das erste Mal gewesen, denn sonst habe sie immer selbst die Gartenfräse zur Vorbereitung der Beete bedient. Schnurgerade Reihen ziehen, mit dem Schippchen ein Loch buddeln, Saatkartoffeln einlegen, wieder zumachen, häufeln und hacken, wenn das Kraut gewachsen ist, diesen Arbeitsablauf kennt Cloos nur zu gut. Alles verinnerlicht.

Sie freut sich schon auf die Ernte der Kartoffeln, die sie wie in all den Vorjahren einkellern wird. Sie hat dann den ganzen Winter über eigene Kartoffeln, bis wieder die neuen Kartoffeln so weit sind. "Ich komme aus der Landwirtschaft und bin harte Arbeit gewohnt", erzählt Cloos. Ihr Vater sei sehr streng mit den Kindern gewesen und sie habe in jungen Jahren auf dem elterlichen Hof in Thüringen mit anpacken müssen. Eine Ausbildung, nein, das sei nicht infrage gekommen. 1955 habe sie die Gelegenheit genutzt, "rüberzumachen", weil sie die Erlaubnis hatte, Verwandte im Westen zu besuchen.

Kartoffelernte reicht fürs ganze Jahr

Gelandet ist Cloos dann in der Wetterau, sie lernte ihren Mann Wilhelm Cloos kennen, sie heirateten, gründeten eine Familie. Stolz ist Cloos über ihre beiden bereits erwachsenen Enkeltöchter, die wie ihr Sohn in der Nähe leben. In Petterweil wohnt Cloos jetzt schon seit 1958. Einige Jahre schaffte sie auch im benachbarten Ober-Erlenbach, als es dort noch eine Schallplattenfabrik gab. "Stanzen und pressen", sagt Cloos lakonisch. Aber sie ist froh über ihre kleine Rente. Mit ihrem Leben in Petterweil ist Cloos zufrieden. "Ich habe hier gute Nachbarschaft", sagt sie und so wandert manches Gemüse, das sie übrig hat, über den Gartenzaun und wird an Freunde und Bekannte verschenkt.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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