Mehrere Tote bei Verkehrsunfall auf A5
+
Die Autobahn 5 gleicht nach nach dem Unfall einem Trümmerfeld.

Vier Tote, zwei Schwerverletzte auf Autobahn

Horror-Unfall auf der A5 schockt Feuerwehrmann: „Einer der heftigsten Einsätze“ in 25 Jahren

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
    schließen

Als Feuerwehrmann hat Martin Schneider schon viel durchgestanden. Wenig lässt sich aber mit dem Chaos vergleichen, das er am Sonntagmorgen auf der A5 bei Friedberg erleben musste.

Friedberg – Für Martin Schneider war der tödliche Unfall am frühen Sonntagmorgen (19.09.2021) auf der A5 »einer der heftigsten Einsätze« in seinen mehr als 25 Jahren als Aktiver bei der Feuerwehr. Vier Menschen kamen dort ums Leben, zwei weitere wurden schwerstverletzt. Ein Falschfahrer soll zuvor frontal in ein Auto gerast sein, zwei nachfolgende Pkw konnten der Unfallstelle nicht mehr ausweichen. Die Katastrophe forderte einem Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten alles ab.

Schneider, stellvertretender Stadtbrandinspektor von Rosbach (Wetteraukreis), leitete den Einsatz. 30 Feuerwehrleute aus Rosbach und Rodheim seien vor Ort gewesen, zudem der Kreisbrandmeister, zehn Rettungswagen, darüber hinaus Notärzte, die Autobahnpolizei mit zeitweise sechs Streifen – und Notfallseelsorger, erzählt Schneider am Montag (20.09.2021) im Gespräch mit dieser Zeitung. Um 4.50 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden, erst rund sechs Stunden später verließen die Kameraden die Autobahn, brachten die Geräte wieder auf Vordermann.

Unfall mit vier Toten auf der A5 bei Friedberg: Autobahn glich einem Schlachtfeld

In der Zeit dazwischen hatten sie es mit einem Trümmerfeld zu tun, das sich auf der A5-Fahrbahn Richtung Kassel zwischen auf den Abfahrten Friedberg und Ober-Mörlen über etwa 400 Meter erstreckte. Bei der Alarmierung sei das Szenario »Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person« durchgegeben worden, sagt Schneider. Nach und nach seien die Angaben konkreter – und schlimmer – geworden. Mehrere Fahrzeuge, bis zu zehn Verletzte, wurde vom Rettungsdienst durchgegeben. Schließlich »Massenanfall von Verletzten«.

Die Bilder aus den Stunden nach dem Unfall verschaffen einen Eindruck des Grauens, das die Einsatzkräfte auf der A5 bei Friedberg erwartete, als diese dort am frühen Sonntagmorgen (19.09.2021) eintrafen.

»Aufgrund der Uhrzeit war das mit der Rettungsgasse relativ gut«, blickt der Einsatzleiter zurück. Doch alles andere war Chaos. »Als wir hinkamen, war nichts ausgeleuchtet, ein dunkles Loch.« Direkt vor ihnen hätten sich drei Autowracks befunden, zudem Ersthelfer, die sich um Verunfallte kümmerten. Man wolle ja da helfen, wo es am dringendsten sei, sagt Schneider. Das herauszufinden, sei wegen der Dunkelheit und der Größe der Unfallstelle schwierig gewesen, Anhand der herumliegenden Trümmer habe er zunächst vermutet, auch abseits der Autobahn könnten sich noch Fahrzeuge befinden. Hier ein halber Kofferraum mit Radaufhängung, dort ein Motorblock – die Unfallstelle glich einem Schlachtfeld.

Tödlicher Unfall auf der A5: Notfallseelsorger betreuen Ersthelfer

In all dem Chaos musste man sich schnell einen Überblick verschaffen, Schneider teilte erfahrene Führungskräfte dazu ein, die einzelnen Fahrzeuge zu kontrollieren. Ein Notarzt teilte mit, dass einer der Eingeklemmten verstorben sei. Die Feuerwehrleute mussten sich auf einen lebensgefährlich verletzten Mann konzentrieren, ihn mit hydraulischem Rettungsgerät aus dem Wrack befreien – was auch gelang.

Zudem kümmerten sich die Einsatzkräfte aus Rosbach und Rodheim um die Ersthelfer. Einer habe fast gar nicht reagiert, ein Zeichen dafür, wie sehr ihm die Situation zu schaffen gemacht habe, sagt Schneider. Die Ersthelfer wurden betreut, bekamen etwas zu Trinken, wurden zur Raststätte gebracht, wo Notfallseelsorger bereit standen

Später schnitten die Einsatzkräfte den tödlich verunglückten Mann, von dem der Notarzt gesprochen hatte, aus dem Auto. Sie streuten Betriebsmittel ab und trafen sich zu  zwei Gesprächsrunden – eine mit Notfallseelsorgern, später eine am Feuerwehrhaus. Auch in der nächsten Zeit können sich die Feuerwehrleute aus Rosbach und Rodheim noch an die Notfallseelsorge wenden. Dann, wenn die Bilder das Adrenalin verdrängen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion