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Hereinspaziert: Peter Junker, Pensionär im Unruhestand, hat sein früheres Geschäft in der Apothekergasse in eine Studenten-WG umgebaut.

Wohnen in der Altstadt

Wohnraum schaffen: Friseursalon wird zur Studenten-WG

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In der Friedberger Altstadt steht Wohnraum leer. Nicht bei Peter Junker. Er hat seinen Friseursalon in der Apothekergasse in eine Studenten-WG umbauen lassen. Ob andere dem Beispiel folgen?

Als Peter Junker noch am Frisierstuhl stand, wimmelte es in dem kleinen Fachwerkhaus in der Apothekergasse nur so von Kunden. Im Erdgeschoss wurden die Männer bedient, im ersten Stock bekamen die Frauen eine neue Frisur verpasst. Samstags, erzählt eine ehemalige Kundin, sei es aussichtslos gewesen, dort einen Termin zu bekommen. Der Laden brummte. Wie schon bei Junkers Vater, der das Haus 1956 kaufte, um dort einen Damen- und Herrenfrisiersalon zu eröffnen. Junker setzte die Familientradition von 1985 bis 2012 fort. Danach verpachtete er den Salon. Anfang 2018 wurde der Laden geschlossen, und Junker hatte sofort eine Idee, wie er Leerstand vermeiden kann.

"Neue Geschäfte in der Altstadt zu eröffnen, ist illusorisch", sagt der 69-Jährige. Gut, Dönerbuden gehen immer. Aber es muss ja nicht an jeder Ecke eine sein. Junker, der mit seiner Familie im Vorderhaus wohnt, wollte Wohnraum schaffen.

Und da die THM-Studenten stets auf der Suche nach günstigem Wohnraum sind und es der Altstadt nicht schadet, wenn dort junge Leute einziehen, plante er eine Studenten-Wohngemeinschaft für vier Personen. Rund 30 000 Euro hat Junker in den Umbau investiert. Das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen. Betritt man den früheren Friseursalon, so gelangt man über eine kleine Treppe nicht mehr zum Herren-Bereich, sondern zum modern eingerichteten Esszimmer mit Küche. Das Haus ist komplett möbliert. Eine Sitzecke lädt zum Verweilen ein, in der Küche steht eine neue Kaffeemaschine neben dem Wasserkocher. Im Regal stehen Gläser, in den Schränken Teller, in den Schubladen Besteck. An der Wand hängt ein TV-Gerät. Es ist alles da.

Großer Aufenthaltsraum

"Studenten bringen doch keinen kompletten Hausstand mit, wenn sie ein WG-Zimmer suchen", sagt Junker. Also hat er nicht nur Fußböden saniert, Wände streichen lassen und neue Türen eingesetzt. In jedem der vier Zimmer (zwischen 17 und 29 Quadratmeter, insgesamt hat die Wohnung knapp 100 Quadratmeter) steht ein neues Bett samt Matratze, kleinem Schränkchen und Stuhl. Es gibt nur ein Bad mit Dusche, aber zwei weitere Toiletten: eine unten, eine oben. "Hätte ich das Haus für eine Familie umgebaut, wäre eines der Zimmer für ein größeres Bad weggefallen." Dafür gibt es nun auch im 1. Stock einen großen Aufenthaltsraum mit einem urgemütlichen riesigen Sofa und einem Internet-fähigen Fernseher. Student möchte man noch mal sein und sich dann um eines der Zimmer bewerben.

"Das Haus ist ideal für eine WG", sagt Junker, und man kann ihm nicht widersprechen. Es liegt zentral, die Geschäfte und Kneipen sind nicht direkt vor der Tür, aber direkt um die Ecke. Autoparkplätze gibt es freilich keine, Fahrräder müssen vorm Haus abgestellt werden. Hier zeigt sich die Enge der Friedberger Altstadt. "Aber ruhig ist es", sagt Junker, der bis 2018 eine Catering-Firma samt Marktstand auf dem Elvis-Presley-Platz betrieb.

Denkmalschutz und Leerstände

Als Junker das Ladengeschäft 1985 erstmals renovierte, ließ er neue Fenster einbauen. Die halten den Schall ab. Vom Trubel auf der nur wenige Meter entfernten Kaiserstraße kriegt man nichts mit. Zum Lernen die idealen Voraussetzungen.

Mit dem Denkmalschutz habe er seinerzeit beim ersten Umbau keine Probleme gehabt. Andere aber schon, sagt Junker und nennt das ehemalige Breitenfelder-Gelände, wo "wegen einem alten Eisenträger im Keller" nicht weitergebaut werde. "Aber die Burgbebauung wurde von den Denkmalschützern genehmigt." Auch dort entstehen momentan Studentenwohnungen.

Junker wünscht sich mehr Engagement der Stadt beim Leerstands-Management. "Würde da mehr passieren, gäbe es auch mehr Wohnraum." Nur müssten die Eigentümer auch Geld in die Hand nehmen und in die Renovierung investieren. Seine Studenten-WG würde Junker am liebsten direkt über das Studentenwerk Gießen vermieten. "Dann habe ich das vom Hals." Es gab bereits Gespräche mit dem Studentenwerk.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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