Windräder: Stadt will kein Kaufangebot machen

Friedberg (jw). Die Stadt Friedberg wird die Windkraftanlagen zwischen Bruchenbrücken und Ober-Wöllstadt nicht von der Firma Abo-Wind kaufen. Der Linke-Stadtverordnete Sven Weiberg hatte dies im Stadtparlament beantragt, die anderen Fraktionen lehnten ab.

Unabhängig von der Tatsache, dass die Windräder ohnehin gebaut werden, wäre der Kauf wohl ein weiterer Affront gegenüber Wöllstadt gewesen. Gleichwohl muss sich die Stadt Gedanken machen, ob sie über kurz oder lang über den Eigenbetrieb Stadtwerke ins Windrad-Geschäft einsteigt - oder sich bei anderen regenerativen Energien engagiert. Wie kann der im Vergleich zu anderen Energieversorgern relativ kleine städtische Betrieb auf Dauer erhalten werden? Darüber wurde ausgiebig diskutiert.

Zunächst zu den Windrädern: Wie Bürgermeister Michael Keller (SPD) sagte, erübrige sich die Frage, ob die Stadt die Anlagen kauft. Abo-Wind stehe in "erfolgversprechenden Verhandlungen" mit Kaufinteressenten, bis Ende März werde wohl eine Entscheidung fallen. Nach WZ-Informationen sollen Städte aus der südlichen Wetterau am Kauf interessiert sein. Gleichwohl machte Keller deutlich, dass geklärt werden müsse, ob die Stadtwerke in das Geschäft der erneuerbaren Energien einsteigt.

Die Frage der Neuausrichtung der Stadtwerke wurde auf Antrag der SPD in den Ausschussverwiesen, nicht ohne eine kleine Generaldebatte. Weiberg sieht in Windrädern aufgrund der zu erwartenden Rendite eine "Lizenz zum Gelddrucken", Achim Güssgen (FDP), Bernd Messerschmidt (UWG) und Dr. Olaf Osten (CDU) wollen Windräder nur dort stehen sehen, "wo auch Wind weht". Verdienen könne man damit nur dank der vom Stromkunden zu zahlenden Subventionen. Wilfried Stürtz (SPD) plädierte für den Einstieg bei der Windkraft und sagte, es sei das gute Recht Wöllstadts, dies anders zu sehen, aber Wöllstadt habe ja auch "das Recht, die geplante Umgehungsstraße in östlicher Richtung verlaufen zu lassen", vorbei an Bruchenbrücken. Horst Weitzel (Grüne) widersprach der "Panikmache" der Windkraft-Gegner und erinnerte an 140 Milliarden Subventionen für Atomenergie.

"Nicht nur Gas und Wasser"

Erster Stadtrat Peter Ziebarth (CDU) als Vorsitzender der Betriebskommission, und Betriebsleiter Klaus-Detlef Ihl haben ein Positionspapier zur Unternehmensstrategie erarbeitet. So soll die Gas-Einkaufsgemeinschaft mit vier anderen Städten weiterentwickelt und eine Internet-Vertriebsplattform aufgebaut werden. Geplant ist, dass sich die Stadtwerke auch auf den Geschäftsfeldern Grundstücks- und Immobilienentwicklung sowie Stromlieferung für städtische Gebäude aus regenerativen Energien engagieren.

Michael Klaus (SPD) sagte, die Stadtwerke dürften sich nicht, wie von der FDP gefordert, allein auf den Verkauf von Gas und Wasser ausrichten. Die Zahlen des Unternehmens sprächen für sich: 12,6 Millionen Euro Eigenkapital, davon 4,3 Millionen Stammkapital und 7,5 Millionen Rücklage - "für einen kleinen Betrieb ist das recht ordentlich" und zeige, dass Hiobsbotschaften nicht angebracht seien. Auch sei es richtig gewesen, im Oktober die Gaspreiserhöhung abzulehnen. Die wirtschaftliche Lage der Stadtwerke sei "ausgezeichnet", so Klaus, doch müsse man das Unternehmen für die Zukunft stark machen. Und die Stelle des kaufmännischen Betriebsleiters müsse endlich besetzt werden. Klaus nannte das Positionspapier der Stadtwerke "spröde".

Auch Florian Uebelacker (Grüne) forderte mehr Engagement bei regenerativen Energien. "Wir können nicht mit globalen Wettbewerbern konkurrieren, aber der Bestand muss geschützt werden." Kritik an der Geschäftspolitik der Stadtwerke übte auch Andrej Seuss (Grüne). "Wir erwarten vom Magistrat eine vernünftige Strategieentwicklung."

Marion Götz (SPD) betrachtete das Papier nur als "Zwischenstation". Auch Güssgen sah Beratungsbedarf, forderte aber, öffentliche Unternehmen sollten sich auf ihre Arbeit beschränken und ihr Geschäftsfeld nicht unbedingt ausweiten. Olaf Beisel (CDU) verwahrte sich gegen Kritik an den Stadtwerken. "Hier wird seit Jahrzehnten sehr gute Arbeit geleistet." Das Positionspapier sei eine gute Diskussionsgrundlage. Ziebarth erläuterte, bei dem Positionspapier habe man sich am Gasverkauf orientiert, die neuen Sparten "begleiten wir aber positiv".

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Quelle: Wetterauer Zeitung

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