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Abstand halten - diese Verhaltensregel in Zeiten der Corona-Krise gilt auch in der Metzgerei Tuppi in Bad Nauheim. Die Branche hat’s noch glimpflich getroffen, die Geschäfte gehen weiter. Aber der Cateringservice ist weggebrochen. 

Wetterauer Metzgereien

Wetterauer Metzgereien in Zeiten der Corona-Krise: Ohne Catering bleibt ein Loch in der Kasse

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Metzgereien sind in der Corona-Krise fein raus. Als Grundversorger sind weitergeöffnet. Aber die Einnahmen aus dem Catering fallen weg, da sämtliche Veranstaltungen abgesagt wurden.

Wir haben ja noch großes Glück", sagt der Bad Nauheimer Metzgermeister Jürgen Tuppi (63). Er denkt an andere Geschäftsleute, die ihre Läden schließen mussten und derzeit viel weniger oder gar keine Einnahmen verbuchen können. Das geht an die Substanz, weiß Tuppi. In seiner Metzgerei in der Karlstraße herrscht dennoch der fast übliche Kundenandrang. Wobei Andrang das falsche Wort ist. Die Kunden halten den vorgeschriebenen Abstand ein, stehen auch mal auf dem Bürgersteig vor dem Geschäft an.

"Wir lassen nur noch drei Kunden gleichzeitig rein", sagt Chefin Heike Tuppi (59). "Wenn mal jemand nicht ausreichend Abstand gehalten hat, haben wir freundlich darauf hingewiesen. Mittlerweile klappt das sehr gut." Schon vor 14 Tagen haben die Tuppis am Eingang einen Desinfektionsspender aufgestellt. "Laut Großhändler ist derzeit kein Nachschub lieferbar", sagt Jürgen Tuppi. Die Hygiene-Vorschriften hätten sich für Metzgereien durch die Corona-Krise nicht groß geändert. "Die sind ohnehin sehr hoch."

Was Heike Tuppi beobachtet hat: Wer sonst nur am Wochenende kam, kommt jetzt auch unter der Woche. "Viele Leute sind zu Hause, haben Zeit." Da die Handwerksbetriebe weiterarbeiten, geht der Mittagstisch auch gut. "Ein paar ältere Stammgäste bleiben zu Hause." Viele holten ihr Mittagessen jetzt ab.

"Den Leuten fehlt die Unterhaltung", sagt die Chefin. "Ältere Menschen sind froh, wenn sie rauskommen und mal ein Wort wechseln können." Manche älteren Leute gingen momentan selbst für den Kauf eines Joghurts in die Stadt - damit sie mal andere Menschen sehen. "Die Leute machen sich Sorgen. Mütter fragen, wie lange das noch geht." Mit den Kindern zu Hause, nebenbei kochen und gleichzeitig Home-Office, das verlange manchen einiges hat, hat Heike Tuppi aus Gesprächen mit Kunden erfahren.

Wetterauer Metzgereien Corona: Das soziale Leben hat sich verändert

"Besonders die Älteren leiden", ergänzt ihr Mann. Das soziale Leben ändere sich. Die Menschen grüßten sich nicht mehr auf der Straße, wendeten den Blick ab. Die Leute seien verunsichert, es gebe viel Hysterie. Die sei aber nicht angebracht, sagt Tuppi. Obwohl auch er sich Gedanken über die Zukunft seines Geschäfts machen muss. Zehn Mitarbeiter stehen bei dem Familienbetrieb in Lohn und Brot. "Wir haben keine wirtschaftliche Not, im Gegensatz zu vielen anderen Händlern." Aber erhebliche Einbußen: Der Partyservice fällt derzeit komplett weg. "Konfirmationen, Kommunionen, Geburtstagsfeiern - alles abgesagt."

Davon kann auch Jörg Meisinger in Friedberg ein Lied singen. "Alle Veranstaltungen, wo wir als Caterer gebucht waren, wurden abgesagt. Konfirmationen, Kommunionen, Catering in der Stadthalle - alles storniert." Bei größeren Veranstaltungen geht es um fünfstellige Beträge. Aber Meisinger sagt: "Wir haben nicht so große Existenznot wie andere. Wir dürfen noch da sein."

Die Laufkundschaft ist weniger geworden. Die Stadt ist leer. Das Ladengeschäft der Metzgerei Meisinger liegt in der Kaiserstraße nicht weit von der Burg entfernt. "Die Schüler fehlen." Viele ältere Kunden blieben aus Angst, sich irgendwo das Virus einzufangen, zu Hause. Montags, mittwochs und freitags hat Meisinger einen Lieferservice für den Mittagstisch organisiert. "Das wird sehr gut angenommen."

Wetterauer Metzgereien Corona: Vakuum-frisches Fleisch im Trend

Das Kaufverhalten der Kunden habe sich geändert, sagt Meisinger. "Die Kunden kaufen jetzt mehr Konserven und vakuumierte Fleisch- und Wurstwaren. Das hält länger frisch." Viele kämen nur noch zwei- statt viermal die Woche, kauften größere Mengen. Darf’s ein bisschen mehr sein? Aber sicher, man kommt ja nicht mehr so oft raus.

Jörg Meisinger (55) betreibt zwei Metzgereien in Friedberg und Frankfurt, hat 18 Mitarbeiter, zehn davon in Vollzeit. "Stand jetzt können wir die Kosten decken." Meisinger und die Eheleute Tuppi setzten beide auf einen Trend, der nicht nachgelassen habe: "Die Leute setzen bei Fleisch und Wurst wieder verstärkt auf Qualität. Die wollen wissen, woher das Fleisch kommt." Meisingers Steaks kommen von Bauernhöfen in Wöllstadt und Butzbach. Die Metzger wollen die Krise überstehen, indem sie weiterhin auf regionale Qualitätsprodukte setzen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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