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Die anhängliche 14-jährige Schafspudeldame Pia aus dem Tierheim Butzbach sucht ein liebevolles Zuhause für ihren Lebensabend. Eine neue Familie sucht auch Katze Gibson (Foto unten). 

Tierheime in der Krise 

Weniger Personal und rückläufige Spenden: So schwer ist die Pandemie für Wetterauer Tierheime

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Die Einschränkungen in unserem täglichen Leben haben auch den Alltag in unseren Tierheimen stark verändert - einfach schließen ist bei einem Betrieb mit lebenden Tieren jedoch undenkbar.

Die gewissenhafte Versorgung der Tiere muss tagtäglich gewährleistet sein. Darüber hinaus müssen weiterhin bedürftige Tiere aufgenommen werden, und die Vermittlung der unterschiedlichsten tierischen Schützlinge darf auch nicht komplett zum Erliegen kommen. Das Tierheim Wetterau wurde laut Homepage am 5. Mai wieder geöffnet, jedoch zu den angegebenen Öffnungszeiten nach Terminvereinbarung, um die Zahl der Besucher zu begrenzen.

Mund- und Nasenschutz sowie kein Hinweis auf eine etwaige fieberhafte Erkältungskrankheit sind bei den Bewerbern unabdingbar, insbesondere auch um die Mitarbeiter zu schützen. Ein Coronaausbruch beim Betreuungspersonal wäre fatal, da dies die Versorgung der Tiere gefährden würde.

Wetterauer Tierheime: Einzeltermine nach Absprache

Der Tierschutzverein Butzbach hat ein sehr informatives Video produziert, das auf dem neuen YouTube-Kanal der Stadt zu bewundern ist und problemlos auf der Tierheimseite angeklickt werden kann. Hier erfährt man nicht nur, "wie es momentan läuft", sondern auch wie das Tierheim unterstützt werden kann.

Claudia Maid, die Tierheimleiterin und 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Butzbach, schildert, wie die momentane Situation gemeistert wird und welche Probleme entstanden sind. Nach telefonischer Vereinbarung werden Einzeltermine vereinbart. Wird ein Hund für einen Spaziergang übergeben, ist dies zum Schutz der Mitarbeiter "kontaktlos" möglich, da das Tierheim Butzbach ohnehin schon über eine Schleuse verfügt, die mehrere Türen hat. Vorsorglich wird auch ein Wohnmobil für eventuelle Quarantänemaßnahmen auf dem Gelände bereitgehalten.

Bisher wurden glücklicherweise keine Abgaben oder gar Aussetzen von Vierbeinern wegen der Coronapandemie registriert. Es gibt aber viele Anfragen, zeitlich begrenzt als Pflegestelle ein Tier aufzunehmen, weil viele Menschen momentan mehr Zeit zu Hause verbringen. Das ist nicht möglich, da ein Tier solange in einer Pflegefamilie bleibt, bis ein dauerhaftes Zuhause gefunden wird, und das ist zeitlich nicht vorhersehbar. Im Tierheim selbst fehlen die Praktikanten sowie Stundenleister und Ein-Euro-Jobber, sodass das Personal mehr Arbeit zu bewältigen hat. Deshalb wären verlässliche Ehrenamtliche willkommen, gerne auch mit Geduld, um Jungkätzchen zu zähmen.

Wetterauer Tierheime: Spenden in der Wetterau rückläufig

Auch im Tierheim Elisabethenhof, das in Dorn-Assenheim durch den Bund gegen Missbrauch der Tiere betrieben wird, mussten coronabedingte Änderungen eingeführt werden. Nina Pfannkoch, die für die "Hundeabteilung" verantwortlich ist, war gerne bereit, nähere Auskünfte zu erteilen. Hier konnten als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme zwei Mitarbeiterteams gebildet werden. Durch ein telefonisches ausführliches Erstgespräch können den Interessenten danach die am besten geeigneten Tiere vorgeschlagen werden, und niemand kann sich rein wegen der "Optik" bei einem früher möglichen unverbindlichen Besuchs in ein möglicherweise ungeeignetes Tier "verlieben". Der Elisabethenhof ist auch im Auslandstierschutz aktiv und hat sein Partnertierheim in Ungarn über die Weitergabe zweckgebundener Spenden kontinuierlich auch in der Krise unterstützt. In vielen anderen Auslandstierheimen gab es Probleme beim Futternachschub und bei der Vermittlung der Tiere.

In der Wetterau ist das Spendenaufkommen für die genannten Tierschutzvereine rückläufig, was die Tierschützer in Butzbach mit Facebook-Aufrufen öffentlich gemacht haben. Der Elisabethenhof hat gar innovativ und erfolgreich gespendete "Steifftiere" versteigert, um genügend Spenden für die Tiere zu generieren.

Beeindruckend ist, mit wieviel Herzblut und pfiffigem Engagement unsere Tierheime die Coronapandemie meistern!

Zur Autorin des Textes: Tierärztin Cornelia Renczes

Tierärztin Cornelia Renczes lebt seit 1983 in der Wetterau. Die WZ-Kolumnistin hat Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert und am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim promoviert. Sie hat zwei Hundesachbücher geschrieben, Fachvorträge für Hundehalter und Züchter gehalten. Sie gibt Hilfestellung bei unterschiedlichen Verhaltensproblemen bei Hunden auch durch Beschäftigungen wie Mantrailing oder Welpenprägestunden.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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