Der Voliere auf der Seewiese droht der Abriss

Friedberg (ütz/har). Fast 40 Jahre lang erfreuten Kanarienvögel und Wellensittiche mit ihrem Anblick und ihren Gezwitscher in der Voliere auf der oberen Seewiesenpromenade die Spaziergänger. Doch seit Anfang Dezember ist dort Stille eingekehrt.

Friedberg (ütz/har). Fast 40 Jahre lang erfreuten Kanarienvögel und Wellensittiche mit ihrem Anblick und ihren Gezwitscher in der Voliere auf der oberen Seewiesenpromenade die Spaziergänger. Doch seit Anfang Dezember ist dort Stille eingekehrt. Die Voliere ist leer, und daran wird sich, wenn nicht ein Wunder geschieht, nichts mehr ändern. Denn: Der 1. Kanarienzucht- und Vogelschutzverein Friedberg und Umgebung hat im vergangenen Jahr den Vertrag mit der Stadt gekündigt. Grund: Es hat sich niemand gefunden, der sich um die Tiere und die Anlage noch kümmern würde.

Betreut wurde die Voliere in all den Jahren vom Friedberger Heinz Müller. Er kann aber diese Tätigkeit aus Alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen. Aus den Reihen des Vereins fand sich kein Nachfolger, berichtet der Vorsitzende Jürgen Metzger aus Münzenberg. Wie bei vielen Vereinen fehlt es auch hier an Nachwuchs, und von den 40 Mitgliedern wohnen gerade einmal drei noch in Friedberg.

Nur zehn Mitglieder sind überhaupt noch in der Zucht aktiv, sagt Metzger, und weiter: "Wir können nichts gegen die Altersstruktur machen." Bereits im Oktober hatte Metzger die Stadt angeschrieben und mitgeteilt, dass man die Voliere - die die Stadt seit dem Bau an den Verein verpachtet und sogar einen Futterkostenanteil gezahlt hatte - zurückgeben wird.

Rückblickend betont Metzger, dass "wir mit der Stadt und mit den zuständigen Behörden wie Veterinäramt oder Untere Naturschutzbehörde nie Probleme gehabt haben". Auf Landes- und Bundesebene sei dies anders, da gebe es "viele Auflagen, die die Freude an der Kleintierhaltung verderben". Man bekomme den Eindruck, dass "diese Behörden nicht wollen, dass wir diese Vögel halten". Dieser Ärger führe dazu, dass Mitglieder ihr Hobby aufgäben und keine Jungzüchter mehr gewonnen werden könnten.

Im November wurde begonnen, die Voliere zu räumen. Nach und nach wurden die Vögel an die Vereinsmitglieder verteilt, und Anfang Dezember verließen die letzten Wellensittiche und Kanarienvögel ihr angestammtes Heim auf der Seewiese. Seitdem steht die Voliere leer, und das bedauert die Leiterin des Liegenschaftsamts, Dr. Christiane Pfeffer: "Es ist schade, dass es dem Verein nicht gelungen ist, jemanden zu finden, der sich um die Anlage kümmert." Eine jahrzehntelange Tradition sei zu Ende gegangen.

Wie es nun weitergeht, weiß Christiane Pfeffer noch nicht. Im Bauamt würden derzeit Überlegungen angestellt, wie man die Anlage verwenden könnte. Vorstellbar sei, dass sie vom Bauhof genutzt wird, der natürlich mit der eigentlichen Voliere nichts anfangen könnte. Das würde bedeuten, dass sie abgerissen werden müsste. Entschieden sei aber noch gar nichts. Im Stillen hofft die Liegenschaftsamtsleiterin darauf, dass sich vielleicht doch jemand findet, der eine Idee für die Nutzung der Voliere samt der dahinterliegenden Räume hat, beispielsweise, indem dort Kaninchen oder andere Kleintiere - oder doch wieder Vögel oder beides - einquartiert werden. "Voraussetzung wäre natürlich, dass sichergestellt ist, dass die Tiere gut versorgt und artgerecht gehalten werden.

" Eine Notwendigkeit zu einer raschen Entscheidung besteht eigentlich nicht. Klar aber ist, so Pfeffer: "Wenn wir keine vernünftige Nachnutzung finden, müssen wir die Voliere abreißen."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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