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Team in Friedberg hilft Menschen, die wenig Geld haben

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Sie unterstützen Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen (v. l.): Anja ElFechtali, Garabet Boghosian, Gabi Faulhaber, Ivan Dimitrov, Sonja Burmester und Karlheinz Hofmann. © Petra Ihm-Fahle

Seit Ende 2012 besteht der Verein Linke Hartz-IV-Hilfe Wetterau, der Menschen im Leistungsbezug unterstützt. Innerhalb von zehn Jahren sind die Probleme nicht weniger geworden.

In den Räumen der Linken Hartz-IV-Hilfe Wetterau in Friedberg ist einiges los. Vor der Tür der Usagasse 26 steht jemand mit einer Nummer in der Hand, denn pandemiebedingt sollen nicht zu viele Menschen auf einmal zusammentreffen. Der Bedarf, sich in Sachen Hartz IV unterstützen zu lassen, ist groß. Seit zehn Jahren nun besteht der Verein bereits, um Menschen zu helfen, die Arbeitslosengeld II beziehen. Die Gründungsmitglieder Anja ElFechtali, Gabi Faulhaber und Karlheinz Hofmann haben alle Hände voll zu tun.

Nebenkosten ein großes Problem

ElFechtali erklärt, weshalb das Angebot entstanden ist: »Wir konnten nicht mehr mitansehen, wie rundherum immer mehr Sozialabbau betrieben wurde.« Es begann, als sie 2012 ein Problem mit dem Jobcenter hatte. Unbegründet habe die Behörde der alleinerziehenden Mutter die kompletten Leistungen gestrichen. »Ich wusste nicht, was ich in dieser Situation machen sollte«, erzählt die heute 48-Jährige dieser Zeitung.

Durch Zufall kam sie in Kontakt mit Gabi Faulhaber, der Vorsitzenden der Linken Wetterau. Ihr Vermieter hatte sie auf Faulhaber aufmerksam gemacht, die Interviewpartner suchte, welche über ihr Leben mit Hartz IV berichten. Als ElFechtali nach ersten Gesprächen zu Besuch im Linken-Büro war, fragte Faulhaber: »Anja, kannst du dir nicht vorstellen, da auch mal mitzumachen?« Mittlerweile sitzt ElFechtali als Abgeordnete im Kreistag und im Friedberger Parlament, zudem ist sie Vorsitzende der Linken Hartz-IV-Hilfe.

Was derzeit für Leistungsbezieher immer aktueller wird, sind die Erhöhungen der Nebenkosten und wie damit umzugehen ist. Das Thema trifft besonders Menschen, die sehr wenig Geld haben. Wie ElFechtali weiß, lebt dieser Personenkreis meist in Wohnungen mit geringem Komfort, weil die Mietobergrenzen nicht mehr hergeben. »Solche Wohnungen sind meistens nicht gedämmt, haben keine mehrfach verglasten Fenster und alte Heizungen. Daher verbrauchen die Bewohner auch mehr.«

Aus rechtlichen Gründen dürfen die Ehrenamtlichen niemanden beraten, aber sie unterstützen beispielsweise dabei, Anträge auszufüllen. Ist jemand Vereinsmitglied, sieht es in Sachen Beratung anders aus. Wenn nicht, verweist die Hartz-IV-Hilfe an einen Anwalt, der Klienten mit Beratungsschein annimmt.

Ein bestimmter Kreis Hilfesuchender ist neu: Menschen, die krisenbedingt ihre Stelle oder die Aufträge verloren haben und plötzlich vor dem Nichts stehen. Diese Personen kommen meistens mit dem Ausfüllen der Formulare klar, aber sie brauchen Zuspruch. »Sie sagen etwa: ›Ich habe doch mein ganzes Leben gearbeitet und nun fühle ich mich wie Dreck behandelt‹«, berichtet ElFechtali. Mitunter seien das Erfahrungen, wenn jemand zum Jobcenter gehen müsse.

Im Schnitt kommen 20 Personen

Dass das Bürgergeld Verbesserungen bringt, sehen ElFechtali und ihre Mitstreiter nicht. »Es sind 50 Euro monatlich mehr, und das gleicht bestenfalls die Inflation aus«, sagt der stellvertretende Vorsitzende Hofmann. Das Bürgergeld sei »Hartz IV mit anderem Namen«. Der 66-jährige Karbener unterstreicht: »Alter Wein in neuen Schläuchen - die wollten den negativen Touch von dem Namen weghaben.«

Als das Angebot im Januar 2013 an den Start ging, kamen zunächst Bewohnerinnen und Bewohner der Altstadt. Nach und nach wuchs der Interessentenkreis durch Mundpropaganda und die Flyer, die die Aktiven vor Jobcenter und Arbeitsamt verteilten. Mittlerweile kommen im Durchschnitt 20 Personen an einem Nachmittag. Montags (14-16 Uhr) und donnerstags (16-18 Uhr) stehen ein dreiköpfiges Kernteam und weitere Helfende zur Verfügung, wie beispielsweise Sonja Burmester. Fürs Dolmetschen bei Übersetzungsbedarf sind am Nachmittag des WZ-Besuchs Garabet Boghosian und Ivan Dimitrov vor Ort. 70 Prozent der Menschen im Leistungsbezug arbeiten laut ElFechtali und Hofmann. Sie verdienen aber zu wenig Geld, um ihre laufenden Kosten zu tragen, und müssen deshalb Sozialleistungen beziehen.

Die Arbeit werde immer mehr, die Bedürftigkeit der Menschen steige. Es sei traurig, konstatieren die Ehrenamtlichen: »In so einem reichen Land dürfte es das nicht geben.«

Diskussion mit Armutsforscher

Zum zehnjährigen Bestehen des Vereins Linke Hartz-IV-Hilfe findet am Dienstag, 13. Dezember, um 19 Uhr in der Stadthalle Friedberg (Am Seebach 2, Saal 1) ein Diskussionsforum statt. Zu Gast ist Politikwissenschaftler und Armutsforscher Prof. Christoph Butterwegge aus Köln. Unter dem Titel »Reichtum für wenige, Armut für viele?« debattiert er mit sozial engagierten Gästen aus der Wetterau und dem Publikum. Wer kommen möchte, ist eingeladen. Der Eintritt ist frei.

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