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Im Supermarkt des Lebens

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Von: Gerhard Kollmer

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Der Funke sprang schnell über im Alten Hallenbad. Gekommen waren zwei ausgewiesene Könner mit viel Freude am eigenen Tun. Bastian Korff (Gesang, Texte) und Florian Ludewig an Gitarre und Klavier ließen in ihrem über zweistündigen Programm keinen Augenblick Langeweile aufkommen. 18 poetisch-melancholisch-nostalgisch-satirisch-komisch-groteske Gesangsnummern (darunter sieben eigene Titel) zeugten von der professionellen Beherrschung diverser Stilarten.

Der Funke sprang schnell über im Alten Hallenbad. Gekommen waren zwei ausgewiesene Könner mit viel Freude am eigenen Tun. Bastian Korff (Gesang, Texte) und Florian Ludewig an Gitarre und Klavier ließen in ihrem über zweistündigen Programm keinen Augenblick Langeweile aufkommen. 18 poetisch-melancholisch-nostalgisch-satirisch-komisch-groteske Gesangsnummern (darunter sieben eigene Titel) zeugten von der professionellen Beherrschung diverser Stilarten.

Im Ostseebad Binz »Möwen im Tiefflug« zu beobachten, besitzt nur geringen Unterhaltungswert. Dem Lied über diese und andere bescheidene Urlaubsfreuden zu lauschen, jedoch sehr wohl.

Durch den Fleischwolf

Bastian Korff mit seiner wandlungsfähigen, sich von Song zu Song steigernden, Stimme verzauberte fast vom ersten Augenblick an – einfühlsam an Gitarre und Piano begleitet von Florian Ludewig. »Wenn man zahnlos den Haferschleim verschlingt«: Nicht nur bei der Interpretation des Titels »Das Leben ist kurz« zeigte sich Korff als Virtuose im »Cross-over« zwischen unterschiedlichsten Stimm- und Gefühlslagen. »Im Supermarkt des Lebens«: Alltägliches verliert, poetisch verklärt, seine Tristesse und Belanglosigkeit.

Selbst dem Immergleichen wohnt ein Zauber inne – man muss nur ein Sensorium dafür haben. »Zeitgeistiges« wird satirisch-gnadenlos aufgespießt, wenn »Veganella« ihren Freund mit Tofu-Algen-Extrakt und ähnlich geschmacksneutralen Köstlichkeiten verwöhnt – herrlich. Ließ es Georg Kreisler noch mit »Tauben vergiften im Park« gut sein, so geht »Inkens« Lebensgefährte einen entscheidenden Schritt weiter: Eines Tages dreht er sie, ihrer überdrüssig geworden, durch den Fleischwolf – schaurig. Der Titel »Inken, Inken« gehörte zu den gefeierten Highlights des Abends.

Stichwort »Nostalgie«: Vom einstmaligen Charme des Partykellers (wer erinnert sich?) handelt der Titel »Party bei Cornelia«. Aber auch Frivoles wird nicht ausgespart: Meterhohe, bis zur Decke aufgetürmte Stapel mit Pornoheften begraben ihren Besitzer unter sich – damit hat es sich »ausgewichst«.

Natürlich spult Korff seine Lieder (darunter wunderbare Chansons) nicht einfach herunter, sondern verbindet, kommentiert sie mit heiteren, witzigen Plaudereien, manchmal auch gewollt albernen Blödeleien. Ob sie immer eine Bereicherung sind, mag hier dahingestellt bleiben.

»Nothing matters, when we’re dancing«: Wenn wir tanzen, zählt nichts mehr um uns herum; »Holding out for a hero«: Nach einem Helden Ausschau halten – in der stimmgewaltigen Interpretation dieser zum Weinen schönen poetischen Chansons ist Bastian Korff ganz bei sich angekommen.

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