800 Stufen bis zur Spitze des liebsten Hobbys

Friedberg (har). Am kommenden Freitag, dem sogenannten Brückentag zwischen Feiertag und Wochenende, können die Einwohner und die Besucher der Stadt wieder den Adolfsturm besteigen. Von 14 bis 18 Uhr kann man nicht nur den Blick über die Stadt und die Wetterau genießen, sondern auch die neue Wetterfahne aus der Nähe zu betrachten.

Dass dies möglich ist, dafür sorgen seit 14 Jahren Mitglieder des Friedberger Geschichtsvereins, die als ehrenamtliche Turmschließer tätig sind. Einer davon ist Udo Messer, der am kommenden Wochenende an allen drei Tagen in dem kleinen Kassenhäuschen sitzen wird. Messer ist gebürtiger Hofheimer, wohnt aber seit vielen Jahren in Friedberg. Seit 36 Jahren ist in einem großen Pharmaunternehmen im Rhein-Main-Gebiet beschäftigt. Den freien Tag nutzt er, um seinem Lieblings-Hobby nachzugehen.

"Als ich vor 18 Jahren nach Friedberg in die Burg zog, wurde der Kassendienst noch von einem Angestellten des Landes Hessen gemacht", erinnert sich Messer. Der Landesangestellte wohnte gegenüber dem Turmeingang in der "Turmschließerwohnung", woran sich ältere Friedberger noch erinnern. Als er aufhörte, stellte das Land keinen Ersatz ein. Der Geschichtsverein übernahm diese Aufgaben im Jahr 1997. "Ich bin ein Mann der ersten Stunde", erzählt Messer, und das gilt auch für jeden einzelnen Einsatz: Schon lange vor der Öffnung ist er im Turm. "Ich muss die etwa 200 Stufen hoch, um die Türen der Aussichtsplattform aufzuschließen. Dann geht's die 200 Stufen wieder runter, und erst dann wird das Kassenhäuschen geöffnet."

200 Stufen hoch und 200 runter

Kurz vor dem Dienstende wiederholt sich die schweißtreibende Prozedur: "Man hat es im Sinn, wenn der letzte gegangen ist. Dann schließe ich vorne die Tür ab und lasse nur noch Leute raus", erzählt Messer. Wieder muss er die 200 Stufen bis zum oberen Balkon des Turms hoch, um die Türen abzuschließen. "Die 800 Stufen sind mein kostenloses Trainingsprogramm beim Turmdienst", schmunzelt Messer, der nach einem schweren Verkehrsunfall in seiner Kindheit gehbehindert ist.

Viele Tipps für Kurgäste

Da ihm der Adolfsturm "ganz persönlich am Herzen liegt", hat er auch einen größeren Geldbetrag für die neue Wetterfahne gespendet. Besonderen Spaß macht ihm der Dienst, der für ihn alles andere als Arbeit ist, wenn sich am Kassenhäuschen interessante Gespräche ergeben. Das geschieht besonders häufig mit Kurgästen, die aus dem benachbarten Bad Nauheim kommen und immer sehr dankbar für den einen oder anderen gastronomischen Tipp seien. "Außerdem bin ich Aufpasser für Rucksäcke, Fahrräder, Einkaufstaschen, Hunde und viele anderen Sachen."

Die Frage nach besonderen Ereignissen beantwortet Messer anders, als man denkt: "Ein besonderes Erlebnis für mich ist es, wenn die Menschen, die den Turm besucht haben, nach einem Gespräch mit mir ein Lächeln im Gesicht haben. Heutzutage gehen viel zu viele Menschen zum Lachen in den Keller", sagt der 52-Jährige - natürlich lachend.

Örtliche Fahrgastberatung

Der Adolfsturm ist übrigens nicht das einzige ehrenamtliche Engagement von Messer. Der passionierte Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel ist im Verkehrsclub Deutschland (VCD) aktiv und betreibt die örtliche Fahrgastberatung. Jeder kann ihn anrufen (Tel. 0 60 31/6 14 64) und erhält dann eine individuelle kostenlose Fahrplanauskunft, beispielsweise für eine Fahrt an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit von Friedberg oder Bad Nauheim nach München. "Ich nehme alle Daten auf und wenn ich für den Anrufer die nötigen Information zusammenhabe, rufe ich zurück und gebe die Zeiten durch." Dieses Ehrenamt, sagt er, mache ihm viel Spaß.

Für den Adolfsturm gilt das sowieso. Messer hofft für Freitag auf gutes Wetter mit viel Sonne und klarer Sicht. Denn dann kommen auch viele Besucher. "Wenn's regnet und kaum jemand kommt, macht der Dienst natürlich nicht ganz so großen Spa?, sagte der Turmschließer. Für solche Tage hat er aber ein Alternativprogramm: Dann sitzt er in seinem Kassenhäuschen und liest ein Buch.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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