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Probleme anpacken, bevor es zu spät ist: Wie hier in einer Stuttgarter Schule bietet Schulsozialarbeit den Kindern und Jugendlichen eine Chance, Konflikte im gemeinsamen Gespräch zu bewältigen. Im Wetteraukreis wird diese Arbeit nun ausgebaut.

RDW sucht

Schulsozialarbeit in der Wetterau: Mehr Stellen geschaffen, aber das Personal fehlt

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An allen Schulen der Wetterau soll Schulsozialarbeit angeboten werden. Diesem Ziel kommt der Kreis Stück für Stück näher. Nur zeigt sich, dass es an geeignetem Personal fehlt.

Vorreiter in Sachen Schulsozialarbeit war im Wetteraukreis die Stadt Karben. Seit 1993 gibt es das Angebot an der Kurt-Schumacher-Schule. Seit 2015 übernimmt der Kreis einen Teil der Kosten. Das kreiseigene Programm, das unter Verantwortung von Sozialdezernent Stephanie Becker-Bösch (SPD) vorangetrieben wurde, startete im Schuljahr 2017/18. Das Konzept sieht zwölf Schulverbünde in vier Regionen vor. Ein Verbund besteht aus mehreren Grundschulen, die einer weiterführenden Schule zugeordnet sind. Die Schüler haben es folglich an den weiterführenden Schulen mit den gleichen Personen zu tun. "So erhalten wir die Kontinuität der Schulsozialarbeit", sagte Becker-Bösch seinerzeit bei der Vorstellung des Projekts.

Für den ersten Schritt wurden Schulen in der östlichen und der nördlichen Wetterau ausgewählt: Altenstadt, Nidda, Butzbach, Büdingen und andere. Im zweiten Schritt sind Schulen im Westkreis an der Reihe (jeweils samt den umliegenden Grundschulen): Singbergschule Wölfersheim, Adolf-Reichwein-Schule sowie Henry-Benrath-Schule Friedberg, Solgrabenschule Bad Nauheim und John-F.-Kennedy-Schule Bad Vilbel.

Aus der Ausschreibung ging die Friedberger Beschäftigungsgesellschaft RDW als Sieger hervor. Geschäftsführerin Heidi Nitschke und Stefan Kunz vom Leitungsteam haben Anzeigen geschaltet, Einstellungsgespräche geführt und sämtliche Schulen in ihrem Bezirk besucht. 15,81 Vollzeit-Stellen sind zu besetzen; das sind, je nach Arbeitsvertrag, zwischen 20 und 25 neue Mitarbeiter. Eine Woche vor dem Start waren erst knapp über die Hälfte aller Stellen besetzt.

Konkurrenz vom Ministerium

"Es gibt einen Fachkräftemangel bei Sozialarbeit und Sozialpädagogik", sagt Kunz. "Es gibt viel Konkurrenz auf dem Markt, auch von den Schulen selbst." So stellt etwa das Kultusministerium UBUS-Kräfte (Fachkräfte für Unterrichts-begleitende Unterstützung) ein. Mit dem Gehalt, das vom Kultusministerium gezahlt werde, könne RDW nicht mithalten. Nitschke: "Wir zahlen nach dem Tarifvertrag der Aus- und Weiterbildungsbranche, bieten den Bewerbern aber die Chance, sich bei uns weiterbilden."

Die Arbeit sei dank der Zeitaufteilung attraktiv und mit Studium oder Kleinkindern zu vereinbaren. Auch würden die Mitarbeiter mit einem Laptop ausgestattet, was flexible Arbeitszeiten erlaube.

Schulsozialarbeit ruht auf drei Säulen: Die Sozialarbeiter bieten gruppenpädagogische Angebote in den Klassen an, unterstützen die Lehrer bei Problemen auch über eine längere Zeit und bieten Einzelberatungen an. Ein Dauerthema in Schulen ist Prävention: Drogenmissbrauch vorgreifen, Aufklärung über Sucht, Mobbing, Gewalt. Diese Probleme gebe es schon immer, sagt Kunz. Nur nehme die Schule heute einen größeren Raum im Leben der Kinder ein als früher.

Für viele Kinder seien Schulsozialarbeiter die ersten Ansprechpersonen bei Problemen, sagt Nitschke. Erfahrungen habe man bereits gesammelt. Der RDW betreut bereits zwei Jugendmaßnahmen für junge Erwachsene, die den Übergang von der Schule ins Berufsleben nicht alleine auf die Reihe bekommen. In 19 Kommunen ist der RWD zudem für die Flüchtlingsbetreuung zuständig. Hier sind ebenfalls schulpflichtige Kinder und Jugendliche unter den Klienten.

2020 sind Gymnasien an der Reihe

Der Vertrag zwischen RDW und Wetteraukreis läuft zunächst über vier Jahre. Dass es am Anfang hakt und nicht alle Stellen sofort besetzt werden konnten, hänge auch von den kurzen Fristen ab. Die Ausschreibung erfolgte im Dezember, das Vergabeverfahren schloss im Juli ab. "Wir haben weitere Bewerbungen hereinbekommen", sagt Nitschke und ist zuversichtlich, auch die übrigen Stellen zu besetzen. Kurz bevor es los ging, bekam ein Bewerber kalte Füße. "Der Job war ihm mit zu viel Verantwortung verbunden", sagt Kunz. Dafür wurden zwei neue Mitarbeiter gefunden. Im nächsten Jahr sucht das RWD weitere rund 20 Mitarbeiter. Dann soll auch in Gymnasien und Berufsschulen Schulsozialarbeit angeboten werden. Kunz: "Wer in diesem Job arbeiten will, sollte die Bereitschaft mitbringen, sich auf ein vielfältiges Arbeitsfeld einzulassen." Sei das der Fall, sei der Job ein sehr erfüllender.

Drei Fragen an die Sozialdezernentin

Frau Becker-Bösch, die Schulsozialarbeit kostet den Kreis viel Geld. Wie viel genau und warum ist das gut angelegtes Geld?

Stephanie Becker-Bösch (SPD): Die Kosten für den Gesamtausbau für SiS ("Sozialarbeit in Schulen") in 2019 belaufen sich auf etwa 950 000 Euro. Mit diesem Konzeption stellt sich der Wetteraukreis seiner Verantwortung, was die Schaffung von nachhaltigen guten Rahmenbedingungen für Bildung und Erziehung junger Menschen im Wetteraukreis anbelangt.

Wie überprüfen Sie denn die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?

Becker-Bösch:Durch Qualitätskontrollen der Fachstelle wird die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft. Zudem wird es zu Beginn des nächsten Jahres einen Austausch mit den Trägern geben, um zu prüfen, ob die sehr detaillierten Vorgaben des Kreises auch in der Realität abrufbar sind.

Es fehlen noch die Gymnasien und die Berufsschulen. Wann gibt es dort Schulsozialarbeit?

Becker-Bösch:Die Gymnasien und Beruflichen Schulen werden zum Schuljahr 2020/2021, sprich nächstes Jahr im September dazukommen, so dass dann vom ersten bis zum letzten Schultag im Leben der Schülerinnen und Schüler Schulsozialarbeit vorhanden ist und unsere Kinder optimale Bildungsbedingungen erhalten. (jw)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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