Seit Montag vergangener Woche lernen die meisten Grundschüler pandemiebedingt wieder zu Hause	SYMBOLFOTO: ANNETTE RIEDL/DPA
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Seit Montag vergangener Woche lernen die meisten Grundschüler pandemiebedingt wieder zu Hause SYMBOLFOTO: ANNETTE RIEDL/DPA

Unterricht in Pandemiezeiten

Schule zu Hause: Enorme Belastung für Eltern

  • VonChristina Jung
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Keine Freizeitaktivitäten, möglichst wenig Kontakte. Und schon wieder Lernen im Distanzunterricht. Gerade für Grundschüler und ihre Eltern ist das eine große Herausforderung.

Ein Bleistift wirbelt durch die Luft. Zwei Kinderhände schlagen auf eine Küchentischplatte. »Ich mache in Deutsch aber auch alles falsch«, schimpft der siebenjährige Emil (Name von der Redaktion geändert), springt vom Stuhl und stürmt in sein Zimmer.

Seine Mutter folgt ihm, versucht, den Zweitklässler zu beruhigen und zum Weitermachen zu motivieren. Doch die Luft ist raus, und das schon um halb zehn an diesem Vormittag.

Seit knapp zwei Wochen steht für die meisten Schüler hierzulande wieder Homeschooling auf dem Stundenplan, was sie und ihre Eltern einmal mehr vor große Herausforderungen stellt. Und je jünger die Kinder, desto schwieriger der Distanzunterricht.

Während Emils 16-jährige Schwester ihren digitalen Schultag vollkommen selbstständig organisiert und lediglich einmal ein technisches Problem - beispielsweise mit der Informations- und Kommunikationsplattform IServ - hat, braucht ihr Bruder während des Lernens immer wieder einen Ansprechpartner. Für Erklärungen, für Feedbacks, für die Motivation.

Intensive Zusammenarbeit

Der Distanzunterricht an der Jim-Knopf-Schule in Södel wird in Videokonferenzen organisiert, erläutert Schulleiterin Claudia Zaborowski. »Das funktioniert gut, erfordert aber eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften als auch die Mitarbeit der Eltern.«

Die Lernaufgaben für die Schülerinnen und Schüler werden sowohl auf der Lernplattform wtkedu hochgeladen als auch per E-Mail verschickt. Im Bedarfsfall werden sie an der Schule abgeholt. Bei den Lernangeboten handelt es sich um klassische als auch digitale Aufgabenformate.

Zaborowski lobt die Eltern für ihre sehr gute Unterstützung untereinander als auch für die sehr gute Zusammenarbeit mit der Schule.

Einige Eltern komplett überfordert

»Reaktionen der Eltern zeigen dass es Kinder gibt, die sehr selbstständig an ihren Aufgaben und Wochenplänen arbeiten und kaum Hilfe von den Eltern benötigen«, berichtet Ellen Bernhardt, Leiterin der Grundschule in Ockstadt.

Bei manchen Kindern müssten die Eltern allerdings sehr stark unterstützen und zusätzlich ihren Alltag und Beruf meistern. »Dies kann keine Dauerlösung sein.«

Einige Eltern seien sogar komplett überfordert mit der Situation zu Hause und benötigten intensive Unterstützung der Lehrkräfte. Solche Angebote würden sehr gut angenommen werden.

Gleichzeitiges Homeoffice schwierig

Damit es irgendwie läuft, teilen sich Emils Eltern das Homeschooling auf, je nachdem, wie es die Arbeit zulässt. Eines ist aber jeden Tag gleich: Punkt acht geht es für den Junior los, für seine Schwester eine Viertelstunde früher.

Gegen halb zehn steht die erste Pause an, bevor am späten Vormittag ein weiterer Lernblock folgt. Andere Eltern nehmen sich den kompletten Vormittag Zeit und verlegen ihre Arbeit auf den Nachmittag. Denn die eigenen Kinder unterrichten und gleichzeitig effektiv im Homeoffice arbeiten, das funktioniert nicht.

Zeitliche Struktur wichtig

Spätestens am frühen Nachmittag ist dann Schluss mit Lernen, weil auch der Schulalltag zu Hause ein Ende haben muss, wie die Eltern finden. Und das sagt auch Jürgen Vesely, Leiter der Erich-Kästner-Schule in Lich und zudem stellvertretender Vorsitzender des Interessenverbandes hessischer Schulleiter (IHS).

Zeitliche Struktur lautet das Zauberwort. Die sei für Kinder, besonders jüngere, ohnehin wichtig und in der aktuellen Situation, in der viele geregelte Abläufe fehlen, ganz besonders.

Ausgebildete Lehrer nicht zu ersetzen

»Alles im Leben hat seine Zeit«, sagt Vesely. Wenn man Lern- und Freizeitphasen nicht klar voneinander trenne, seien erstere weniger effektiv. »Die Kinder arbeiten dann nicht mehr so konzertiert.«

Doch so sehr sich Eltern auch bemühen, den ausgebildeten Lehrer können sie nicht ersetzen. Und das wird Folgen haben. »Der Distanzunterricht; wie wir ihn anbieten; umfasst vor allem die Wiederholung und Festigung bereits bekannter Lerninhalte«, sagt Vesely.

Es ist mittlerweile 11.30 Uhr. Emil hat sein zweites Frühstück hinter sich, im Garten getobt und einen Schneemann gebaut. Sein Vater ist mit dem Vormittagsprogramm durch und startet mit dem Junior in die zweite Runde Unterricht, bevor es gegen eins Mittagessen gibt.

Zum Glück kocht an diesem Tag die Oma. Am Nachmittag braucht Emil wieder Betreuung. Denn Fußball und Freunde treffen fallen aus.

Was können Eltern leisten?

Unterricht zu Hause, das sogenannte Homeschooling, stellt hohe Anforderungen an die Eltern wie auch an die Kinder. Wie können beide diese Herausforderung zufriedenstellend meistern? Wichtig sei es, den Kindern ein Homeoffice einrichten, sagt die Leiterin der Ockstädter Grundeschule, Ellen Bernhardt. Weitere Tipps:

Eltern sollten einen ruhigen Arbeitsplatz für das Kind bzw. die Kinder einrichten.

Unterstützung bei der Einteilung der Aufgaben und Arbeiten leisten

feste zeitliche Strukturen schaffen für das Arbeiten an den Lernplänen schaffen

Regelmäßige Pausen mit Bewegung, Essen und Trinken ermöglichen

zwischendurch gut lüften

Kinder beim Kontakt zum Lehrer unterstützen. rüg

Unterricht zu Hause, das sogenannte Homeschooling, stellt hohe Anforderungen an die Eltern wie auch an die Kinder. Wie können beide diese Herausforderung zufriedenstellend meistern? Wichtig sei es, den Kindern ein Homeoffice einrichten, sagt die Leiterin der Ockstädter Grundeschule, Ellen Bernhardt. Weitere Tipps:

Eltern sollten einen ruhigen Arbeitsplatz für das Kind bzw. die Kinder einrichten.

Unterstützung bei der Einteilung der Aufgaben und Arbeiten leisten.

Feste zeitliche Strukturen schaffen für das Arbeiten an den Lernplänen schaffen.

Regelmäßige Pausen mit Bewegung, Essen und Trinken ermöglichen.

Zwischendurch gut lüften.

Kinder beim Kontakt zum Lehrer unterstützen. rüg

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