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Die FDP und ihr Wetterauer Direktkandidat Peter Heidt wollen nach dem 26. September mitregieren. Am Wahlabend wird der Bad Nauheimer aber erst einmal um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen müssen.

Wahl am Sonntag

Bundestagswahl-Kandidat Peter Heidt (FDP): Listenplatz sieben bedeutet Zitterpartie

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Am Wahlabend werden alle Politiker angespannt sein. Doch Peter Heidt (FDP) erwartet eine Zitterpartie. Für den einzigen Wetterauer Bundestagsabgeordneten geht’s auch um die persönliche Zukunft.

Friedberg – Gerade kommt Peter Heidt von einem Termin im Bad Nauheimer Sprudelhof. Wenn ein Bundestagsabgeordneter ruft, schaufeln wichtige Ansprechpartner einen Platz im Terminkalender frei. Diesmal geht es um die Brunnenbohrung im Sprudelhof - seit vielen Jahren geplant, aber immer noch nicht begonnen.

Ob FDP-Mann Heidt auch nach dem 26. September Berufspolitiker sein wird, ist offen. Der Rückblick auf 2017 zeigt ihm, was erneut droht. Damals verpasste der Bad Nauheimer ganz knapp den Sprung ins Berliner Parlament. Nur weil seine hessische Parteifreundin Nicola Beer später nach Brüssel wechselte, konnte Heidt im Juli 2019 nachrücken. Jetzt ist die Ausgangslage des 56-Jährigen günstiger. Die Umfragen sagen mehr Prozente voraus als vor vier Jahren, zudem wäre im Fall einer Regierungsbeteiligung der FDP sofort Platz für Nachrücker.

Sicher ist sich Heidt seiner Sache keineswegs. Er steht auf Platz sieben der Landesliste, aktuell stellt die hessische FDP sechs Abgeordnete. »Ich glaube erst an den Wiedereinzug, wenn er schwarz auf weiß feststeht«, betont der Jurist. Wirtschaftlich angewiesen ist er darauf nicht, denn nach wie vor gibt es die Anwaltskanzlei in Friedberg, in der er sein Engagement auf 100 Prozent hochfahren könnte.

Wetterauer Bundestagswahl-Kandidat Peter Heidt (FDP): EC-Trikot im Berliner Büro

Doch der Freidemokrat brennt auf die Rückkehr nach Berlin. Ungewöhnlich für einen Neuling ist das große Büro, das er von Ex-FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg übernehmen konnte. »An der Wand hängt ein EC-Bad-Nauheim-Trikot mit Spielerautogrammen«, sagt der EC- und Eintracht-Fan. Zum Fremdeln mit der neuen Umgebung blieb keine Zeit, denn die Fraktion schickte ihn sofort in drei Ausschüsse, wobei Heidt den Sport wieder abgab.

Geblieben sind Bildung und Menschenrechte. »Corona hat gezeigt, dass unsere Schulen mega schlecht aufgestellt sind. Alleine über die Zustände in Hessen könnte ich zwei Stunden lang erzählen«, sagt der Freidemokrat. Das gelte nicht zuletzt für Defizite bei moderner Technik. Womit Heidt zu einem seiner Lieblingsthemen kommt: Bürokratieabbau. »Seit zwei Jahren gibt es den milliardenschweren Digitalpakt für Schulen. Bis heute sind gerade mal vier Prozent ausgezahlt.«

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Im Menschenrechtsausschuss betrat Heidt ein Feld, das er als Kommunalpolitiker nie beackert hat. Mit Außenpolitik hat er sich allerdings schon als Kind beschäftigt, weil sein Vater bei der KfW-Bank an Entwicklungsprojekten in Asien arbeitete. »Und mein politischer Ziehvater war Außenpolitiker Martin Holzfuß.« An dieser Arbeit fasziniert Heidt vor allem die Begegnung mit außergewöhnlichen Menschen. »Der Kolumbianer, der schon zweimal erschossen werden sollte, oder der verfolgte Mann aus Zimbabwe kämpfen trotz Lebensgefahr weiter.«

Wetterauer Bundestagswahl-Kandidat Peter Heidt (FDP): Sein Ziel ist Jamaika-Koalition

Inzwischen sei er gut vernetzt mit Nicht-Regierungs-Organisationen, werde zu Vorträgen und Demos eingeladen. Zuletzt standen Belarus und Afghanistan im Fokus. Während er sich bei Weißrussland einen kleinen Erfolg zuschreibt (die Eishockey-WM in Minsk wurde verhindert), gab es in Sachen Afghanistan Frust. »FDP und Grüne haben im Juni gefordert, Ortskräfte rauszuholen. Doch die große Koalition hat abgelehnt.«

Womit Heidt beim Spruch von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering gelandet ist: »Opposition ist Mist.« Nach seinen Worten strebt die FDP eine Regierungsbeteiligung an. Er favorisiert eine Jamaika-Koalition. »Mit der CDU herrscht weitgehende Einigkeit. Mit den Grünen würde ich mich bei der Bildungspolitik in 30 Minuten einigen. Auch bei Steuererleichterungen sehe ich keine Probleme. Die FDP würde notfalls auf Entlastung der Besserverdiener verzichten.«

Bundestagswahl in der Wetterau: Der Kommunalpolitik verbunden

Heidt denkt auch an die eigene Karriere. In der Fraktion will er Sprecher für Menschenrechte oder Bildung werden. Dabei gilt es, im internen Konkurrenzkampf zu bestehen. Heidt konnte sich bisher ganz gut behaupten, hat im Bundestag zwölfmal das Wort ergriffen. Wobei die Zuhörerzahl schwankt. »Bei meiner Rede zu afghanischen Ortskräften war es ganz dürftig. Zur selben Zeit lief das EM-Fußballspiel Deutschland gegen Ungarn.«

Ob Rückkehr in den Bundestag oder nicht - der Kommunalpolitik bleibt Heidt verbunden. Er möchte weiter im Bad Nauheimer Parlament und Kreistag mitarbeiten. Der 56-Jährige, der kürzlich zum zweiten Mal geheiratet hat, findet sogar genügend Zeit für ein weiteres Ehrenamt. Seit 2018 ist er Vorsitzender des VfB Friedberg, bei dem er früher Wasserball spielte. (Bernd Klühs)

Redaktioneller Hinweis: Dieser Text erschien erstmals am 16.09.2021.

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