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Sänger Karsten Stiers und die Neue Philharmonie Frankfurt um Jens Troester sorgen für ein grandioses Konzert in Friedberg. Der Umzug vom Zirkuszelt in die Stadthalle ist gelungen.

Kraftvolles Konzert

Neue Philharmonie Frankfurt begeistert in Friedberg

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Was für ein Spektakel in der Friedberger Stadthalle: Die Neue Philharmonie Frankfurt überzeugte dort mit einem grandiosen Konzert.

Sterne funkeln vor magischem Nachtblau. Im nächsten Augenblick ist die Szenerie in warmrotes Licht getaucht. Dann blitzen grüne und weiße Lichtstreifen durch den Saal. Auf der Bühne brodelt es. In schwindelerregendem Tempo spielen die Flöten, weich und kraftvoll die Hörner, die Geigen jubilieren, die Posaunen triumphieren, und das Schlagwerk gibt den Groove. Dann übernimmt die Band, gibt wieder ab, und Dirigent Jens Troester fügt mit Taktstock und Charisma zusammen, was bei der Neuen Philharmonie Frankfurt ganz natürlich zusammen zu gehören scheint - und beim legendären Cross-over-Konzert im "Klasse Klassik Sommer" ein ums andere Mal "vom Hocker haut".

Daran änderte am nahezu ausverkauften Premierenabend, der eigentlich der Zusatztermin für zwei Konzertabende war, auch die neue Location nichts. Der Auftritt am heutigen Samstag, zugleich der letzte von dreien, ist ausverkauft. Nachdem das Zirkuszelt auf der Seewiese wegen Altersschwäche hatte aufgegeben werden müssen, legte sich die Konzert-Crew für die Veranstalter von Ovag, Stadt Friedberg und Sparkasse Oberhessen jetzt in der Stadthalle mit der gewohnt spektakulären Lightshow und ausgeklügelter Tontechnik ins Zeug. Der musikalischen Energie konnten sich die Besucher nach einer Umgewöhnungsphase denn auch nicht entziehen. Ganz im Gegenteil war der Sound noch druckvoller, und die Stimmen wuchsen über sich hinaus.

Katrin Glenz feiert Comeback

Im grandiosen Grenzgang zwischen Klassik, Rock und Pop gelang die musikalische Hommage an ein vereintes Europa der brandneuen Eigenproduktion "Music United - A Symphonic Rock Celebration of Europe". Mit großer Spielfreude und überraschenden Wendungen schlug das Orchester den etwas anderen klassischen Bogen von der Europahymne über Rossini, Tschaikowsky, Ravel, Debussy und einen überschwänglichen "Tico Tico" bis zu Beethovens "Ode an die Freude". Big Ben läutete aus dem Synthesizer, der Bolero kam als umjubelter Musiker-Flashmob aus der Pause, und die "Freude schöner Götterfunken" sprühte am Fuße von Peter Gabriels "Solsbury Hill" derart nahtlos, dass der Saal beinahe seinen "chorischen" Einsatz des Schwenkens mit Europafähnchen verpasst hätte. Drei "Stammgäste" schenkten dem neuen Programm ihren starken Stimmen: Neben "Reibeisen-Rockröhre" Achim Dürr und der elektrisierenden "Wundertüte" Karsten Stiers trat nach Jahren Pause auch Katrin Glenz mit unergründlich tiefem Stimmvolumen wieder an. Aus dem Häuschen gerieten die Fans bei einem Medley aus Siegertiteln des Eurovision Song Contest zwischen "Ein bisschen Frieden", "Dschinghis Khan", "Satellite" oder dem unschlagbar schrägen "Wadde hadde dudde da". Der "Backgroundchor" aus Mirjam Wolf, Esther Wolff und Anja Loges machte auch solistisch auf sich aufmerksam und in immer neuen Outfits und Choreografien auch optisch eine gute Figur. Mit Kostümen und betörenden Glissandi zwischen Emotion und eruptiver Freude wechselten die Solisten die Klangfarben ihrer Stimmen. Katrin Glenz glänzte bei Edith Piafs "Je ne regrette rien", sang sich mit Anna Ternheims inniger Interpretation der Backstreet-Boys-Ballade "Show me the Meaning of being lonely" unter die Haut und lockte mit Amy Winehouses "Rehab" nicht nur den Gitarristen Ralf Hübner vollends aus der Reserve, sondern auch Gabi Jüttner am Drumset hinter der Glasscheibe.

Volldampf mit dem "Sonderzug"

Großes Kino bot Achim Dürr bei Psycho Nikoros' "Zu Asche, zu Staub". Den "Sonderzug nach Pankow" ließ Karsten Stiers unter Volldampf fahren. Unfassbar emotional und energiegeladen gerieten die "Fool’s Overture" und "Mama" der britischen Popgiganten Rodger Hodgson (Supertramp) und Genesis. Reihenweise flogen die Herzen den durchs Publikum laufenden Sängern zu, und spätestens bei "Bella Ciao" und "Hey Jude" in Endlosschleife "brannte die Hütte".

In den Armen lagen sich die Künstler nicht zuletzt auch mit der strahlenden Schauspielerin und Sängerin Rebecca Simoneit Barum, die mit ihrer Europa-Moderation in die großen Fußstapfen von Dr. Ralph Philipp Ziegler zu treten hatte. Dessen Funktion als künstlerischer Leiter hatte im vergangenen Jahr Jens Troester übernommen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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