Die Wetterauer Kreistagswahl ist seit Donnerstagabend ausgezählt.
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Die Wetterauer Kreistagswahl ist seit Donnerstagabend ausgezählt.

Kommunalwahl in der Wetterau

Neuauflage der Großen Koalition im Kreistag? Erste Sondierungsgespräche angekündigt

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die Wetterauer Kreistagswahl ist seit Donnerstag ausgezählt. Nun beginnt die Zeit der Analysen - und der Sondierungsgesprächen. Die sollen bereits am Samstag starten. Doch was sagen die Vertreter der Parteien?

Das war’s! Am Donnerstagabend stand das vorläufige Ergebnis der Wetterauer Kreistagswahlen endlich fest, anschließend wurden und werden noch die letzten Stimmen von Orts- und Ausländerbeiratswahlen ausgezogen, ehe die Kommunalwahl 2021 auch im Wetteraukreis Geschichte ist. Damit beginnt die Zeit der Analysen.

Kreistagswahl in der Wetterau: Hoher Briefwahl-Anteil sorgt für Verzögerungen bei der Auszählung

Auf der technischen Seite dauerte die Ermittlung der Ergebnisse noch länger als üblich. Ein Grund: Der erhöhte Anteil der Briefwähler. Hatte vor fünf Jahren noch jeder Vierte Wetterauer seine Stimme per Briefwahl abgegeben, war es diesmal mehr als jeder Zweite. Obwohl sich Städte und Gemeinden teilweise durch die Aufstockung ihrer Briefwahlbezirke auf das erhöhte Aufkommen eingestellt hatten, waren es am Ende doch genau diese Bezirke, deren Auszählung am längsten dauerte - vermutlich auch, weil die Menschen beim Ausfüllen der Stimmzettel in den eigenen vier Wänden noch mehr als sonst von der Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens Gebrauch gemacht haben - genaue Zahlen dazu liegen laut Wetteraukreis noch nicht vor. Fest steht: Für die Städte und Gemeinden bedeutete das einen erhöhten Aufwand bei den Mitarbeitern, die die Stimmen ausgezählt haben.

Ebenfalls zusätzlicher - in diesem Fall finanzieller Aufwand - bedeutete die Durchführung der Wahl unter Pandemie-Bedingungen. Immerhin hatte das Land für die Wahlvorstände Masken und Handschuhe bereitgestellt, die weiteren Kosten, etwa für Desinfektionsmittel, Plexiglasscheiben oder andere Hygieneutensilien muss von den Kommunen getragen werden. Immerhin: Meldungen über Probleme in den Wahllokalen lagen dem Kreis bis Mittwoch keine vor.

Vor der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistages am 11. Mai wird der Kreiswahlausschuss zunächst am kommenden Mittwoch zusammenkommen, um die Berichte und Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen zu sichten und zu besprechen sowie anschließend - so ist es zumindest geplant - das endgültige amtliche Endergebnis feststellen.

Kommunalwahlen: Rollen im neuen Wetterauer Kreistag scheinen klar verteilt

Politisch dürfte sich nicht viel ändern: Die große Koalition aus CDU und SPD hat zwar aufgrund des deutlich schwächeren Ergebnisses der Sozialdemokraten vier Sitze eingebüßt, mit 44 von 81 Sitzen aber weiterhin eine stabile Mehrheit. Zwar haben auch die Grünen, die mit acht neuen Mandaten auf nun 15 Sitze kommen, sowie die FDP und die Freien Wähler, die je einen Sitz hinzugewinnen konnten, in ihren ersten Statements am vergangenen Sonntag durchaus Interesse an der Mitarbeit in einer Koalition signalisiert, jedoch auch unisono betont, dass das Heft des Handelns beim Wahlsieger, also der CDU, liegt. Deren Kreisvorsitzende Lucia Puttrich kündigte an, bereits am heutigen Samstag ein erstes Sondierungsgespräch mit der SPD führen zu wollen, nachdem beide Parteien unisono betont hatten, wie vertrauensvoll und konstruktiv die Zusammenarbeit in der Groko gewesen sei.

Definitiv wie auch zuletzt in der Opposition wiederfinden werden sich die Linke bei unverändert drei Sitzen, die AfD, die nach vier verlorenen Sitzen bei sechs Mandaten steht, sowie die rechtsextreme NDP, die nur noch einen statt bislang zwei Abgeordnete stellen darf. Den Piraten war der Wiedereinzug in den Kreistag nicht gelungen, ebenso hatte die Satirepartei »Die PARTEI« keinen Sitz erringen können.

Stimmen zur Kreistagswal in der Wetterau: Das sagen die Partei-Vertreter

  • Lucia Puttrich, CDU-Kreisvorsitzende: »Mit dem Ergebnis auf Kreisebene sind wir zufrieden. Wir konnten zwei Sitze dazugewinnen und bleiben damit stärkste politische Kraft im Wetteraukreis. Das ist ein deutlicher Vertrauensbeweis für die Arbeit unseres Landrates Jan Weckler und der sehr engagierten Kreistagsfraktion unter Führung von Sebastian Wysocki. Wir haben als stärkste Fraktion nun den Auftrag eine Koalition zu bilden.«

    Lisa Gnadl, SPD-Kreisvorsitzende: »Das Wahlergebnis ist kein Anlass zur Freude. Dank unserer kommunalen Verankerung in den Städten und Gemeinden sind wir zweitstärkste Kraft geblieben. Das Ergebnis werden wir noch ausführlich in den Parteigremien auswerten und analysieren. Wir werden außerdem das Gespräch mit unserem bisherigen Koalitionspartner suchen. Unsere neue Fraktion wird weiblicher und jünger. 

    Thomas Zebunke und Michaela Coletti, Kreissprecher der Grünen: »Wir sind sehr zufrieden und sehen uns als Antrieb für einen Wandel in der Wetterau. Die Fraktion wächst von sieben auf 15 Personen, der Frauenanteil beträgt 60 Prozent, und zwei Drittel der Fraktionsmitglieder sind erstmals im Kreistag. In den nächsten fünf Jahren werden wir uns daher mit frischen Kräften für Klimaschutz, Schulentwicklung und Stärkung des ländlichen Raums ohne Flächenfraß engagieren.«

    Ronald Berg, FWG-Vorsitzender: »Wir sind grundsätzlich mit Zugewinn von einem Sitz und dem historisch besten Ergebnis auf Kreisebene sehr zufrieden. Dieses Ergebnis verdanken wir vor allem unserer kommunalen Stärke, insbesondere im östlichen Wetteraukreis. Aufgrund des Wahlergebnisses gehen wir davon aus, dass die Große Koalition Bestand haben wird und wir keine Rolle bei einer Regierungsbildung spielen werden, zumal mit den Grünen als möglicher Partner für die CDU eine weitere Option offenstünde.«

    Andreas Lichert, AfD-Kreisvorsitzender: Die Enttäuschung ist natürlich da, klar. Aber wir bleiben unserer Linie treu: Wir wollen eine konstruktive Opposition sein und machen unsere Positionierung davon abhängig, ob es um einen vernünftigen Vorschlag geht oder nicht – pragmatisch und unideologisch. 

    Jens Jacobi, FDP-Kreisvorsitzender: »Unser kontinuierlicher Einsatz für Verbesserungen in Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung und Ausstattung von Schulen und Kindergärten ist wichtig für die Wetterau, und wir werden uns hier weiter für Verbesserungen einsetzen. Die starken Stimmergebnisse unserer neuen Fraktionsmitglieder sind die Anerkennung ihrer Arbeit.«

    Gabriele Faulhaber, Linken-Kreisvorsitzende: »Wir werden weiterhin eine aufmerksame Opposition sein, werden weiterhin dafür streiten, dass der soziale Wohnungsbau angekurbelt wird. Wir wollen, dass das Gesundheitszentrum Wetterau in öffentlicher Hand bleibt und sind gegen jeden Versuch einer Privatisierung. Wir unterstützen die Klima-Bewegung und treten gegen den Raubbau des regionalen Grundwassers ein.«

    NPD: Die Partei war für ein Statement nicht zu erreichen.

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