Narren und Helden unter der Zirkuskuppel

Friedberg (fa). Vorhang auf, Manege frei für "Fools an Heroes", Narren und Helden, im Zirkuszelt auf der Friedberger Seewiese. Doch wer sind hier eigentlich die Narren, und wer die Helden? Eine Frage, die nicht allzu ernst verfolgt werden sollte bei diesem Konzertblock mit der Neuen Philharmonie Frankfurt.

Untersützt wure ds Orchester durch versierte Solisten im Rahmen des "Klasse Klassik Sommers", den Ovag, Sparkasse Oberhessen und die Stadt Friedberg am Wochenende präsentierten. Den roten Faden und Anlass zu vielen launigen Bemerkungen und Bonmots gab der Titel Moderator Dr. Ralph Ziegler allemal.

Fast vier Stunden blieb das Publikum im ausverkauften Zelt bei einem mitreißenden Mix von Klassik und Pop bei der Stange, Fußtrampeln, stehende Ovationen, begeisterter Beifall und eine Polonaise unter dem lichterfunkelnden Zirkusdach waren krönender Abschluss und Lohn für die Musiker zugleich.

Als Auftakt Rossinis Ouvertüre zum "Barbier von Sevilla", zum offiziellen Schluss Richard Wagners "Walkürenritt", dazwischen Tschaikowsky, Offenbach, Beethoven im spannenden Crossover mit eingängigen Songs unter anderem von Elton John, den Beatles, Queen und Bon Jovi - nicht nur um der ausgewählten Stücke willen ein Genuss, sondern besonders deshalb, weil das Ganze so perfekt, aber dennoch locker-leicht und mit ganz viel Spielfreude über die Bühne ging.

So gelang es der feenhaft wirkenden Zoé Cartier als Cello-Solistin, Tschaikowskis Rokoko-Variationen in pointiertem Zusammenspiel mit der Neuen Philharmonie Frankfurt zu einem märchenhaft-leicht wirkenden Stück Musik zu erwecken, obgleich die Komposition höchst anspruchsvolle Fertigkeit vom Solisten fordert. Die Rokoko-Variationen waren der zurückhaltendste Teil des gesamten Konzerts, der gleichwohl sehr gut harmonierte. Fast hätte man sich noch das ein oder andere ruhigere Stück gewünscht, zumal während des gesamten Abends nicht an Lautstärke gespart wurde.

Nach Jacques Offenbachs schwungvollem Can-Can aus "Orpheus in der Unterwelt" interpretierte Katrin Glenz stimmstark "If a Song Could Get Me You" der Norwegerin Marit Larsen und eröffnete damit den Reigen populärer Hits bis zur Pause. "Don’t Let the Sun Go Down on Me" – Achim Dürr als Elton John und Franco Léon mit dem Part von George Michael brachten den Klassiker unter den Popballaden stilvoll-lässig.

Eine Kategorie für sich war von Beginn an Achim Dürr: Seit rund 25 Jahren in der Musikszene zu Hause, strahlte er die Souveränität eines Könners aus, der mit augenzwinkerndem Humor mit seiner Stimme, den Songs und dem, was sie verkörpern sollen, spielen kann. Frech und cool auch sein Auftritt mit Katrin Glenz in "Paradise by the Dashboard Light" von Meat Loaf. Er in Jeanskluft und rotem Hemd, sie in schwarzem Trench, rotem, eng anliegenden Shirt und schwarzen Röhrenhosen – so persiflierten sie "Das Paradies im Licht des Armaturenbretts" mit viel Witz und großer Pose, bevor es in die Pause ging.

Der zweite Teil des Konzerts war eindeutig den Helden gewidmet. Beispielsweise den "Pirates of the Caribean". Bei der Musik des aus Frankfurt stammenden Klaus Badelt zum Kinofilm um den als Jack Sparrow agierenden Johnny Depp kam nochmals Zoé Cartier zum Zug, dem Thema entsprechend im weiten Rüschenhemd gewandet und musikalisch und optisch ein Genuss.

Danach steigerte sich das Feuerwerk aus Klassik und Pop unter der festlich lichterfunkelnden Zirkuskuppel zu einem temporeichen Musikspektakel mit Queen ("The Show Must Go On"), Beethovens "Eroica" und Bon Jovis "Livin’ on an Prayer" bis zum "Walkürenritt" von Wagner. Inzwischen zu stehenden Ovationen mitgerissen und längst nicht willens, die frenetisch gefeierten Musiker samt Dirigent Jens Troester gehen zu lassen, erhielten die Zuhörer noch Michael Jacksons "Earth Song", den Sirtaki, den Mikis Theodorakis zum Film "Alexis Sorbas" komponierte, und "Yellow Submarine" von den Beatles obendrauf, wobei letzteres von einer – wenn auch erst auf Aufforderung inszenierten – Polonaise begleitet wurde.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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