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Moderne Kunst als Lebenselixier

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Friedberg(gk). "Ein Leben mit moderner Kunst": Das kann man über das Friedberger Ehepaar Erich und Irmgard Fitzau sagen. Unter diesem Motto steht deshalb auch die aktuelle Ausstellung des Wetterau-Museums, die am Donnerstagabend in den Räumen des Kunstvereins vor zahlreichen Besuchern eröffnet wurde. Zu sehen ist eine Auswahl von überwiegend abstrakten Gemälden und Skulpturen des 20. Jahrhunderts aus der seit den frühen 60er Jahren aufgebauten, über 200 Stücke umfassenden Privatsammlung des Ehepaars Fitzau.

Bürgermeister Dirk Antkowiak zeigte sich in seiner Begrüßung beeindruckt von der hochkarätigen Schau und dankte dem anwesenden Erich Fitzau für die Genehmigung der von Johannes Kögler als Leiter des Wetterau-Museums kuratierten Sonderausstellung.

Die Sammlung Fitzau habe "musealen Charakter" im besten Sinn, so Antkowiak weiter. Um Werke der hier versammelten Künstler wie Erich Heckel, Ernst Wilhelm Nay, Otto Greis, Fritz Wotruba, Georg Minne und viele andere bewundern zu können, müsse man in etliche große Kunstmuseen der Region wie Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden fahren.

Mit dem Kunstverein verbunden

Kurator Johannes Kögler skizzierte im Anschluss die Entstehungsgeschichte der Sammlung von Irmgard (verstorben 2004) und Erich Fitzau, der von 1985 bis 1996 den Friedberger Kunstverein leitete und 1999 den Ehrenschild der Stadt erhielt.

"Moderne Kunst als Lebenselixier": Schwerpunkt der Sammlung sind Werke der Frankfurter "Quadriga"-Gruppe und des "Informel" als vorherrschender Kunstströmung der 50er Jahre. Aber auch Werke der klassischen Moderne (Max Beckmann, Erich Heckel, Otto Müller, Oskar Schlemmer) sind Teil der Sammlung und in der Ausstellung zu sehen. Kögler wies auch darauf hin, dass das Sammlerpaar trotz seiner Vorliebe für abstrakte Kunst auch ein Faible für zum Teil sehr alte Stücke aus dem antiken Griechenland oder Rom hatte. So sind im Wetterau-Museum ein etwa 4 500 Jahre altes Kykladen-Idol oder der Torso einer Muse aus römischer Zeit zu bewundern.

Sammeln, so Kögler, hieß für das Ehepaar und heißt für Erich Fitzau bis auf den heutigen Tag: Einbeziehen von Kunst in den privaten Lebensbereich, Gegengewichte zum oft tristen Berufsalltag und zur allgegenwärtigen optischen Reizüberflutung schaffen, sich ganz einfach beglücken lassen vom schönen Schein.

Und warum gerade abstrakte, nichtgegenständliche Kunst? Im Vorwort zum Bestandskatalog seiner Sammlung schreibt Erich Fitzau: "In der gegenstandsfreien Kunst wird die Form zum Inhalt. Der hohe Anspruch an die Form in der künstlerischen Aussage macht für mich die besondere Bedeutung der Kunst der Moderne aus." Niemals sei es ihm und seiner verstorbenen Frau um "spekulative Wertanhäufung, auch nicht um pedantisches Vollständigkeitsbedürfnis" gegangen. Für ihn als passionierten Sammler beginnt die Aussagefähigkeit von Kunst dort, wo die Möglichkeit sprachlicher Vermittlung aufhört.

Jedes echte Kunstwerk müsse, so Fitzau, einen "Ewigkeitswert" besitzen, das heißt, mehr sein als nur Spiegel seiner Epoche. Auch die persönliche Bekanntschaft mit Künstlern sei für seine Frau und ihn ein Kriterium beim Erwerb von Werken gewesen. Zum menschlichen Leben gehöre, so sein emphatisches Credo, die Sehnsucht nach Schönheit - wie nach Liebe. Und was ist "Schönheit"? Die "liegt im Auge des Betrachters" (Kant), das heißt, für sie gebe es keine objektiven Kriterien.

Nach einem kleinen Umtrunk führte Kögler durch die sehenswerte Schau.

Kunstinteressierte können sich noch einen Termin vormerken: Am Sonntag, 24. November, wird Erich Fitzau ab 11.15 Uhr in den Räumen des Kunstvereins in einem Podiumsgespräch mit dem Museumsleiter von der Entstehung seiner Sammlung und von Werken, die ihm besonders viel bedeuten, erzählen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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