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Die Bad Nauheimer Metzgerei-Chefin Heike Tuppi würde gerne drei Fachkräfte einstellen. Die Suche gestaltet sich schwierig. FOTO: NICI MERZ

Fachkräftemangel

Misere in der Wetterau: Wenn Fachkräfte fehlen

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Der Mangel an Fachkräften ist auch in der Wetterau in ganz verschiedenen Branchen ein Problem. Die WZ hat nachgefragt - nach der Not der Firmenchefs und den Gründen für die Misere.

Die Baufirma -"Uns fehlen einfach qualifizierte Leute", sagt Ralf Jakobi, Geschäftsführer der Bad Nauheimer Baufirma Jakobi & Jakobi. Beispielsweise fehle es an Malern, Lackierern, Fliesenlegern und Maurern. In seinem Unternehmen sind 15 Mitarbeiter beschäftigt. Es dürften gerne mehr werden - aber: "Wenn wir beim Arbeitsamt nachfragen, kommen Leute, die keine Lust, keine Laune, keinen Spaß an der Arbeit haben." Wenn sich doch mal jemand gemeldet habe, dann jemand mit mangelnder Qualität. "Viele junge Leute haben keine Lust mehr aufs Handwerk", sagt Jakobi. Lebensqualität, chillen und Lifestyle stünden oben auf der Agenda. Nach dem Motto: Abi machen und dann erstmal ein halbes oder ganzes Jahr nach Australien.

Kreishandwerkermeister- "Die Personalnot ist mit großem Abstand das beherrschende Thema der Bauwirtschaft. Viele unserer Innungsbetriebe arbeiten an ihrer Belastungsgrenze", sagt Kreishandwerkermeister Werner Ulowetz, Chef des gleichnamigen Elektrotechnik-Unternehmens in Rockenberg. "Auch in unserer Firma würden wir gerne zusätzlich einen qualifizierten Facharbeiter einstellen, doch der Arbeitsmarkt ist leergefegt." Seine Firma begegne dem Mangel, indem sie seit vielen Jahren kontinuierlich auf hohem Niveau junge Menschen im Elektro-Handwerk ausbilde. "In diesem Jahr ist es uns gelungen, drei geeignete Auszubildende einzustellen." In der Wetterau sei vor allem die Nahrungsmittelbranche vom Fachkräftemangel betroffen, sagt Ulowetz. "Offensichtlich gibt es hier Berufe, die bei jungen Menschen derzeit wohl nicht so gefragt sind, und so nehmen die Zahlen im Bäcker- und Fleischer-Handwerk leider stetig ab."

Die Metzgerei- Bei Heike Tuppi von der gleichnamigen Bad Nauheimer Metzgerei sieht es nicht besser aus. Seit einem Vierteljahr ist sie auf der Suche nach einer Reinigungskraft, seit einem halben Jahr findet sie keine Verkäuferin. Aktuell würde sie außerdem gerne eine Küchenhilfe einstellen. Früher habe es drei oder vier Kandidaten gegeben, zwischen denen man habe auswählen können, sagt Tuppi. Seit zwei, drei Jahren melde sich niemand mehr. Zwölf Menschen stehen bei Tuppi derzeit in Lohn und Brot, die Metzgerei gibt es seit 100 Jahren, 2020 wird sie 30 Jahre in Händen der Tuppis sein. Woran liegt’s, dass es für solch einen Traditionsbetrieb schwer ist, Fachkräfte zu gewinnen? "Das wüsste ich auch gern", sagt die Metzgerei-Chefin. Schließlich gebe es doch viele Menschen ohne Job.

Die IHK- Im Konjunkturbericht der IHK Gießen-Friedberg heißt es zu Risiken der konjunkturellen Entwicklung: "Spitzenreiter bei den Risiken ist der Fachkräftemangel. Ruft man sich die günstigen Arbeitslosenquoten und die Beschäftigtenpläne der Unternehmen in Erinnerung, so verwundert es nicht, dass 49 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Hindernis einer weiteren gedeihlichen konjunkturellen Entwicklung ansehen. Am lautesten wird dieses Problem im Gastgewerbe, im Transportgewerbe und in der Medizintechnik beklagt."

Der Headhunter -"Viele Leute nehmen ein Studium auf, ohne zu wissen, in welchem Unternehmensteil sie später landen und wo sie ihre Bewerbung hinschicken werden", sagt Lutz-Martin Busch, Geschäftführer der Bad Nauheimer HiTec-Consult GmbH, die für andere Unternehmen, insbesondere aus der Medizintechnik-Branche, Fachkräfte anwirbt. Junge Menschen würden bei der Wahl des Studiums immer wieder Trends folgen. Oftmals verschätzen sich laut Busch Studierende aber - die Folge: Sie brechen ihr Studium ab. Der Fachkräftemangel resultiere aus der weit verbreiteten Orientierung an Trends, sagt Busch. Viele junge Menschen würden gar nicht prüfen, ob für sie auch etwas anderes als ein Studium in Frage komme. Buschs Mitarbeiter Fabian Brücher ist ein Gegenbeispiel. Er ist seit 2011 im Unternehmen, hat nach der Ausbildung ein duales Studium absolviert. Brücher sagt: Manchmal sei der Auszubildende, der etwas von der Berufswelt verstehe, geeigneter als der Theoretiker.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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