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Messerstecher: Sieben Jahre Haft wegen versuchten Mordes

Friedberg/Gießen (csk). Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilte die fünfte Große Strafkammer des Landgerichts Gießen einen 44-jährigen Friedberger am Montag zu sieben Jahren Haft.

Er hatte im Januar 2011 den neuen Lebensgefährten seiner geschiedenen Ehefrau mit einem Messer attackiert und dabei lebensgefährlich verletzt. Nach sechs Verhandlungstagen sah es das Gericht nun als erwiesen an, dass der Angeklagte sein Opfer töten wollte – die Tat wird daher als versuchter Mord gewertet, zumal sie nach der Überzeugung des Gerichts außerdem heimtückisch verübt worden war.

Staatsanwalt Klaus Bender rekapitulierte in seinem Plädoyer zunächst die Vita des Mannes, wobei er besonders zahlreiche Vorstrafen hervorhob. So war der 44-Jährige unter anderem im Jahr 2003 wegen versuchter räuberischer Erpressung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte sei also nicht das erste Mal gewalttätig gewesen, vielmehr habe das weiterhin ungeklärte Umgangsrecht für seine Kindern die Gewaltspirale noch angetrieben. Im Grunde hatte dies der Friedberger selbst bestätigt: Immer wieder nannte er den Wunsch nach regelmäßigen Treffen mit seinen Kindern als Grund für seine Verzweiflung – letztere war ihm zufolge ursächlich für die Messerattacke.

Das Gericht folgte etlichen Schilderungen nicht; zudem hielt es weder etwaige, der Tat vorausgehende Provokationen noch eine zwischenzeitliche Versöhnung mit seiner Ex-Frau für nachvollziehbar. Als mildernder Umstand war vor allem die Frage eines "freiwilligen Rücktritts" – so der juristische Fachausdruck – von der Tat diskutiert worden, also, ob der Angeklagte bewusst von seinem Opfer abließ, nachdem dieses in ein Kinderzimmer flüchten konnte. Darauf verwies Verteidiger Frank Richtberg in erneut. Außerdem wies er auf eine vom Gerichts-Sachverständigen bestätigte Borderline-Störung hin. Dem Angeklagten sei es nur um die Kinder gegangen.

Grundsätzlich sprach auch die Urteilsbegründung später von einer Persönlichkeitsstörung, als mildernden Umstand wurde sie dennoch nicht gewertet. "Es gibt keine naturgesetzähnliche Korrelation von psychischer Labilität und schwerer Straftat", betonte Richter Demel. Dem 44-Jährigen wurde sein Geständnis positiv angerechnet; freilich nicht, ohne auf Defizite hinzuweisen. So hatte er nur die Attacke eingeräumt, allerdings auch versucht, von den Richtern für unglaubwürdig gehaltene Erklärungen zu finden. Ein Beispiel war die Frage nach der Tatwaffe, ein Brotmesser.

Erst wollte der Friedberger dieses in einer Tasche mitgeführt, dann im Auto seiner Ex-Frau gefunden haben, als er wahllos nach einer Waffe zur Selbstverteidigung suchte. Nach der Beweisaufnahme hielt das Gericht hingegen für bewiesen, dass er eben jenes Messer eigens für die Tat mit sich führte.

So entsprach das Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Voll schuldfähig sei er und zudem einschlägig vorbelastet – zur Tatzeit stand er gar noch unter Bewährung. So bleibe letztlich wenig, was für ihn spreche, erklärte Demel. Eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus komme ebenfalls nicht in Betracht.

In seinem Schlusswort hatte der 44-Jährige selbst gebeten, eine Therapie beginnen zu können.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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