Licht in der dunklen Jahreszeit

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Ein Blick durch das Fenster in die beiden Räume des Kunstvereins in der Haagstraße 16 bleibt den Passanten derzeit verwehrt. Die Fenster wurden mit Folie abgeklebt und das hat einen Grund. Licht ist das Thema der ersten Ausstellung des Kunstvereins in diesem Jahr, dessen Titel "Into the Light" man treffend mit "Hinein ins Licht" übersetzen kann.

Ein Blick durch das Fenster in die beiden Räume des Kunstvereins in der Haagstraße 16 bleibt den Passanten derzeit verwehrt. Die Fenster wurden mit Folie abgeklebt und das hat einen Grund. Licht ist das Thema der ersten Ausstellung des Kunstvereins in diesem Jahr, dessen Titel "Into the Light" man treffend mit "Hinein ins Licht" übersetzen kann.

Damit das "Kunst-Licht" in den Räumen wirken kann, wird erst einmal Dunkelheit benötigt, sodass Kunstvereinsvorsitzender Joachim Albert zusammen mit Vorstandsmitglied René Ludwig beim Aufbau der nur drei Installationen erst einmal durch das Verdunkeln der Fenster für die entsprechenden Voraussetzungen sorgen musste.

Protagonisten der Ausstellung sind zwei namhafte Künstler aus zwei Generationen. Da ist zum einen der fast 80 Jahre alte Holländer Jan van Munster, der sich in seinen Arbeiten mit allen Formen der Energie beschäftigt. Beim Kunstverein zeigt Munster einige Arbeiten aus seiner Werkgruppe "Brainwaves" – englisch für Gehirnströme. Inspiriert für die auf und ab schwingenden Neonröhren waren die Kurven, die der in Ost-Souburg lebende Künstler bei seinem eigenen EEG sah.

Julius Stahl, der 1978 in Dortmund geboren wurde, hat für sein Lichtobjekt "Licht I" eine Art "Instrument" geschaffen, das Licht- und Tonwellen miteinander verbindet und somit selbst die für das Ohr kaum wahrzunehmende Töne sichtbar macht.

Gezeigt wird ferner ein Lumonigramm, in dem der Künstler auf lichtempfindlichen Papier Spuren von klingendem Licht aufgezeichnet hat. Wie das Lichtobjekt funktioniert erlebten die über 70 Besucher bei der Vernissage am Freitagabend. Immer wieder veränderte sich der längs laufende Lichtstrahl bei der Begrüßung durch den Kunstvereinsvorsitzenden Joachim Albert und der Einführung durch Dr. Friedhelm Häring, der vor 42 Jahren Initiator zur Gründung des Kunstvereins war.

Schweigen für die Kunst

Schon länger habe er sich mit dem Thema "Licht" beschäftigt, sagte Albert, der zur Ausstellungseröffnung, neben den beiden Künstlern, auch Bürgermeister Dirk Antkowiak und aus Bad Nauheim Stadträtin Sigrid Bourdin und Vertreter des befreundeten badestädtischen Kunstvereins begrüßen konnte. "Die drei Arbeiten passen zur dunklen Jahreszeit, sie bringen Licht", stellte Albert fest.

Nachdem er Jan van Munster, der zeitgleich in Ausstellungen in den Niederlanden und in Berlin seine Werke zeigt, für die Ausstellung gewinnen konnte, schlug dieser vor, zu seinen Brainwaves Arbeiten von Julius Stahl zu zeigen. "Schweigen Sie mal zehn Sekunden, um die Veränderungen des Lichtobjekts zu sehen", sagte Dr. Häring zu Beginn seiner Einführung. Die Besucher folgten der Aufforderung, beobachteten fasziniert die Veränderung des Lichtstrahls. Häring: "Sie haben das in dieser Form auf der ganzen Welt nicht mehr. Beide Künstler wollen über die Welt hinaus."

In seiner humorvollen Rede zitierte der Kunsthistoriker Goethe – "Mehr Licht" – ebenso wie Plato. André Rieu und die "Fußballergebnisse von morgen" brachte er ebenfalls in seiner Rede unter. Töne setzen für den langjährigen Leiter des Oberhessischen Museums in Gießen "das wunderbare Spiel des Lichts in Kraft."

Jan van Munsters Arbeit dagegen mache deutlich, "dass sich in unserem Hirn doch etwas bewegt", so Häring und weiter: "Die Energie, die sie hier sehen, ist das Eigentliche, das uns Charakter gibt." Mehr könne Kunst nicht zeigen, sagte Härtling am Ende seiner mit langem Applaus bedachten Rede.

Die Ausstellung "Into the light" in den Räumen des Kunstvereins, Haagstraße 16, ist dienstags bis donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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