+
Prozess vor dem Friedberger Amtgericht.

Kinder-, Jugend- und Tierpornos auf dem PC: Haftstrafe

Friedberg (lk). "Das Gericht ist von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt", sagte Richter Dr. Oliver Buckolt am Montag zu dem 42-jährigen Friedberger. Weil der nicht nur fünf kinder-, 25 tier- und zwei jugendpornografische Videos aus dem Internet heruntergeladen, sondern die Filme auch anderen öffentlich zugänglich gemacht hatte, muss der gebürtige Türke nun für elf Monate ins Gefängnis.

Der Familienvater beteuerte seine Unschuld. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Über eine Internettauschbörse hatte der Familienvater zwischen April und Juni 2010 mehrere pornografische Videos mit verbotenem Inhalt heruntergeladen und anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Als im vergangenen Jahr wegen Betrugs gegen den mehrfach vorbestraften Mann ermittelt wurde, untersuchten Polizisten auch den Computer des 42-Jährigen und fanden die Videodateien. Verteidiger Axel Weber hatte das Gericht am ersten Verhandlungstag darauf hingewiesen, sein Mandant sei nicht der einzige mit Zugriff auf den Rechnergewesen.

Auch die Söhne des Angeklagten hätten den PC genutzt. Die Söhne wurden als Zeugen geladen, machten jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Gleiches galt für die Ehefrau des 42-Jährigen, die am gestrigen Verhandlungstag eigentlich bestätigen sollte, dass ihr Cousin im Tatzeitraum ebenfalls Zugriff auf den Rechner gehabt habe, zumal das Passwort des Computers für jeden sichtbar an der Tastatur angebracht gewesen sei.

"Ich bin unschuldig und hab' nichts gemacht", sagte hingegen der Angeklagte, der sich an den ersten beiden Verhandlungstagen nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte. Besonders glaubwürdig wirkte die Unschuldsbeteuerung nicht, war der Friedberger doch bereits 2008 wegen des Besitzes von kinderpornografischen Materials angeklagt gewesen. Das Verfahren war damals gegen eine Zahlung von 1200 Euro eingestellt worden.

"Ich bin absolut sicher, dass der Angeklagte die Taten begangen hat", sagte Staatsanwalt Hauburger, der eine Gesamtfreiheitsstrafe von 13 Monaten forderte. Der Angeklagte habe die Taten unter laufender Bewährung begangen und sei erheblich vorbestraft, begründete der Staatsanwalt. Verteidiger Weber plädierte auf Freispruch. "Wenn einer pädophil ist, lädt er sich doch tausende Dateien runter und nicht nur wenige", sagte der Rechtsanwalt, der erneut auf einen unbekannten Dritten als Täter verwies. "Im Zweifel für den Angeklagten", so Weber.

Richter Buckolt verurteilte den arbeitslosen 42-Jährigen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten. Es sei nicht möglich gewesen, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Da der Mann die Taten unter laufender Bewährung begangen hatte, muss er nun auch die zwölfmonatige Gefängnisstrafe verbüßen, zu der er im April 2010 wegen Betrugs verurteilt worden war.

Tier- und Kinderpornografie auf dem Rechner

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare