FH kauft Grundstück für Technologiezentrum

Friedberg (jw). Konversion bedeutet Umwandlung oder Umnutzung, die einstigen Flächen der US-Armee in der Wetterau - Kasernen, Wohngebiete, Manövergelände - sollen für zivile Zwecke genutzt werden, für Wohnhäuser, Schulen, Gewerbe, Dienstleistungen. Hört sich einfach an, ist in der Realität aber ein schwieriger und mitunter langwieriger Prozess. In Friedberg ist nun ein weiteres Kapitel des dicken Buchs "Konversion" geschlossen worden.

Friedberg (jw). Konversion bedeutet Umwandlung oder Umnutzung, die einstigen Flächen der US-Armee in der Wetterau - Kasernen, Wohngebiete, Manövergelände - sollen für zivile Zwecke genutzt werden, für Wohnhäuser, Schulen, Gewerbe, Dienstleistungen. Hört sich einfach an, ist in der Realität aber ein schwieriger und mitunter langwieriger Prozess. In Friedberg ist nun ein weiteres Kapitel des dicken Buchs "Konversion" geschlossen worden. Die Fachhochschule Gießen-Friedberg hat für rund 2 Millionen Euro eines von vier zum Verkauf stehenden Areale der Housing Area vom Bund gekauft. Auf dem 8331 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Karlsbader Straße, Dachspfad und Tepler Straße soll ein Technologiezentrum entstehen. Drei Wohnblöcke sollen abgerissen werden, in den Laboren eines Neubaus sollen in ein paar Jahren Studenten forschen. Für Bürgermeister Michael Keller (SPD) eine freudige Nachricht: "Die FH wächst, das ist ein Prozess, den wir heftig fördern." Außerdem, so Keller, verhandeln die Stadt und die Wohnungsbaugesellschaft weiter mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) über den Ankauf von Gelände für eine Kindertagesstätte und für Wohnbebauung.

Rund 4 Hektar umfasst die Housing Area in der Kreisstadt. Bis Ende 2007 wohnten dort Angehörige der US-Streitkräfte. Seit September 2009 wird das Gelände samt Wohnblocks und Offiziershäusern veräußert, die BIMA hat vier Verkaufslose ausgeschrieben, für eines hatte sich die FH interessiert. Der Verkauf ist unter Dach und Fach. Wie Jochen Vetter von der Abteilung Facility Management der FH sagt, hat FH-Präsident Prof. Günther Grabatin am 21. Dezember den Vertrag unterschrieben. Auf dem Grundstück stehen derzeit zwei Wohngebäude parallel zur Karlsbader Straße sowie eines im rückwärtigen Teil. Geplant ist ein Neubau. "Wir ermitteln zur Zeit, wie viele Räume benötigt werden. Ein altes Laborgebäude auf dem Campus ist abgängig, auch die Mensa ist zu klein, es besteht dringender Handlungsbedarf." Die Zahl der FH-Studenten steigt stetig, auch am Standort Friedberg - der nach der Umbenennung der FH im März "Technische Hochschule Mittelhessen, Campus Friedberg" heißen wird. 2009 wurden 10 500 Studenten gezählt, mittlerweile sind es 12 000, bis 2015 werden 13 000 Studierende erwartet.

Standorteröffnung für 2014/15 geplant

Das Land hat bereits in den 2009 eingeweihten FH-Neubau an der Hanauer Straße 18,4 Millionen Euro investiert. Das Geld für die erneute Erweiterung kommt aus dem Investitionsprogramm zur Modernisierung der Hochschulen (Heureka) des Hessischen Wissenschaftsministeriums. Die SPD-Fraktion erfuhr Anfang Dezember bei einem Besuch in der FH von Vizepräsident Prof. Axel Schumann und dem Standortmanager Gerold Reitz, dass mit der Eröffnung des Neubaus für 2014/15 gerechnet wird.

Was aus dem Gelände rund um den FH-Neubau wird, ist noch offen. Ende vergangenen Jahres sprang ein Investor für Wohnungsbau ab, das Verkaufslos musste neu ausgeschrieben werden. Wie Bürgermeister Keller, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft ist, sagt, hat die Wobau ein Angebot für das verbleibende Gelände zwischen Dachspfad und Im Wingert abgegeben. Geplant ist eine Mischbebauung, auch soll es Wohngemeinschaften für Studenten geben. "Der Bedarf ist groß, die direkte Nähe zur FH bietet sich an", sagt Keller. "Wir brauchen aber auch in der Innenstadt bezahlbare Grundstücke für junge Familien. Es handelt sich um ein Top-Gelände mit guter Infrastruktur, sprich mit Schulen, Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten und Bahnhof in der Nähe."

Außerdem will die Stadt ein 4000 Quadratmeter großes Grundstück für eine neue Kindertagesstätte kaufen. Angesichts der gesetzlichen Verpflichtungen bei der Krippenversorgung wäre eine Eröffnung der Kita bis 2013 wünschenswert, allerdings sind auch hier die Verhandlungen mit der BIMA noch nicht abgeschlossen, und die gestalten sich nicht immer einfach. "Die BIMA muss Erträge für den Bundeshaushalt generieren, es ist nicht ihre Aufgabe, strukturpolitische Überlegungen der Städte zu finanzieren", weiß Keller. Als sich 2008 die Bürgermeister von Bad Nauheim, Butzbach, Büdingen, Friedberg, Ober-Mörlen und Rosbach v. d. H. mit Landrat Joachim Arnold und der Bundestagsabgeordneten Nina Hauer (SPD) trafen, um die Vorgehensweise bei der Konversion abzustimmen, hatte Keller von einem "Konfliktpotenzial" bei den Vertragsverhandlungen gesprochen; die BIMA handele nach dem Grundsatz "wenig investieren, teuer verkaufen". Das gelte immer noch, sagt Keller. Beim Verkauf der Fläche für die Kita verhandele man allerdings nicht allein auf marktwirtschaftlicher Basis. "Durch die Kita erfährt das Areal eine Wertsteigerung, das muss seinen Niederschlag bei den Grundstückspreisen finden, und das akzeptiert die BIMA auch."

Witzel: BIMA pokert bis zum Gehtnichtmehr

Klaus Armbrecht vom Verkaufsteam der BIMA in Frankfurt bestätigt gegenüber der WZ, dass ein Kaufangebot der Stadt für das Kita-Gelände vorliegt. Es gebe allerdings noch keine Einigung. "Wir stehen vor der Wertermittlung, das macht ein Gutachter", so Armbrecht. "Uns liegt viel an einer guten Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden", umschreibt der BIMA-Mitarbeiter die Vorgehensweise seiner Behörde. Doch die stößt eben nicht immer auf Wohlgefallen bei den Bürgermeistern. "Die BIMA pokert bis zum Gehtnichtmehr", sagt Bad Nauheims Bürgermeister Bernd Witzel (UWG). 18 Millionen Euro musste die Kurstadt für Kauf und Erschließung ihrer knapp 82 000 Quadratmeter großen Housing Area ausgeben, unter der Ägide der Wohnungsbaugesellschaft entstehen in der Nähe des Großen Teichs gerade Einfamilienhäuser. Die Stadt habe ständig mit anderen Ansprechpartnern und mit anderen Vorstellungen zu tun gehabt, berichtet Witzel. "Unser Glück war, dass wir früh verhandelt haben." Das Thema Konversion ist in Bad Nauheim Geschichte.

Ober-Mörlen wird zur Kasse gebeten

In Ober-Mörlen hingegen ist die Konversion des Wintersteins noch lange nicht in trockenen Tüchern. 420 Hektar des ehemaligen Panzer- und Infanterieübungsgeländes liegen auf Ober-Mörler Gemarkung. Die BIMA stellte der Gemeinde vor eineinhalb Jahren 1,9 Millionen Euro in Rechnung. "Wir waren wie vor den Kopf gestoßen", sagt Bürgermeister Sigbert Steffens. "Das Geld haben wir nicht." Das Problem waren die Verträge, die vor über 40 Jahren bei der Überlassung des Waldes an den Bund geschlossen wurden. Fällt der Wald an die Gemeinde zurück, muss diese für die "Aufstockung" zahlen, sprich für den zwischenzeitlichen Bewuchs. Daher der hohe Betrag. "Mittlerweile sind wir in einem freundlicheren Verhandlungsfahrwasser", sagt Steffens. Die BIMA habe eingesehen, dass Ober-Mörlen diese Summe nicht zahlen kann. Nun soll ein Teil des eigentlich der Gemeinde zustehenden Waldes an den Bund fallen und mit der Aufstockung verrechnet werden.

Es bleiben zwei weitere Objekte auf Ober-Mörler Gebiet: Auf dem Gelände des Bundeswehrdepots könnten Erneuerbare Energien generiert werden, in Form von Windkraft, Photovoltaik und Biomasse. Die Gemeinde wird dazu eine Potenzialstudie in Auftrag geben. Für das ehemalige "Führerhauptquartier" in Ziegenberg sucht Steffens eine "gesicherte Nachnutzung unter dem Aspekt der politischen Brisanz". Möglicherweise wird das Areal in Depotform genutzt.

Quelle: Wetterauer Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare