Sobald der Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist, soll es auch im Wetteraukreis losgehen. Unter Zeitdruck wird ein Impfzentrum in einem leer stehenden Baumarkt in Büdingen eingerichtet.
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Sobald der Impfstoff gegen das Coronavirus verfügbar ist, soll es auch im Wetteraukreis losgehen. Unter Zeitdruck wird ein Impfzentrum in einem leer stehenden Baumarkt in Büdingen eingerichtet.

Neues Impfzentrum in Büdingen

Wetterau: Kreis verteidigt Impfzentrum-Standort - Ersatz-Bushaltestelle geplant

  • vonRedaktion
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Der Wetteraukreis will sein Impfzentrum demnächst in einem leeren Büdinger Baumarkt errichten. Zur deutlichen Kritik an seinem Vorhaben bezieht der Kreis nun Stellung.

  • Seit dem kurzem steht fest, dass das Impfzentrum des Wetteraukreises nach Büdingen kommt.
  • Ein leerer Baumarkt dort soll alle Vorgaben des Landes Hessen an ein Impfzentrum erfüllen.
  • Zuletzt wurde Kritik am fertigen Beschluss geäußert, nun bezieht der Kreis Stellung.

Update, 3.12.2020, 15:05 Uhr: In einer Mitteilung hat der Wetteraukreis seine Entscheidung, das Impfzentrum in einem leerstehenden Büdinger Baumarkt aufzubauen, verteidigt. Zuletzt war Kritik daran lautgeworden, dass der Standort im Ostkreis sein soll. Landrat Weckler machte deutlich, dass Zeitdruck und Landesvorgaben zwei große Faktoren waren, die die Auswahl an Gebäuden von vorneherein eingeschränkt hätten. Die Tauglichkeit der Immobilie sei das gewichtigere Argument gegenüber der Kommune, in der sie sich befinde, weshalb die Wahl auf das Objekt in Büdingen gefallen sei.

Der Büdinger Baumarkt bringe demnach die nötige Größe mit, um die sechs geplanten Impfstraßen ohne größeren Umbau beherbergen zu können. Außerdem, so Weckler, sei das Gebäude beheizbar, verfüge über ausreichend freie Parkplätze und liege am Stadtrand. Schließlich solle das Impfzentrum nicht zu Beeinträchtigungen führen, weshalb sich ein stillgelegter Markt anbiete. Letztlich auch ein wichtiges Kriterium: Das Gebäude musste sofort verfügbar und wirtschaftlich sein.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Kreis verteidigt Standort Büdingen

Auf die Frage, warum man nicht zentralere Sporthallen oder Bürgerhäuser erwägt habe, antwortet der Kreis, dass diese zu viele Nachteile böten. Zum einen würden mehr Anwohner gestört, wenn das Impfzentrum täglich von 7 bis 22 Uhr in Betrieb ist. Zum anderen wäre der Regelbetrieb der Gebäude für etwa 12 Monate lahmgelegt, was vor allem dem Schulsport einen Strich durch die Rechnung machen würde. Viele vorgeschlagene Gebäude, wie beispielsweise das Friedberger Kasernengelände, würden schon aufgrund ihrer zu geringen Größe herausfallen. Auch eine Zeltstadt zu errichten, sei für die kommenden Wintermonate keine geeignete Alternative.

Wetterau: Ersatzbushaltestelle am Corona-Impfzentrum kommt

Auf einen Kritikpunkt will der Wetteraukreis aber reagieren: die unzureichende Anbindung des Büdinger Baumarkts an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Deshalb verhandle man momentan mit der Verkehrsgesellschaft Oberhessen. Eine temporäre Bushaltestelle soll das Impfzentrum künftig mit dem Büdinger Bahnhof und damit dem ÖPNV verbinden.

Deutliche Kritik an Plan für Corona-Impfzentrum in der Wetterau

Update, 2.12.2020, 8.49 Uhr: Die Bad Vilbeler FDP nimmt in einer Pressemitteilung Stellung zum geplanten Corona-Impfzentrum für die Wetterau in Büdingen (siehe unten). »Das Ziel der Impfung gegen das Coronavirus sollte doch sein, möglichst viele Bürger zu gewinnen, um zur gewünschten Herdenimmunität zu gelangen«, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Schleßmann und unterstreicht: »Der Wetteraukreis leistet diesem Ziel mit der Etablierung des kreisweiten Impfzentrums in Büdingen einen Bärendienst.«

Mindestens 60 Prozent der Wetterauer Bevölkerung müsste zur freiwilligen Impfung bereit sein, um zum generellen Schutz der Bevölkerung vor dem Coronavirus zu kommen. Für die Wetterau seien es bei über 300 000 Einwohnern mindestens 200 000, die sich impfen lassen müssten. »Da sollten doch Überlegungen vorherrschen, die Impfung für die Impfwilligen so leicht und angenehm wie nur möglich zu machen. Das betrifft nicht nur den Pikser mit der Nadel selbst, sondern ganz gewiss auch Ort und die Entfernung zum Impfzentrum«, schreibt die FDP.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Standortwahl sorgt für Kritik

Weiter heißt es: »Es muss der Eindruck entstehen, dass die Berücksichtigung der ehemaligen Kreisstadt Büdingen als eine Förderung des Ostkreises die sachlichen Gründe ausgestochen hat. Nicht die regionale bzw. lokale Einwohnerdichte zählt, nicht die Zahlen der Infizierten und damit auch der akut Erkrankten, nicht die leichte Erreichbarkeit mit dem ÖPNV, gerade einer oft verkehrenden S-Bahn, bzw. mit dem Auto über einen unmittelbaren Autobahnanschluss sind ausschlaggebend, sondern ein leer stehender Baumarkt mit ausreichenden Parkplätzen.« Dass damit »eine tägliche Völkerwanderung« in die Südostecke des Kreises losgetreten werde, die voraussichtlich ein Jahr anhalten werde, erwähne der Landrat nicht.

Das ist nach Auffassung der Bad Vilbeler FDP unüberlegt, unsachlich ausgewählt und fadenscheinig. Die FDP Bad Vilbel fordert daher die Einrichtung eines weiteren Impfzentrums im dicht besiedelten Westkreis.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Standort in Büdingen gefunden

Erstmeldung, 1.12.2020, 7.19 Uhr: In der Bekämpfung der Corona-Pandemie können voraussichtlich ab Mitte Dezember die ersten Impfungen erfolgen. »Dazu wird auch im Wetteraukreis ein zentrales Impfzentrum eingerichtet. Ein leerstehender Baumarkt in Büdingen hat sich in der Kürze der Zeit als bester Standort herausgestellt«, so Landrat Jan Weckler in einer Presseerklärung.

Der »Einsatzbefehl aus dem hessischen Innenministerium« sei am Montag vergangener Woche gekommen. Binnen fünf Tagen sollte der Wetteraukreis eine geeignete Immobilie finden und vertraglich sichern, lautete die Vorgabe. »Es gibt nicht viele solcher Immobilien im Kreisgebiet, zumal wir ja auch kein ausgewiesener Messestandort sind«, sagt Landrat Weckler. Außerdem müsse das Objekt auch sofort verfügbar und bezahlbar sein. Sport- und Kulturhallen oder Bürgerhäuser seien von der Größe her nicht immer ausreichend. Außerdem hätten diese Standorte zur Folge, dass bei Lockerungen der Corona-Maßnahmen die Hallen über viele Monate für Veranstaltungen jedweder Art unzugänglich wären.

In Büdingen wurde der Kreis schließlich fündig, hier steht ein ehemaliger Baumarkt leer. Die Immobilie sei mit vertretbarem Aufwand kurzfristig zu einem Impfzentrum ausbaubar. Für die Ausstattung sorge ein Eventausstatter aus dem Kreisgebiet. Auch die Parksituation spreche für den Standort: Es gebe ausreichend Parkplätze für die rund 1000 Menschen, die täglich geimpft werden sollen. Die Lage am Stadtrand sichere zudem eine zügige An- und Abfahrt.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Logistische Herausforderung

Innerhalb kürzester Zeit sollen im Wetteraukreis dann rund 200 000 Menschen gegen Covid-19 geimpft werden können. »Das zu bewerkstelligen, ist auch eine logistische und organisatorische Herausforderung. Wir sind jetzt dabei, die notwendige Infrastruktur zu schaffen«, erklärt Weckler, der auch der oberste Katastrophenschützer im Kreis ist.

Die Gesamtverantwortung für die Durchführung der Impfung liegt beim Fachbereich Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz des Wetteraukreises (kurz: Gesundheitsamt).

Wetterau: Mobile Impf-Teams für vulnerable Patienten

Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch teilt mit, dass es neben dem Standort eines Impfzentrums auch mobile Teams geben wird, die »vulnerable (verletzliche) Gruppen« impfen, etwa in Senioren- und Pflegeheimen. »Die Voraussetzungen dafür werden geschaffen sein, wenn der Impfstoff zur Verfügung steht«, so Becker-Bösch.

Geimpft werden sollen etwa 1000 Personen pro Tag an sieben Tagen in der Woche. Weil zwei Impfungen für einen vollständigen Impfschutz notwendig sind, müssen bei derzeit geplanten 200 000 Bürgerinnen und Bürgern im Kreis insgesamt 400 000 Impfungen vorgenommen werden.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Keine stärkeren Einschränkungen für Bürger

Das kann sich über viele Monate hinziehen. Allerdings werde sich die Situation allein deshalb entspannen, weil die vulnerablen Gruppen frühzeitig geimpft werden sollen. Fachleute gehen davon aus, dass es dann nicht mehr zu stärkeren Einschränkungen kommen muss. Mit der Zulassung weiterer Impfstoffe, auch solcher, die keine extreme Kühlung benötigen, werden die Impfungen vermehrt auch in den lokalen Arztpraxen vorgenommen werden können.

Der Schritt zur Impfung beginnt mit der Impfaufforderung und einer Vorabinformation. »Wir setzen dabei auf die niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzte, die ihre Patientinnen und Patienten gut kennen, sie beraten und eine entsprechende Empfehlung für die Impfung aussprechen«, so Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs.

Corona-Impfung: Wiederholung nach drei Wochen

Zum vereinbarten Termin kommt man zum Impfzentrum, dort erfolgt die Anmeldung und die Prüfung der Impfberechtigung. Nach einer weiteren Aufklärung zur Impfung und der Prüfung der Indikation erfolgt die Impfung selbst. Danach muss man in einem Warte- bzw. Ruhebereich mögliche Reaktionen auf die Impfung abwarten. Bei einem Check-out wird die Impfung dokumentiert und es erfolgt die Abmeldung. Nach drei Wochen wiederholt sich das Prozedere für die zweite Dosis.

Weckler und Becker-Bösch danken allen Beteiligten aus dem Gesundheitsamt und dem Katastrophenschutz »für die engagierte und professionelle Umsetzung des Einsatzbefehls«.

Corona-Impfzentrum in der Wetterau: Impfreihenfolge festlegen

Zunächst werden nicht ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen. Deshalb ist es nach Angaben des Landkreises notwendig, eine Reihenfolge der Menschen festzulegen, die zuerst geimpft werden. Dazu gibt es eine Empfehlung des Ethikrates, der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut und der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Die Priorisierung erfolgt dabei nach medizinischen, ethischen und rechtlichen Prinzipien. Zu den Impfzielen zählen die Verhinderung schwerer Verläufe mit Todesfällen, der Schutz der Personen mit besonders hohem arbeitsbedingten Risiko, die Verhinderung der Verbreitung und der Schutz der Umgebung mit hohem Anteil vulnerablen Personen sowie die Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens. Die erste Gruppe, die geimpft wird, sind alte Menschen und solche, die durch Vorerkrankungen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Infektion haben. Die zweite Gruppe sind die Menschen, die den an Covid-19 Erkrankten beistehen und dadurch selbst ein erhöhtes Risiko tragen.

Corona-Impfcenter in der Wetterau: Hausarztpraxen einbinden

Darüber hinaus sind Personen zu schützen, die für das Gemeinwesen besonders relevante Funktionen erfüllen und die nicht ohne Probleme ersetzbar sind. Das sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsämter, der Polizei und der Sicherheitsbehörden, der Feuerwehr, aber auch pädagogische Fachkräfte.

Sobald ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, wird angestrebt, die Impfaktivitäten in das Regelsystem übergehen zu lassen und die Impfungen durch die Hausarztpraxen durchführen zu lassen.

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