Hygiene-Ampel: Gastronomen sagen "Ja, aber ..."

Friedberg/Bad Nauheim (cor). Wie eine Ampel funktioniert, weiß jedes Kind. Grün heißt "Gehen", Gelb bedeutet "Vorsicht", Rot signalisiert "Stopp". Signale, die ein simples Orientierungssystem bieten. Im Mai stimmten die Verbraucherschutzminister der Länder für die Einführung einer bundesweit verbindlichen Kontroll-Plakette für Restaurants, die Hygiene-Ampel. Sie soll ab Januar 2012 direkt an den Eingangstüren anzeigen, wie es um die Sauberkeit im Betrieb bestellt ist. Die WZ fragte bei Wirten in Friedberg und Bad Nauheim nach, was sie von der Initiative halten: Manche haben damit keine Probleme, andere sehen die Gesetzesinitiative kritisch.

"Wer sein Restaurant mit gutem Gewissen führt, achtet im Umgang mit Lebensmitteln von ganz alleine auf Hygiene, das ist doch selbstverständlich", ist sich Ivonne Jungnickel vom Landhaus Bavaria in Bad Nauheim sicher. Sie sieht die Hygiene-Ampel trotzdem mit gemischten Gefühlen. "Ein Lokal kann sich auf die Prüfung vorbereiten, für den Moment. Die Frage lautet doch eher, was kommt danach?"

"Restaurants sollten immer auf die Hygiene achten", erklärt Elimar Lange, Betreiber des Friedberger Brauhauses. Beim Umgang mit Lebensmitteln habe das höchste Priorität. Lange betrachtet die Ampel eher positiv. "Gäste erkennen, wo sie beruhigt essen können."

Diese Meinung teilt man im Friedberger Restaurant "La Sera". "Egal ob mit oder ohne Kontrollen, ein Restaurant muss sauber sein, sowohl in der Küche als auch im Innen- und Außenbereich", sagt Betreiber Yaman.

Nicht jeder Experte ist von der Hygiene-Ampel überzeugt. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde kritisiert, dass angesichts der mangelhaften finanziellen und personellen Ausstattung der amtlichen Überwachung in Deutschland das System kaum die gewünschte Aussagekraft erlangen könne. Eine Verbrauchertäuschung sei vorprogrammiert.

Ähnlich sieht das Rocco Prantera, Angestellter im Restaurant "La Toscana" in der Bad Nauheimer Innenstadt. "Früher gab es viel mehr Kontrollen, daran wird heute gespart. Regelmäßigere Kontrollen wären viel notwendiger. Was morgen ist, kann eine Ampel gar nicht aussagen." Prantera ist sich sicher, dass viele Gäste daran vorbeilaufen würden, ohne sie bewusst wahrzunehmen. "Wichtiger wäre eine Industrieampel, es müsste dort angesetzt werden, wo die Lebensmittel herkommen."

Die Kontrollen müssten unregelmäßig erfolgen, ohne jede Ankündigung. Nur so sei eine aussagekräftige Bewertung möglich, betont Kay Bodi von der Friedberger Bierstube "Die Dunkel".

Ob es zur Einführung der Hygiene-Ampel kommt, ist offen. Während sich die Länderminister mit Ausnahme von Bayern dafür ausgesprochen haben, meldet die Bundesregierung Bedenken an. Nach Ansicht der Länder hat die Bereitschaft, Hygienevorschriften einzuhalten, in den letzten Jahren nachgelassen. Die Hygiene-Ampel soll die Ergebnis der regelmäßigen Kontrollen widerspiegeln und Betriebe zur Sauberkeit zwingen. Nach den Vorstellungen der Länder könnte die Hygiene-Ampel so aussehen: Ein Pfeil markiert auf einem skalierten Farbstrahl, wie es der Unternehmer mit der Sauberkeit hält. Wenige Punkte auf einer grünen Liste signalisieren einen guten Hygienestand. Rückt der Pfeil in der Skala auf höhere Punktzahlen im gelben oder gar im roten Bereich, zeigt dies Verstöße gegen die rechtlichen Vorgaben an. Neben den aktuellen Ergebnissen der amtlichen Begehung sollen auch drei vorangegangene Kontrollresultate per Pfeil markiert werden.

Aigner: Offene Fragen

Der Bund soll einen Gesetzentwurf vorlegen. Die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner, hat zwar Zustimmung signalisiert, macht jedoch Einwände geltend. Was passiert, wenn die Hygiene-Ampel bei einem Restaurant Rot zeigt? Muss es schließen oder nicht? Aigners Ministerium erstellt derzeit eine Liste mit weiteren offenen Fragen. Der Gesetzesentwurf müsse unter anderem die Anhörung und Rechtsschutzmöglichkeiten der betroffenen Unternehmen in angemessener Weise berücksichtigen. Ein weiterer sensibler Punkt sei der Umgang mit Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen.

Nach der Gastronomie soll das System schrittweise auch in Metzgereien, Bäckereien und Großküchen eingeführt werden.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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