Rückblick

Wie ein gemütliches Wohnzimmer: 30 Jahre Café Kaktus

  • vonHarald Schuchardt
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Seit 30 Jahren gibt es das Café Kaktus unweit der Friedberger Kaiserstraße. Viele große Künstler haben dort erste Schritte auf der Bühne gemacht. Ein Rückblick.

Vor genau 30 Jahren übernahmen Harry Thyssen, Sabine "Bini" Graf und Kolja Riemenschneider das ehemalige Literatur-Café in der Hospitalgasse und eröffneten es als Café Kaktus neu. Nach 14 Jahren übergaben sie den "Kaktus", wie die unzähligen Stammbesucher die Mischung aus Kneipe, Café und Kleinkunstbühne nennen, an Sebastian "Basti" Beck, der im Januar 2018 Fabian Körner mit ins Boot holte, nachdem die beiden im März 2017 gemeinsam die Traditionsgaststätte "Die Dunkel" übernommen hatten. Am kommenden Wochenende wird drei Abende lang das 30-jährige Bestehen gefeiert.

Zu unserer Zeit gab es noch die Sperrstunde. Oft haben wir zugeschlossen und weitergemacht

Kolja Riemenschneider

"Wir waren damals jung. Im Urlaub hatten Bini und ich die irre Idee, eine Kneipe zu eröffnen", erzählt Thyssen. Dass der Traum schnell Wirklichkeit wurde, war purer Zufall. Die Inhaber des Literatur-Cafés wollten aufhören und so wurde die Urlaubs-Idee schneller Realität als gedacht. Kolja Riemenschneider stieg mit ein. "Nach einem Jahr wollte ich aufhören", erzählt Thyssen. Es gab Ärger mit den Nachbarn, samt Unterschriftenlisten für und gegen eine Schließung des Kaktus. "Eine Clique von der Seewiese bedrohte uns regelmäßig", erinnert sich Thyssen.

Polizei stand in der Tür

"Als wir an einem Maifeiertag renovierten, stand die Polizei in der Tür. Wir würden gegen das Arbeitsschutzgesetz verstoßen", erinnert sich Kolja Riemenschneider. Doch das Trio machte weiter und das mit Erfolg. Zu den Stammgästen gehörte der unvergessene WZ-Mitarbeiter Axel Arbinger (ax). "Er war nicht nur unser Hofberichterstatter, der Kaktus war sein Wohnzimmer", meint Beck.

Durch die Musik- und Comedyveranstaltungen wurde der Kaktus überregional bekannt. "Ich wollte von Anfang an eine Bühne", sagt Thyssen, der viele damals noch unbekannte Künstler verpflichtete, wie Martin Schneider, Ingo Appelt, Bernhard Hoecker, Dr. Eckard von Hirschhausen, Urban Priol, Kaya Yanar oder Mario Barth. Doch auch schon bekannte Künstler wie Herbert Feuerstein, Bill Mockridge oder Stefan Jürgens traten auf. Genau 50-mal moderierte Vince Ebert die Mixed-Show "Brennpunkt Zwerchfell", immer vor ausverkauftem Haus. Das Programm wurde von Harry Thyssen zusammengestellt, auch nachdem das Inhaber-Trio 2003 beschlossen hatte, das Café Kaktus abzugeben.

Basti Beck macht es

Thyssen wollte sich mehr um seine Agentur Thyssen Entertainment kümmern, Riemenschneider war gerade Vater geworden und Graf zog es nach München. Ein Nachfolger war schnell gefunden. Sebastian "Basti" Beck hörte von seinem Bruder, der damals im Kaktus arbeitete, von den Verkaufsabsichten der Inhaber. "Ich wollte schon immer eine eigene Gaststätte führen", sagt Beck. Der Inhaberwechsel brachte zunächst keine großen Veränderungen. Täglich ab 10 Uhr begrüßt das Café seine Gäste in ungezwungener Bistro-Atmosphäre, von Anfang April bis Mitte Oktober mit Außenbewirtschaftung. Geblieben sind auch die Kunstausstellungen regionaler Künstler. "Damit haben wir schon sehr früh angefangen", erinnert sich Kolja Riemenschneider.

Abends wird das Lokal zur gemütlichen Kneipe, in der oft bis in den frühen Morgen gekickert, Dart gespielt oder nur zusammengesessen wird. "Zu unserer Zeit gab es noch die Sperrstunde. Oft haben wir zugeschlossen und weitergemacht", erinnert sich Riemenschneider. Existenzbedrohend war für Beck die Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes am 1. Oktober 2007: "Ich hatte einen Umsatzrückgang von 30 Prozent, also haben wir einen Raucherraum geschaffen." Nichtraucher Riemenschneider sagt dazu: "Damals konnte ich mir ein Lokal ohne Rauchen gar nicht vorstellen."

Nachdem Thyssen 2009 die Veranstaltungen im Kaktus aufgab, finden alljährlich noch etliche Konzerte regionaler aber auch überregional bekannter Bands und Künstler statt, so wie am nächsten Wochenende mit dem großen Fest. Weitere Infos gibt es online unter www.cafe-kaktus.de.

Info

Das Jubiläumsprogramm

Gleich zwei Künstler und eine Band, die allesamt schon in den Anfangsjahren im Kaktus auftraten, bestreiten das Jubiläumsprogramm. Los geht es am Freitag, 3. Mai, mit Götz Widmann. Der Liedermacher ist seit 25 Jahren unterwegs. Einer seiner ersten Auftritte war im Café Kaktus, wo er inzwischen Stammgast ist und in der Wetterau eine große Anhängerschaft hat. Am Samstag, 4. Mai, spielt das Trio "Emerald Lies" ihren "Sophysticated Rock", so wie am 3. Mai 1989, als sie das Musikprogramm des Kaktus eröffneten. Zum Jubiläumsfinale am Sonntag, 5. Mai, spielt Paddy Schmidt, Kopf der Irish-Folk-Band "Paddy goes to Hollyhead" Irish Folk und mehr. Alle Veranstaltungen beginnen um 20 Uhr. Karten für die Auftritte von Götz Widmann und Paddy Schmidt gibt es unter anderem im Café Kaktus. Am Samstagabend ist der Eintritt frei. (har)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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