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Auf einem Feld von Landwirt Albert Bickert in Bruchenbrücken wachsen Kichererbsen. Die Gewächse gelten als supergesund und kommen exotisch daher.

Kichererbsen-Anbau

Wetterauer Landwirte holen Exoten aufs Feld

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Auf den Speisekarten angesagter Lokale und den Tellern Ernährungsbewusster dürfen sie nicht fehlen: Kichererbsen, Quinoa und Co. Albert Bickert aus Bruchenbrücken wagt ein Anbau-Experiment.

Produkte wie die als "Korn der Inka" gepriesene Quinoa oder die Kichererbse können in Sachen Nachhaltigkeit eigentlich nicht mithalten. Denn sie haben häufig lange Wege aus Übersee oder dem Mittelmeerraum hinter sich, ehe sie hierzulande in bunten Bowls oder als Hummus-Dip im Wrap landen. Doch mittlerweile gibt es auch Kichererbsen aus der Wetterau: Im vergangenen Jahr hat Albert Bickert die wärmeliebende Hülsenfrucht erstmals auf den Feldern des Familienbetriebs im Friedberger Stadtteil Bruchenbrücken angebaut, wie der Jung-Landwirt erzählt. Damit springt er gleich auf mehrere Trends auf: Es geht um Ernährungsmoden, Regionalität und Nachhaltigkeit.

Interesse habe ihn zu der Neuerung bewogen und die Überlegung, ob man Trend-Lebensmittel nicht auch aus heimischem Anbau anbieten könne. "Die Verbraucher wollen wissen, wo die Produkte herkommen." Der Klimawandel habe bei seiner Entscheidung dagegen keine Rolle gespielt, sagt Bickert.

Anbau-Experimente: Sinnvolle Vielfalt

Auf neue Vielfalt auf den Äckern zu setzen, hält Agrarwissenschaftler Andreas Gattinger von der Uni Gießen für sinnvoll: "Ich denke schon, dass das aus ökonomischen Gründen eine Einkommensalternative zu den gängigen Marktfrüchten wie Getreide, Raps oder den traditionellen Gemüseprodukten sein kann", erläutert der Professor für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung. Denn die Verbraucher suchten ganz gezielt nach Lebensmitteln, die eine Besonderheit darstellten. "Und wir haben den Trend zur veganen Ernährung. Dafür sind Hülsenfrüchte wie Kichererbsen und Sojabohne ein wichtiger Bestandteil. Diesen Trend sollte man auch von landwirtschaftlicher Seite bedienen."

Zudem sei es wichtig, eine größere Vielfalt an Lebensmitteln in der Region zu schaffen, sagt der Forscher auch mit Blick auf den Klimawandel. "Es zeichnet sich ein Trend ab, beispielsweise mehr heimisches Soja anzubauen. Das ist wichtig - denn eine Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel ist es, die Angebotsvielfalt hin zu wärmeliebenden Kulturen zu erweitern." Zudem sei Kulturvielfalt auf dem Acker eine Strategie, um Klimarisiken abzumildern und nicht nur auf zwei oder drei Feldfrüchte zu setzen.

Weizen dominiert

Der Anbau von Neulingen wie die Kichererbse ist nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes aber noch eine Ausnahme auf den hiesigen Äckern und "eher experimentell". Wobei beispielsweise Soja durchaus im Kommen sei. Auf hessischen Äckern wuchs der Statistik zufolge im vergangenen Jahr auf 158 600 Hektar der traditionelle Weizen, Soja auf 700 Hektar, andere Hülsenfrüchte auf insgesamt 1400 Hektar (ohne Erbsen, Ackerbohne und Süßlupinen).

Auch für den Landwirt in Bruchenbrücken sind seine exotischen Feldfrüchte noch eine Nische neben dem Anbau klassischer Kulturen wie Getreide. Albert Bickert baut Kichererbsen auf etwa einem Hektar an. Seine Produkte will er in der Region verkaufen. Und er kann sich vorstellen, auf weitere hierzulande noch seltene Feldfrüchte zu setzen.

Anbau-Experimente: "Superfood" Quinoa

Auf Äckern im Odenwald wächst ebenfalls ein Neuling: Johannes Böhm und seine Mitstreiter Mario Schuchmann und Andreas Michel bauen seit 2017 das aus Südamerika stammende Fuchsschwanzgewächs Quinoa an. Es gehe um eine nachhaltige Wertschöpfung und darum, diese zu erweitern, sagt Böhm. Auf die Idee, Quinoa anzubauen, kamen die drei Landwirte aufgrund persönlicher Ess-Erlebnisse und weil Quinoa als "Superfood" im Trend liege. Sie seien zuversichtlich gewesen, dass das "Inka-Korn" auch auf hiesigen Äckern gedeihe - die Kartoffel stamme ursprünglich ja auch aus Südamerika.

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Quelle: Wetterauer Zeitung

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