Vor-Ort-Termin vor dem Café Kissler (v. l.): Klaus-Dieter Rack, Evelyn Weiß, Eray Tasci und Jürgen Volz - auf den Armen von Weiß und Tasci sind die beiden Söhne von Eray Tasci. FOTO: PM
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Vor-Ort-Termin vor dem Café Kissler (v. l.): Klaus-Dieter Rack, Evelyn Weiß, Eray Tasci und Jürgen Volz - auf den Armen von Weiß und Tasci sind die beiden Söhne von Eray Tasci. FOTO: PM

Corona-Schock

Friedberger Café-Betreiber blickt in düstere Zukunft

  • vonred Redaktion
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Beim Besuch des Cafés Kissler auf der Friedberger Kaiserstraße sind heimischen SPD-Politikern die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Einschränkungen vor Augen geführt worden.

Vor dem Traditions-Café Kissler auf der Kaiserstraße stehen zwei Bistro-Tische eng an der Schaufensterfront - mehr lassen Gehwegbreite und Corona-Abstandsbestimmungen nicht zu. Für Inhaber Eray Tasci zu wenig, um Gäste in der Außenbewirtung zu versorgen, wie er der SPD-Delegation (Stadträtin Evy Weiß, Ortsvereinsvorsitzender Jürgen Volz und Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Dieter Rack) mitteilte. "Wer will schon unser Frühstück oder Kaffee und Kuchen hier draußen entweder nur im Stehen oder auf kargem Platzangebot einnehmen?", fragt Tasci.

Mit Nähen über Wasser gehalten

Tasci hat vor sieben Jahren "das Kissler" übernommen und mit etwa zehn Beschäftigten bislang erfolgreich geführt. Die Corona-Krise hat alles jäh verändert. Das "Kissler" musste - wie andere Friedberger Gastronomiebetriebe auch - zwei Monate geschlossen bleiben, von den Beschäftigten gingen einige in Kurzarbeit, Aushilfskräfte konnten nicht gehalten werden. Tasci beantragte staatliche Soforthilfe, die ihm über die ersten Wochen half, wofür er sich bei Land und Bund bedankt. Aber die monatlichen Fixkosten - zum Beispiel für Miete und Strom - blieben bestehen, denen keine Einnahmen aus dem Café-Betrieb gegenüberstanden. Übergangsweise nähte Tasci Mund-Nasen-Schutze, verkaufte sie an Rewe und hielt sich so leidlich über Wasser.

Allerdings zehrte die Dauer der behördlich angeordneten Geschäftsschließung nicht nur an den Nerven, sondern auch an der materiellen Substanz und Reserve. Als das Café ab dem 15. Mai unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln wieder öffnen durfte, kamen aber die Gäste gerade der "Risikogruppen" nur zögerlich und schon gar nicht wie vor der Krise zurück. Aktuell blickt Eray Tasci mit seiner ihm im Geschäft zur Seite stehenden Mutter in eine ungewisse, eher düstere Zukunft. Er hat im Privatbereich alle Verbindlichkeiten gestreckt, muss selbst mit seiner Frau und den beiden Söhnen eine kleinere Wohnung beziehen. "Es geht schlichtweg ums nackte geschäftliche Überleben", sagt er.

Hoffen auf mehr Platz

Seine Hoffnung auf Neubelebung des Cafés setzt er in noch mit der Stadtverwaltung abzusprechende Nutzungen der Parkplätze vor seinem Geschäft, auch wenn er sich die Anschaffung eines "Schafstalls" zur Außenbewirtung in der Corona-Krise nicht leisten kann. Die SPD-Politiker wiesen ihn abschließend auf das neue "Überbrückungshilfe-Programm" der Bundesregierung hin, das kleinen und mittleren Unternehmungen gewährt werden soll, die ihre Geschäftstätigkeit in der Krise zu wesentlichen Teilen oder gar vollständig einstellen mussten. Beratungshilfe bei der Antragstellung kann durch die IHK Gießen-Friedberg am Goetheplatz erfolgen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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