Friedberger in Ägypten: "Haben den Urlaub trotzdem genossen"

Friedberg (jw). Die Unruhen in Ägypten sorgen für Turbulenzen in der Reisebranche. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in das nordafrikanische Land ab, betont aber, die Lage in den Badeorten am Roten Meer sei ruhig. Auch in den heimischen Reisebüros werden Urlaubsreisen storniert. "Bei den deutschen Urlauber geht die Sicherheit vor", weiß Susanne Kaidusch vom TUI-Reisecenter in Friedberg.

Dass Ägypten-Urlauber derzeit dennoch sicher sind, hat Peter Rausch erfahren. Der SPD-Stadtverordnete verbrachte mit seiner Frau Gisela einen achttägigen Badeurlaub in Sharm El-Sheikh am südlichen Zipfel der Sinai-Halbinsel. Am Sonntag kam er zurück, von den Unruhen hat er nichts mitbekommen. "Es war alles ganz ruhig." Rausch hat Verständnis für die Demonstranten. "Wenn sich die Politik nicht bewegt und nicht endlich Reformen einleitet, versinkt das Land im Chaos."

Rausch und seine Frau wollten acht Tage im Vier-Sterne-Hotel am Roten Meer ausspannen. "Wir haben unseren Urlaub genossen", erzählt der 60-jährige Elektriker. Am vorletzten Sonntag hob der Flieger von Frankfurt ab, einen Tag später begannen in Kairo die Unruhen. Von denen hat Rausch erst durch seinen Sohn erfahren, der ihn anrief. "Dann haben wir im Hotel im Fernsehen deutsche Nachrichten geschaut." In Sharm El-Sheik sei es ruhig gewesen. "Auf dem Meer waren Kriegsschiffe unterwegs, zweimal sind Düsenjets über die Stadt geflogen." Das war’s.

Vier Ausfallstraßen gebe es in Sharm El-Sheik, die würden vom Militär kontrolliert, wie Rausch und seine Frau bei zwei Ausflügen beobachteten: einer Kamelsafari in der Wüste und einem Besuch des Berges Sinai. Auch dort: keine besonderen Vorkommnisse. "Das Wetter war traumhaft, wir hatten Sonne und Temperaturen von 26 Grad, waren am Strand und haben die Stadt besichtigt." Andere Urlauber aus dem gleichen Hotel hätten das Ägyptische Museum im rund 500 Kilometer entfernten Kairo besucht und auch dort nichts von den Demonstrationen gegen den Diktator Mubarak mitbekommen. Erst am Wochenende wurde das berühmte Museum, wo man den Schatz des Tutanchamun bewundern kann, von Plünderern aufgesucht.

Das Hotelpersonal wurde knapp

"Der Reiseleiter war nervös", erzählt Rausch. Weil viele Beamte vom Dienst fernblieben. Als er in einer Wechselstube 50 Euro in den Geldautomaten steckte, kamen weder ägyptische Pfund noch sein Euro-Schein wieder heraus. Auch die Bankangestellten hatten die Arbeit niedergelegt. Das taten auch viele Hotelbedienstete. "Das Personal wurde am Ende knapp", sagt Rausch. "Die Mitarbeiter sind nach Kairo zu ihren Familien gefahren."

Rausch hat mit einigen Hotel-Bediensteten gesprochen. Deren wirtschaftliche Situation sei katastrophal. "Sie arbeiten 14 bis 16 Stunden am Tag, verdienen 160 Euro im Monat, müssen rund 100 Euro für Miete bezahlen und sollen mit ihrem Gehalt die Familie in Kairo unterstützen. Das reicht nicht zum Leben und nicht zum Sterben." Blieben jetzt die Urlauber weg, werde es den Menschen dort noch schlechter gehen. "Die sind auf den Tourismus angewiesen. Den Urlaub abzusagen und nicht hinzufahren, ist aus Sicht der Menschen vor Ort der falsche Weg." Letztlich müsse das aber jeder selbst für sich entscheiden.

Die deutsche Reisebranche hat auf die Unruhen reagiert. Pauschalurlauber können ihre Ägypten-Reisen bis 7. Februar kostenlos umbuchen oder stornieren. Die Reiseveranstalter haben Kairo, Luxor und die Nilkreuzfahrten zunächst aus ihren Programmen genommen, die Verbraucherzentrale hat eine Hotline für Urlauber eingerichtet (Tel. 030/21485180 am Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr). Es gebe derzeit viele Stornierungen, heißt es im TUI-Reisecenter in Friedberg. "Die Kunden haben Angst", sagt Susanne Kaidusch. Wer zum ersten Mal Ägypten gebucht hatte, wolle das Land in nächster Zeit meiden.

"Die touristischen Orte sind bei solchen Unruhen in der Regel aber nicht betroffen", weiß Kaidusch. Dass in der Nacht zum Sonntag Militäreinheiten in Sharm El-Sheik eingetroffen sind, diene der Sicherheit, sorge aber für Beunruhigung bei den Urlaubern.

Ähnliche Erfahrungen macht das Reisebüro Haas in Friedberg. "Zwei bis drei Absagen" von Ägypten-Reisen gab es dort am gestrigen Vormittag. Nach Tunesien, wo vor zwei Wochen der Diktatur Ben Ali gestürzt wurde, würden ohnehin derzeit keine Reisen angeboten, sagt Mitarbeiterin Sarah Fuchsberger.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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