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Sabine Becker-Gräfe und Bernd Hallmann sind überzeugt: Umweltschonender Warentransport ist möglich - auch, wenn es eine weite Reise ist. 

Emmissionsfreier Transport

Hunderte Kilometer radeln für Schokolade - Friedberger sucht Mitstreiter

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Bernd Hallmann aus Friedberg will Anfang April mit dem Lasten-Pedelec auf große Schokofahrt gehen. Er möchte in den Niederlanden emmissionsfrei Schokolade holen - und sucht Mitstreiter.

Den Ausschlag gab die Bemerkung einer Verkäuferin: "Sind Sie nicht der mit dem Lastenfahrrad?" Als Bernd Hallmann bejahte, fuhr die Frau fort: "Ich finde Schokofahrten so toll." Diesen Begriff kannte der 49-Jährige Grafikdesigner nicht nur gut, er hatte auch schon länger damit geliebäugelt, an diesem ehrenamtlichen Projekt teilzunehmen. Nun beschloss er, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. "Idee ist, den Transportweg von Schokolade nach Deutschland emissionsfrei zurückzulegen", erläutert er. Es beginnt mit der holländischen Firma "Chocolate Makers", die fair gehandelten Kakao, Rum und Kaffee aus der Dominikanischen Republik holt - dies mit der "Tres Hombres", einem Lasten-Segelschiff. "In Amsterdam stellen sie Schokolade aus dem Kakao her", erzählt der Friedberger. 2017 habe eine kleine Gruppe Radfahrer aus Münster erstmals 60 Kilo von Amsterdam in ihre westfälische Heimatstadt befördert. "2019 waren es bereits zwei Fahrten, bei denen 250 Menschen aus 35 Städten auf dem Rad zusammen 2500 Kilo transportierten." Für Hallmann ist die symbolträchtige Aktion "ein Synonym für emissionsfreie Logistik".

Ein Hochleistungssportler ist er nicht, aber er integriert das Radeln in seinen Alltag und fährt Langstrecken. Ein ausgesprochener Schokoladenfan ist er ebenfalls nicht. "Ich esse Schokolade, wenn sie da ist, bin aber kein Schoko-Fanatiker", sagt er. Vielmehr möchte er zeigen, dass es auch andere Wege gibt. "Ich will das Wort ›aber‹ nicht mehr hören", sagt er. Damit meint er Attitüden wie "Ich kann mir gute Schokolade nicht leisten, aber auf mein Auto nicht verzichten."

Emmissionsfreie Schokolade: Im ungünstigsten Fall 1100 Kilometer

Als sein Entschluss feststand, sich an der Schokofahrt zu beteiligen, schrieb er Firmen in der Region an und fragte sie, ob sie Schokolade bestellen möchten. Der "Weltladen" in Bad Nauheim sagte rasch zu, auch einen anderen Interessenten gibt es. Weltladen-Vorstandsmitglied Sabine Becker-Gräfe sagt: "Wir unterstützen das. Es ist ein gutes Beispiel dafür, Dinge im Kleinen anders zu machen." Weg von der Massenware, hin zum Genussmittel und zu mehr Wertschätzung für das Produkt - das passe zum Weltladen. Die Abnehmer bestellen die Schokolade in den Niederlanden: Gedacht ist an Milchschokolade mit Meersalz und vegane dunkle Schokolade mit gerösteten Kakao-Nibs. Hallmann fungiert ehrenamtlich als Bote.

Er plant, im April zu fahren, wobei verschiedene Varianten in Frage kommen. Im ungünstigsten Fall führe er alleine nach Amsterdam, um 40 Kilo Schokolade abzuholen. Hin und zurück wären das 1100 Kilometer. Es gäbe aber auch die Möglichkeit einer Staffelfahrt, sprich, die Tafeln an einem Ort in Deutschland abzuholen, beispielsweise in Münster. Schön fände er aber auch, wenn sich Leute finden, die gemeinsam mit ihm von Friedberg aus starten, "dann könnten wir mehr Schokolade mitbringen."

Emmissionsfreie Schokolade: Freude auf das Abenteuer

Sein Lastenrad, ein Pedelec, hat einen E-Hilfsmotor, der einen Impuls bekommt, wenn er in die Pedale tritt. Dies sei sehr umweltschonend, erklärt er. Laut einem Fahrrad-Blog verursache ein Drahtesel 21 Gramm CO2 pro Kilometer, ein Pedelec 22 Gramm. Ein Auto hingegen verbrauche zwischen 140 und 270 Gramm pro Passagier und Kilometer. Es gebe aber auch Berechnungen, wonach der Unterschied noch deutlich gravierender sei.

Damit die Schokolade nicht bricht oder trotz kühler Witterung schmilzt, wird Hallmann die Transport-Kiste entsprechend polstern und abdecken. Auf sein Abenteuer freut er sich bereits.

Nun sucht er noch Abnehmer und weitere Mitstreiter für eine Städte- oder Regionalgruppe. Wer interessiert ist beziehungsweise bei einer Info-Veranstaltung dabei sein will, kann sich bei ihm melden (Telefonnummer 01 51/24 1 1 04 86).

Emmissionsfreie Schokolade: So entstand die Schokofahrt-Idee

Das Projekt "Schokofahrt" erhielt den ersten Anstoß, als Radfahrer Eric Poscher 2013 auf das Segelschiff "Tres Hombres" aufmerksam wurde. Wie aus der Homepage www.schokofahrt.de hervorgeht, wurden anschließend fair gehandelte Schokolade und Rum über Crowdfunding angeboten. Daraus entwickelte sich dann ein regelmäßiger Turnus, an den sich Unterstützer aus anderen Städten anschlossen. Die Mitwirkenden der "Schokofahrt" agieren ehrenamtlich.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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