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Viel zu besprechen haben die "Hobby-Burggärtner" vor einem der Hochbeete.

"Friedberg zum Anbeißen" im Burggarten

Friedberg (har). Eine Kürbispflanze hat sich den Weg hinaus aus einem Hochbeet gesucht. An einem kleinen Baum hängen drei Äpfel. Cherry-Tomaten, Kohlrabi, Bohnen, Sellerie und jede Menge Kräuter gedeihen prächtig – jedoch nicht in einem Kleingarten, sondern in zwölf Hochbeeten in der Nähe des Haupteingangs des Burggartens.

Beim Frühlingsmarkt Mitte Mai war der Startschuss zu der Aktion "Friedberg zum Anbeißen" gefallen. Ein halbes Dutzend Einzelpersonen und Familien sowie mehrere Vereine und Institutionen beteiligen sich daran. "Wir sind alle begeistert und würden sofort wieder mitmachen", sagte Ortsvorsteherin Evelyn Weiss bei einem Treffen an den Hochbeeten.

Sie hat mit ihrer Nachhilfeschule die Pflege eines Beets übernommen, und auch ihr Vorgänger Norbert Simmer ist mit dem "Wetterauer Tanzclub Friedberg" dabei. "Wir sind ein Team und wechseln uns bei der Pflege ab", sagt Simmer. Das ist auch bei der Hospizhilfe Wetterau, der psychosozialen Tagesstätte des Diakonischen Werks und der evangelischen Kindertagesstätte Friedberg-West der Fall.

Zu tun gibt es immer was, vor allem eines: Gießen. "Als es so heiß war, habe ich fast jeden Tag gegossen", sagt Frauke Ludorf, die neben Zucchini und Bohnen viele Kräuter angepflanzt hat. Als einzige aller zwölf "Hobby-Burggärtner" musste die Friedbergerin einen Verlust hinnehmen. "Ich habe mich so auf meine Kohlrabi gefreut, doch als ich sie ernten wollte, waren sie weg."

Es war dies der bisher einzige "Diebstahl". Die von einigen Pessimisten im Vorfeld befürchteten Zerstörungen durch Vandalismus sind völlig ausgeblieben. "Darüber sind auch wir in der Stadtverwaltung sehr glücklich", sagt Sebastian Dein, der stellvertretende Leiter des Amts für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen.

Nur ein Kohlrabi-Diebstahl

Natürlich helfen sich die Pflanzenfreunde untereinander. Stadträtin Ruth Mühlenbeck und Evelyn Weiss wechseln sich beim Gießen ihrer Beet ab. Sieht ein anderes Beet mal trocken aus, dann wird es einfach mitgegossen. Und noch etwas finden alle "Kleingärtner auf Zeit" sehr positiv: "Die Menschen sind sehr interessiert", sagt Evelyn Weiss.

Ruth Mühlenbeck spricht von "vielen netten Begegnungen". "Ich genieße die Atmosphäre und vor allem die Ruhe im Burggarten. Oft setze ich mich einfach auf eine Bank, um vom Alltag zu entspannen", sagt Sabine Becker von der Hospizhilfe Wetterau.

Die Burggartenbesucher jedenfalls bleiben nahezu alle an den Beeten stehen und betrachten diese mehr oder weniger intensiv. Viel Beachtung findet das "Hildegard-Beet", das Simona Pachl angelegt hat. Sie hat Wild- und Gartenkräuter gepflanzt, die die bekannte Hildegard von Bingen schon genutzt hat. Daraus will Pachl im Herbst einen Kräuterlikör herstellen.

Viele Kräuter findet man auch im "Apothekers Kräutergärtlein", den Apotheker und Burgbewohner Bernd Ulrich mit seiner Familie angelegt hat. Auf dem Hochbeet der Aktionsgemeinschaft "Friedberg hat’s" ist sogar ein kleiner Apfelbaum angegangen.

"Will einer eine Erdbeere?", fragt Sabine Becker und erntet die letzten roten Früchte vom bunten Beet der Hospizhilfe. Ein besonderes Erlebnis ist das Gärtnern für die Kinder aus der Kita Wintersteinstraße. "Den Kindern macht ein Besuch am Beet mit Eltern oder mit uns Erzieherinnen viel Freude", sagt Kita-Leiterin Ida Paul-Loers. Die Kinder entdecken immer wieder Neues – wie die Larven von Marienkäfern. Das wird den Anderen in der Kita ausführlich erzählt. "Einige Eltern unterstützen uns sehr bei der Pflege", freut sich die Kita-Leiterin.

Ihr Fazit fällt kurz aus: "Wir würden uns sofort wieder beteiligen". Ob es allerdings zu einer Neuauflage im nächsten Jahr kommen wird, steht derzeit noch nicht fest. "Darüber müssen wir uns noch Gedanken machen. Es ist noch keine Entscheidung gefallen", sagt Sebastian Dein. Nach der Aktion werden die Holztröge im Bauhof zwischengelagert. Hoffentlich nur für einen Winter.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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