Neuer Ovag-Vorstand

Freie Wähler kritisieren "Hinterzimmerpolitik" von CDU und SPD

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Wetteraukreis (jw/pm). "Der Selbstbedienungsladen Ovag funktioniert bestens", kommentieren die Freien Wähler die Besetzung des Vorstands durch den CDU-Bundestagsabgeordneten Oswin Veith.

Die Grünen sprechen von einer "fortgesetzten Beuteteilung" bei der Ovag, das designierte Vorstandsmitglied Oswin Veith (CDU) nennt die Grünen daraufhin "doppelzüngig". Nun kritisieren auch die Freien Wähler die Art und Weise, wie die Berufung Veiths in den Vorstand des Energieversorgers abgelaufen sei. "CDU und SPD verstehen sich halt prima, da klappt die Selbstbedienung durch Hinterzimmerpolitik bestens. Mit den entsprechenden Mehrheiten zieht man gemeinsam die Versorgung der eigenen Leute durch." So formuliert es der FW-Kreisvorsitzende Ronald Berg.

Es passe auch ins Bild, dass die Ovag-Vorstände Schwarz (CDU) und Arnold (SPD) dem weiteren CDU-Mitglied Veith dessen Wunsch nach einem Vorstandssitz nicht abschlagen konnten. "Auch wenn Veith sich nun befleißigt mitzuteilen, dass es ihm nicht um seine finanzielle Versorgung gehe, werden das nur die wenigsten glauben. Jeder halbwegs informierte Wähler weiß, dass Veith als Ovag-Vorstand ein Mehrfaches von dem bekommt, was er als Bundestagsabgeordneter verdient." "Dumm" für Veith sei nur, dass er sich als neu gewählter Bundestagsabgeordneter 2017 sehr weit aus dem Fenster gelehnt habe. Auf die Frage nach einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Bundestagsmandat habe er damals laut Berg "staatstragend sinngemäß" mitgeteilt: Er finde es befremdlich, wenn es Leute gebe, die sich offenbar aus der staatlichen Verantwortung stehlen wollten. Doch kaum winke das große Geld, mache Veith genau das. Berg: "Noch pikanter an der Sache ist, dass Veith genau in dem Gremium sitzt, das ihn nun gewählt hat und er sich selber sogar mitwählen durfte. Auch die 55 000 Wähler, die Veith für die Wetterau nach Berlin schickten, dürften sich vor den Kopf geschlagen fühlen."

Juristisches Nachspiel

Berg weiter: "Uns Freien Wählern drängt sich förmlich der Verdacht auf, dass sich aus der Strombranche fachkundige Spitzenkräfte auf Ovag-Ausschreibungen gar nicht mehr bewerben, weil jeder in der Branche weiß, dass die Vorstandsämter nicht nach Können, sondern nach Parteizugehörigkeit vergeben werden." Der Büdinger Bürgermeister Erich Spamer ergänzt: "Schlimm nur, dass diese Zeche der ›kleine Mann‹ zahlt, der von der OVAG brav den Strom bezieht." Gleichzeitig würden "Leute an die Spitze eines Unternehmens gestellt", die "vom Energiegeschäft nicht die geringste Ahnung haben."

Möglicherweise hat das Ganze noch ein Nachspiel, denn gegen die Sitzverteilung in der ZOV-Verbandsversammlung und in Folge gegen die Besetzung der OVAG-Aufsichtsräte läuft eine Klage. Spamer: "Denn auch dort haben CDU und SPD 2015 gemeinsame Sache gemacht und die Sitzzahl von 44 auf 52 erhöht, von den acht Zusatzsitzen haben sie sich sieben selber zugeschanzt. Sollte festgestellt werden, dass diese Sitzverteilung unrechtmäßig war, könnten auch die Beschlüsse der Gremien unrechtmäßig sein."

Quelle: Wetterauer Zeitung

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