In Friedberg wurde ein 61-Jähriger für den Missbrauch an einem damals fünfjährigen Mädchen verurteilt. (Symbolbild)
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In Friedberg wurde ein 61-Jähriger für den Missbrauch an einem damals fünfjährigen Mädchen verurteilt. (Symbolbild)

Amtsgericht Friedberg

Friedberg: Mann für Missbrauch an Paten-Nichte verurteilt

  • vonHedwig Rohde
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Ein 61-Jähriger wurde am Dienstag vom Schöffengericht des Amtsgerichts Friedberg zu einer Haftstrafe verurteilt. Es ist nicht seine erste Verurteilung wegen Missbrauchs.

Wetteraukreis – Mit einer Verurteilung des 61-jährigen Angeklagten zu einer Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten ahndete am Dienstag das Schöffengericht des Amtsgerichts Friedberg unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange den wiederholten Missbrauch der heute 20-jährigen Patennichte des Mannes vor 15 Jahren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im November 2019 war der in Friedberg nicht geständige Mann wegen einer »strukturgleichen Tat« (Richter Dr. Bange) gegen seine zum Tatzeitpunkt elfjährige Stieftochter vom Landgericht Gießen schon zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden.

Der 61-jährige Angeklagte war bereits 2019 vom Amtsgericht Gießen wegen Missbrauchs verurteilt worden

Dieses einmalige Vorkommnis, an dem seine dritte Ehe zerbrach und das ihn zeitweise obdachlos werden ließ, hatte der 61-Jährige gestanden. Mit diesem einzelnen Geständnis (»Mein Mandant hat bewiesen: Wenn er Mist baut, gibt er das zu«) sowie einem von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenen aussagepsychologischen Gutachten, das in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der 20-Jährigen nicht zu einem eindeutigen Ergebnis kam (»Hätte das Gutachten früher vorgelegen, wäre es wohl eher nicht zu einer Anklageerhebung gekommen«), begründete Verteidiger Oliver Persch denn auch seinen Antrag auf Freispruch des Angeklagten.

Staatsanwältin Daniela Zahrt räumte zwar ein, selbst »unglücklich« über das Glaubwürdigkeitsgutachten zu sein, zog daraus allerdings andere Schlussfolgerungen. Das Gericht habe sich in den vorangegangenen drei Verhandlungstagen ausführlich mit den zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Settings gemachten Aussagen der heute 20-Jährigen befasst und zahlreiche Zeugen gehört. Die junge Frau hatte den Missbrauch durch den geliebten Patenonkel erst im Dezember 2017, also mit einem Verzug von zehn bis zwölf Jahren, und noch dazu in einem heftigen Streit mit ihrer Mutter (der Schwester des Angeklagten) kundgetan.

Anklage wegen Missbrauchs der Paten-Nichte: Gerichtsurteil folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft

Der Verteidiger glaubte darin das Verhalten einer jungen Frau erkannt zu haben, die durch eine - bewusste oder unbewusste - Vermischung von Realität und Fiktion die Schuld an eigenen Schwierigkeiten und teilweise massiven psychischen Problemen auf einen Dritten abschieben, sich vielleicht für dessen Wegzug aus dem Heimatort oder aber für sein Vergehen an der Stiefcousine, der zunächst nicht geglaubt worden war, rächen wollte. Die Staatsanwältin sah dagegen das zwar teilweise widersprüchliche, aber durchaus typische Benehmen eines Missbrauchsopfers, dem der Erwachsene eine Mitverantwortung für das Geschehen (»Das ist unser Geheimnis, sonst kriegen wir beide Ärger«) aufgebürdet hatte, das die volle Tragweite der vermeintlich liebevollen Begegnungen erst nach Jahren, in der Pubertät, realisierte und dann aus Scham und Angst, ihr werde nicht geglaubt oder sie verletze ihre Familie, zunächst weiter schwieg.

Gegen eine Erfindung der Vorwürfe durch die 20-Jährige sprachen nach Einschätzung der Staatsanwältin mehrere weitere Faktoren. Anders als jemand, der sich selbst in den Mittelpunkt rücken oder bewusst jemandem schaden wolle, habe die 20-Jährige vor Gericht nur zögernd ausgesagt, die Verantwortung des Onkels zu relativieren versucht und ihre eigene Beteiligung (»Ich habe meinen Onkel geliebt, ich habe ihn provoziert«) betont. Für eine bewusste oder unbewusste Falschaussage ergebe das Verhalten der 20-Jährigen in den diversen Vernehmungen der letzten drei Jahre keinerlei Hinweise, betonte die Staatsanwältin. Auch die sprachliche Komponente (die Beschreibung der als Fünfjährige erlebten Vorkommnisse mit den Worten einer Erwachsenen) sei angesichts des zeitlichen Ablaufs völlig normal. Zudem weise die Schilderung der sexuellen Handlungen ihres Onkels auch in der Wiederholung ausreichend individuelle Details auf, um die Aussage als Wiedergabe von tatsächlich Erlebtem glaubhaft zu machen.

Das Gericht folgte sowohl darin als auch hinsichtlich des Strafmaßes vollumfänglich dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die in Gießen verhängte Bewährungsstrafe ging in der nun verkündeten Gesamtstrafe auf. (doe)

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