Erinnerungen an die Anfänge des Eishockeys in Friedberg

Friedberg (har). Als ein "sportliches Multitalent" bezeichnete VfB-Vorsitzender Horst Weitzel kürzlich Helmut Hoos, den er für 65-jährige Mitgliedschaft im VfB ehrte. "Was ich nicht wusste: Helmut spielte in Friedberg Eishockey", sagte Weitzel. "Stimmt", ergänzte Loos: "Wir waren Anfang der Fünfzigerjahre die Seewiesenkanadier."

Klaus Schuchardt (Dorheim) kann diese fast vergessene Episode der Friedberger Sportgeschichte bestätigen. "1952 habe ich auf der Seewiese Eishockey gespielt. Da war ich 15", erzählt er und zeigt auf ein Foto aus alten Tagen. Zu sehen ist die letzte Mannschaft der "Seewiesenkanadier" von 1952. Vorne in der Mitte: Helmut Loos. "Ja, ich habe immer im Tor gespielt", erzählt Loos bei einem Besuch in seiner Wohnung in der Haagstraße. Und er kann sich noch gut an die Anfänge des Friedberger Eishockeys erinnern.

"Wir liefen auf der Seewiese Schlittschuhe, da kam ein Student des Polytechnikums und fragte, ob wir Eishockey spielen wollten." Der Student war Theo Rohman. Im Winter 1948/49 begann das Training. "Ich habe noch ein Foto von 1948, aber alle Spieler kenne ich nicht mehr", sagt Loos. Mit von der Partie waren so bekannte Friedberger wie Franz Robitzsch oder Bubi Gonther. Woher seine Torwartausrüstung stammte, weiß Loos nicht mehr so genau. "Die Schlittschuhe habe ich mir selbst gekauft", erzählt der rüstige Senior, der auch mit 80 Jahren immer noch sportlich aktiv ist.

"Erfolgreiche Premiere"

Trainiert wurde, wenn das Eis auf der Seewiese dick genug war. "Das war damals mindestens zwei Monate im Jahr der Fall", erzählt Loos, der Aufnahmen von WZ-Fotograf Horst Schüssler und Zeitungsausschnitte aus jener Zeit aufbewahrt hat. Darunter auch den Bericht über die "erfolgreiche Friedberger Eishockey-Premiere" aus dem "Oberhessischen Anzeiger" vom Montag, 30. Januar 1950. "Gießen 46 gewann nur knapp mit 5:4 Toren" lautete die zweite Überschrift von Reporter (rt). In dem Artikel, der phasenweise an Kriegsberichterstattung erinnert, wird das "kleine Häuflein Friedberger Eishockeyspieler", das "im Kampf um den Puck gegen einen Gegner, der schon einige Eishockeykämpfe hinter sich hat" stand, in den höchsten Tönen gelobt. Besonders gefiel dem Berichterstatter der "kleine 17-jährige Torsteher Helmut Loos, der wie ein Fels in der Brandung stand". Am Ende heißt es: "Ein Sonderlob verdiente Loos im Tor, Reichhold in der Verteidigung, Romahn und Rudow im Sturm, ohne jedoch die Leistung der anderen Spieler schmälern zu wollen".

In den folgenden drei Jahren spielten die Friedberger in der Landesliga mit meist fünf, sechs Mannschaften wie Grün-Weiß Gießen, 1860 Hanau, SC Kronberg oder Forsthausstraße Frankfurt. "Meistens spielten wir auf gewässerten Tennisplätzen", erzählt Loos. Als sich das Team auflöste, hörten fast alle Spieler mit dem Eishockey auf. Bis auf Loos. Er ging zu Grün-Weiß Gießen, nachdem er die Ausscheidung um den Torwartposten beim VfL Bad Nauheim gegen den Gießener Torwart verloren hatte. "Es hieß, ich hätte mich gegenüber dem Trainer ungebührlich benommen. Ich war etwas laut, das war wohl mein Fehler", meint er heute lachend.

Auch als Schwimmer aktiv

Nachdem auch das Gießener Team den Spielbetrieb eingestellt hatte, schloss sich Loos der Frankfurter Eintracht an. Dort blieb er nur ein Jahr. "Die trainierten dreimal die Woche, das war mir zu viel." Als zweiter Torwart wurde er auch nicht oft eingesetzt. "Gegen Mannheim und in Weißwasser habe ich gespielt." Ende der 1960er Jahre hörte Loos nach fast 15 Jahren mit dem Eishockey auf. "Ich war nie mehr bei einem Eishockeyspiel. Warum, weiß ich auch nicht.

" Vielleicht lag es daran, dass er als Schwimmer und Wasserballer beim VfB sehr erfolgreich war. Mitte der Sechzigerjahre startete er gar bei den Deutschen Meisterschaften, wurde in seiner Altersklasse 7. und 9. im Kraulen und Brustschwimmen.

Viele Jahre lang war Loos Trainer und Betreuer, auch in der Leichtathletik beim TSV Friedberg-Fauerbach. "Eine schöne Zeit", sagt er. "In den Drittelpausen gab es in Gießen Eiskunstlauf. Besonders toll lief ein zwölfjähriges Mädchen. Das war Marika Kilius." Die Frankfurterin bildete mit Hans-Jürgen Bäumler eines der erfolgreichsten Eislaufpaare aller Zeiten.

Leser, die auf den Fotos Spieler erkennen, deren Namen heute nicht mehr oder nur noch teilweise bekannt sind, können sich mit Helmut Loos (Tel. 0 60 31/1 30 32) in Verbindung setzen.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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