Entwurfskonzept für Umbau der Kaiserstraße beschlossen

Friedberg (jw). Die Kaiserstraße soll, nachdem die Ortsumgehung gebaut wurde, umgestaltet werden. Ideen wurden gesammelt, mittlerweile liegt ein überarbeitetes Entwurfskonzept vor, das als Grundlage für die weitere Planung des "ortsgerechten Ausbaus" dienen soll.

Alles in Butter? Nicht ganz, meinen die Grünen. Sie kritisierten in der Parlamentssitzung am Donnerstag vor allem zwei Punkte: die Fällung der Allee und die Tatsache, dass kein originärer Radweg, sondern "nur" ein Fahrradstreifen vorgesehen ist. Das Entwurfskonzept wurde mit den Stimmen von CDU, SPD, UWG, FDP und Piratenpartei beschlossen, Grüne und Linke stimmten mit Nein.

Eine "hervorragende Idee" sei die Umgestaltung der Kaiserstraße, und auch "absolut notwendig für die Zukunft der Stadt", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Horst Weitzel. "Wir brauchen eine attraktive Einkaufsstraße." Aber nicht so, wie geplant. Warum, fragte Weitzel, müssen für den Umbau gesunde Bäume weichen? "Ihr macht eine der schönsten Alleen der Stadt zunichte, und dies nur, weil die Bäume in die Gestaltungswünsche nicht reinpassen", appellierte er an die anderen Fraktionen, diesen Punkt noch einmal zu überdenken. Vorgesehen ist, neue Bäume in größerem Abstand zu den Häusern anzupflanzen. Für Weitzel steht fest: Die Bäume müssen nur deshalb gefällt werden, damit genügend Parkplätze geschaffen werden können. Der Grüne zitierte das Entwurfskonzept, wo dies so festgehalten ist.

Nächster Kritikpunkt: Es sind keine Radwege geplant, lediglich Schutzstreifen. Diesen "Unsinn" baue die Stadt, weil es dafür Zuschüsse gebe. Weitzel: "Das ist schlicht gefährlich für die Radfahrer." Und zwar deshalb, weil die Autofahrer, wenn sie einparken wollen, den Schutzstreifen überqueren müssen. Weitzels Prognose: "Der Schutzstreifen wird von den Radfahrern nicht angenommen, die fahren dann über die verbreiterten Gehwege und sind dort die stärkeren Verkehrsteilnehmer gegenüber den Fußgängern."

"Ein schönes Horrorszenario"

"Das ist ja ein tolles Horrorszenario", konterte Bürgermeister Michael Keller (SPD). Die Zeit der klassischen Radwege sei vorbei, sagte der Rathauschef, das sei auch die Meinung des Fahrradverbandes ADFC. "Die Radfahrer gehören auf die Straße, die Autos haben dort nicht das alleinige Recht." Auch in Friedberg müssten sich die Autofahrer an gleichberechtigte Radfahrer gewöhnen, und Schrägparkplätze, zu denen man gelangt, indem man über den Schutzstreifen für Radfahrer fährt, gebe es auch in vielen anderen Städten. Keller: "Das ist machbar und entspricht der Rechtslage."

Querungshilfen verlangsamen Verkehr

Michael Klaus signalisierte für die SPD die Zustimmung zum vorgelegten Konzeptentwurf. Dass man auf die Tempo-30-Regelung verzichten müsse, sei kein Problem. Am Elvis-Presley-Platz sei dies ja möglich, und die Bushaltestellen auf der Fahrbahn sowie Zebrastreifen und Querungshilfen verlangsamten den Verkehr zusätzlich. Die Argumente der Grünen konnten weder er, noch der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Olaf Osten nachvollziehen. "Man muss sich nur die Mainzer-Tor-Anlage ansehen, wo alte Bäume gefällt und neue gepflanzt wurden. Das sieht jetzt schöner aus als vorher." Und Radwege seien nunmal überholt. Osten: "Die Kaiserstraße ist unser Aushängeschild, die Leute von außerhalb sollen kommen und die müssen dort mit ihrem Auto parken können." Die Grünen wollten die Parkplätze "vernichten".

"Wir brauchen im Stadtzentrum viele Parkplätze", betonte auch Achim Güssgen (FDP), "und wir brauchen eine kostenbewusste Umgestaltung." Zudem dürften die Anregungen, die bei der geplanten Bürgerversammlung kommen, nicht ignoriert werden, sagte der Liberale. Winfried Ertl (UWG) sagte, die Grünen sollten einfach mal die Geschäftsinhaber nach deren Problemen mit den viel zu großen Bäumen befragen. Eine Neuanpflanzung sei absolut sinnvoll.

Kaiserstraße: Kein Tempo-30-Bereich auf gesamter Länge Kaiserstraße: Geänderte Linienführung für den Busverkehr Neue Kaiserstraße: "Jahrtausendbauwerk" ohne Radwege

Quelle: Wetterauer Zeitung

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