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Dem Angeklagten werden für die Verhandlung die Handschellen abgenommen. Am Ende kann er den Gerichtssaal ohne sie verlassen.

Friedberger vor Gericht

Drogen, Waffen in Friedberg gefunden: Angeklagter will sein Leben ändern

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Sechs Monate hat ein Friedberger in U-Haft gesessen. Am Donnerstag musste er sich vor dem Gießener Landgericht verantworten. Bei ihm wurden Waffen und Drogen gefunden.

Der Angeklagte spricht vier Sprachen fließend. "Das zeigt, dass Sie Potenzial haben", sagte Staatsanwalt Moriz Leo Musinowski. Ihm gegenüber saß ein 39-jähriger Friedberger, der bisher sein Potenzial wohl kaum ausgeschöpft hat. Abgebrochene Ausbildung, immer wieder den Job gewechselt - mal in der Gastronomie gearbeitet, mal bei einem Umzugsunternehmen, mal als Reifenmonteur. Aber nicht nur mit legalen Tätigkeiten hat sich der Angeklagte sein Geld verdient, sonst wäre er kaum mit Handschellen in den Saal des Gießener Landgerichts geführt worden. Den er ohne Handschellen wieder verließ.

Amphetamin, Dolche, Pistolen

Seit Mai saß der 39-Jährige in U-Haft. Laut Anklage kamen bei einer Durchsuchung seiner Lagerhalle Drogen und Waffen zum Vorschein. Von 244 Gramm Amphetamin, 200 Gramm Ecstasy-Tabletten, 290 Gramm Haschisch, vier Schwertern, neun Dolchen, zwei Beilen, einem Teleskopschlagstock, acht Pistolen und einem Revolver ist in der Anklageschrift die Rede. Bei Revolver und Pistolen soll es sich um Schreckschusswaffen gehandelt haben. Dennoch spielte die räumliche Nähe der Waffen zu den Drogen für Staatsanwalt Musinowski eine Rolle. Schließlich kann auch der Einsatz von Platzpatronen böse enden - und eine Schusswaffe war geladen und damit potenziell schnell einsetzbar.

Selbst gekifft und Amphetamin genommen

Der Angeklagte war voll geständig. "Hier sitzt ein Bekehrbarer", sagte Verteidiger Dr. Ulrich Endres. Auch der Staatsanwalt hatte ein Lob für den Angeklagten parat: "Sie haben in diesem Komplex eine sehr transparente Rolle gespielt." Angesichts des Geständnisses, fehlender einschlägiger Vorstrafen und des Willens des Angeklagten, sein Leben in den Griff zu bekommen, wollten beide Parteien dem Mann bei seinem Neustart helfen. Konkret ging es um eine Therapie, um den Friedberger dauerhaft von den Drogen wegzubekommen.

Der eigene Konsum und der Verkauf der Betäubungsmittel hingen nämlich zusammen. Ohne den Verkauf wäre es vermutlich schwierig gewesen, das tägliche Gramm Amphetamin für den Eigenbedarf zu finanzieren. Seit seinem 14. Lebensjahr hatte der Angeklagte gekifft, vor rund fünf Jahren konnte er endlich die Finger davon lassen. "Ich war ziemlich froh, dass ich mit dem Kiffen aufgehört habe. Ich hätte niemals gedacht, dass ich das hinkriege." Nach einer Abstinenz kam der Drogenrückfall, diesmal nahm er Amphetamine. Bis ihm die Polizei auf die Schliche kam. Dies geschah letztendlich über Umwege, denn die Ermittler befassten sich eigentlich mit Einbruchdiebstählen in Bad Nauheim und Friedberg. Im Laufe der Vernehmungen fiel der Name des 39-jährigen Friedbergers. Bei der Durchsuchung in seiner Lagerhalle wurden besagte Drogen und Waffen zutage befördert.

Komplizierte Haft-Regelung

Zwei konkrete Drogenverkäufe kamen während des Gerichtsverfahrens zur Sprache. Die Käuferin saß vielleicht eine Minute im Zeugenstand, um schließlich zu sagen, dass sie nichts sagen werde. Gleiches Spiel bei einem weiteren Zeugen, der derzeit selbst eine Haftstrafe verbüßt.

Mit der Haftstrafe für den 39-jährigen Angeklagten ist es jetzt - zumindest erst mal - vorbei. Auch wenn der Richter ihn zu zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilte. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre gefordert, der Verteidiger zweieinhalb. Alle drei machten aber deutlich, dass die Vollstreckung der Strafe zurückgestellt werden könne. Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes gibt dies her. Heißt in diesem Fall: Zieht man die bereits verbüßten sechs Monate in U-Haft ab, bleiben noch zwei Jahre und vier Monate. Allerdings darf nur eine Resthaftstrafe von zwei Jahren gestrichen werden. Und zwar dann, wenn der Verurteilte erfolgreich eine Therapie absolviert. Für den 39-Jährigen bedeutet dies: Jetzt ist er erstmal frei, später muss er eventuell nochmal für vier Monate ins Gefängnis, danach wären die besagten zwei Jahre übrig, die ihm womöglich erlassen würden. Oder aber er darf direkt eine Therapie machen und muss gar nicht mehr ins Gefängnis. Nach Ansicht seines Verteidigers das Optimum.

Wie er zu den Waffen kam

Die gefundenen Waffen seien für seinen Mandanten nur Sammlerstücke, sagte Verteidiger Dr. Ulrich Endres. Eine Waffe will der Angeklagte vor einigen Jahren gekauft haben. Die anderen sind, wenn seine Version stimmt, auf eher ungewöhnliche Weise in seinen Besitz übergegangen. Der Friedberger hatte nacheinander verschiedene Jobs, einer davon war in einem Umzugsunternehmen. Solch eine Firma kommt auch bei Zwangsräumungen zum Einsatz. Bei einer solchen habe er die Waffen entdeckt und eben nicht entsorgt, sondern behalten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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