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Drogen in den Knast geworfen - 30-Jähriger verurteilt

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Foto: Schepp © Schepp

Am Ende halfen weder die Tränen des Angeklagten noch sein Versprechen, nun wirklich sein Leben auf die Reihe bringen zu wollen. Der 30-jährige Reichelsheimer ist wegen Drogenhandels verurteilt worden - mal wieder.

Wegen seiner erheblichen Drogen- und Alkoholprobleme hat sich ein 30-jähriger Reichelsheimer nun schon seine zweite Gefängnisstrafe eingehandelt. Zu fünf Jahren und zwei Monaten hat ihn die 6. Strafkammer des Gießener Landgerichts dieses Mal verurteilt.

Das Gericht wich damit nur unwesentlich vom Strafmaß der Staatsanwaltschaft ab, die fünf Jahre und sechs Monate Haft gefordert hatte. Verurteilt wurde der einschlägig vorbestrafte Reichelsheimer, weil er im März 2020 zwei Päckchen mit Haschisch, Marihuana, Ecstasy und Amphetamine über die Mauer der Justizvollzugsanstalt Butzbach geworfen hatte. Wie er sagte, weil ihn, den ehemaligen Zellengenossen, Gefangene der JVA dazu gezwungen hätten.

Während die Staatsanwaltschaft diese Aussage in Zweifel zog und ihn als Täter sah, damit er seinen eigenen Drogenkonsum finanzieren konnte, akzeptierte das Gericht die Behauptung des Angeklagten, er sei unter Druck gesetzt worden. Es bewertete aber seinen Tatbeitrag, nämlich die Überwürfe der Rauschgiftpakete über die Gefängnismauer, als Beihilfe.

Widerstand in Handschellen

Weitere angeklagte Taten spielten sich wenig später in seiner Wohnung in Reichelsheim ab. Nachdem die Polizei anhand der DNA-Spuren an den Rauschgiftpäckchen den 30-Jährigen als Täter ermittelt hatte, kam es zu einer Hausdurchsuchung.

Auch dort wurde Rauschgift in nicht unerheblichen Mengen gefunden, darüber hinaus Streckmittel, eine Feinwaage, gut 1000 Euro in bar und eine Schreckschusspistole. Als seine Verlobte während der Durchsuchung die Wohnung verlassen wollte, die Polizei aber erst ihre Kleidung untersuchen wollte, eskalierte die Situation.

Der Angeklagte sprang vom Sessel auf, und trotz Handschellen wollte er seine Verlobte beschützen. Den Drogen- und Waffenfund bewertete das Gericht als bewaffneten Handel von Drogen und den Kontakt mit den Polizeibeamten als Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Schon als Achtjähriger Kontakt mit Rauschgift

Der Sachverständige Dr. Rolf Speyer hatte in seinem psychiatrischen Gutachten darauf hingewiesen, dass der Angeklagte schon mit acht Jahren den ersten Kontakt mit Rauschgift hatte und seit dem zwölften Lebensjahr dauerhaft Betäubungsmittel zu sich nimmt.

Deshalb beginnt die Liste seiner Straftaten bereits in diesem Alter mit einem Diebstahl und einem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Der Angeklagte erreichte dann zwar nach einigen Schulwechseln den Hauptschulabschluss, jedoch schloss er keine Berufsausbildung ab.

2015 wurde er zu einer vierjährigen Haftstrafe, ebenfalls wegen Handels mit Betäubungsmittel, verurteilt. Während dieser Haftstrafe begann er eine erste Entziehungskur, die er aber vorzeitig abbrach, weil er immer wieder rückfällig wurde. Daraufhin unterzog er sich zum Ende seiner Haft einer Drogensubstitution, um so seinem Suchtproblem entfliehen zu können.

Substitutionsbehandlung statt Enziehungsanstalt

Zwar wünschte sich der Angeklagte eine erneute Aufnahme in eine Entziehungsanstalt, zumal dies meist mit der Reduzierung der Haftstrafe Hand in Hand geht, aber der Sachverständige riet davon ab. Der Angeklagte sei dermaßen drogensüchtig, dass die Gefahr eines Rückfalls in einer Entziehungsanstalt für ihn viel zu groß sei. Besser sei deshalb eine Substitutionsbehandlung.

Der Verteidiger Stefan Adler flehte das Gericht im Schlussplädoyer nahezu an, seinem Mandanten mit einer langen Haftstrafe nicht das Leben zu verbauen und ihn allenfalls mit einer dreijährigen Gefängnisstrafe zu belegen.

Das Gericht hingegen sah gerade in der längeren Haftstrafe eine Chance für den Angeklagten, sein Leben in Ordnung zu bringen. »Sie können in der Zeit endgültig Abstand von den Drogen gewinnen und endlich eine Berufsausbildung abschließen. Nehmen Sie die Haftstrafe deshalb mehr als Chance denn als Strafe an«, begründete Vorsitzender Richter Dr. Lessing die Strafe von fünf Jahren und zwei Monaten.

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