Drei Kriege sorgen für Zwangspausen

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  • Harald Schuchardt
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Am 1. März 1869 gründeten 19 sangeslustige Ockstädter im Gasthaus "Hermes", der heutigen katholischen Kindertagesstätte, den Gesangverein Frohsinn. Aufzeichnungen aus den ersten 30 Jahren gibt es fast keine mehr. Bekannt ist, dass der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 das junge Vereinsleben jäh unterbrach. Nach der Rückkehr aller 43 eingezogenen Ockstädter leitete Lehrer Philipp Veith den Männerchor, dem wenig später mangels Motivation die Auflösung drohte.

Am 1. März 1869 gründeten 19 sangeslustige Ockstädter im Gasthaus "Hermes", der heutigen katholischen Kindertagesstätte, den Gesangverein Frohsinn. Aufzeichnungen aus den ersten 30 Jahren gibt es fast keine mehr. Bekannt ist, dass der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 das junge Vereinsleben jäh unterbrach. Nach der Rückkehr aller 43 eingezogenen Ockstädter leitete Lehrer Philipp Veith den Männerchor, dem wenig später mangels Motivation die Auflösung drohte.

1883 übernahm der junge Lehrer Anton Eduard Nicolai die Leitung. Am 11. Februar 1887 wurde die erste Vereinsfahne geweiht, drei Jahre später begann Schriftführer Dietrich Ewald mit Aufzeichnungen der Vereinsaktivitäten, zu denen schon Faschingsfeiern gehörten. 1894 wurde das 25-jährige Stiftungsfest gefeiert, auf Wunsch des Pfarrers erst nach der Fastenzeit. Ein Jahr später wurde die erste Musikkapelle mit 16 Männern gegründet, wodurch das Vereinsleben neuen Aufschwung erhielt. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 trafen sich die Mitglieder noch zu Singstunden, was ein Jahr später nicht mehr möglich war. Die meisten Sänger waren zum Militär eingezogen. Die Vereinstätigkeit wurde erst wieder am 2. Februar 1919 aufgenommen. Im Oktober desselben Jahres wurde das 50-jährige Bestehen mit Festzug und Tanzvergnügen im "Klingl’schen Kaisersaal" gefeiert.

Am 7. Juli 1933 vereinigte die NSDAP die beiden Gesangvereine Eintracht und Frohsinn zwangsweise. Am 19. November desselben Jahres feierte Anton Nicolai sein 50-jähriges Dirigentenjubiläum. Vor seinem Haus in der Friedberger Straße wurde eine Ehrentanne gepflanzt. Einige Monate später wurde der 73-Jährige von den Nazis seines Amtes entbunden – zur Empörung der Mitglieder. Bis 1936 führte der Verein ein "getarntes Dasein", ehe sich am 6. Februar 1938 nach langen Verhandlungen der Traum von der erneuten Selbstständigkeit erfüllte. 1941 wurde die Vereinstätigkeit eingestellt, nachdem auch Dirigent Gruber zur Wehrmacht eingezogen worden war.

Aufschwung ab den 70er Jahren

Am 12. Januar 1947 begann die Nachkriegsgeschichte mit der Wahl von Lehrer Wilhelm Kammerer zum Vorsitzenden. Dirigent Heinrich Gruber übergab 1966 die Chorleitung an Dr. Fred Schmitt aus Bad Nauheim. "Seine überzeugende Gestaltungskraft spornt alle zu neuen Leistungen an", heißt es in der Chronik. Das 100-jährige Jubiläum wurde 1969 mit Konzert, Fahnenweihe, Akademischer Feier, Wertungssingen, Festzug und Kinderfest gefeiert. 1970 wird der Spielmannszug mit 60 Aktiven und drei Jahre später die Jagdhorngruppe gegründet.

Von 1972 bis 2002 war der heutige Ehrenvorsitzende Heinz Klein Frohsinn-Chef. Ab den 1980er Jahren wurde die Nachwuchsarbeit verstärkt, Kinderkreis, Jugendchor VIVA und der Kleine Chor (heute "Cantiamo") wurden nach und nach gegründet. 2008 entstand die Blockflötengruppe "Tinnitus", 2014 das Jugendblasorchester "Con Brio".

Ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte war 1984 die Rom-Reise mit Papstaudienz und Konzert auf dem Petersplatz. Seit 2008 leitet Hermia Schlichtmann die Frohsinn-Chöre, 2010 übernahm Johanna Ascher den Vorsitz. Zwei Jahre wird nun gefeiert: Das 150-jährige Vereinsjubiläum 2019, das 50-jährige Bestehen des Musikzugs 2020. (Fotos: lod, pv)

Quelle: Wetterauer Zeitung

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