Dorothee Hantschel ist neue Leiterin der Adolf-Reichwein-Schule

Friedberg (har). Seit Monatsanfang ist Dorothee Hantschel Schulleiterin an der Adolf-Reichwein-Schule, der noch immer einzigen integrierten Gesamtschule mit Grundstufe im Wetteraukreis.

"Ich freue mich darüber, dass ich in meinem hohen Alter noch so eine Stelle antreten durfte", sagt die 1950 geborene Pädagogin, die ihre berufliche Karriere Mitte der 1970er Jahre als Referendarin an der integrierten Kästner-Gesamtschule in Wetzlar begann und sich gleich kurz nach ihrem Amtsantritt über die Urkundenüberreichung freuen durfte, die die Adolf-Reichwein-Schule als zertifizierte "Musikalische Grundschule" ausweist.

Von 1976 bis 1994 war sie als Lehrerin am altsprachlichen Heinrich-von-Gagern-Gymnasium in Frankfurt tätig, bevor sie für sieben Jahre an der Integrierten Gesamtschule Nordend in Frankfurt unterrichtete. "Es war klar, dass für mich nur noch eine Integrierte Gesamtschule in Frage kommt", so die neue Schulleiterin, die von 2008 bis 2011 als Schulaufsichtsbeamtin am Staatlichen Schulamt in Frankfurt für die Gesamtschulen ohne die Oberstufe zuständig war.

Im Sommer vergangenen Jahres traf sie die persönliche Entscheidung den Verwaltungsbereich zu verlassen und an eine Schule zurückzukehren, denn "das ist die Basis unserer Arbeit".

Nach knapp drei Wochen an der Adolf-Reichwein-Schule hat sie einen "ersten Überblick", denn "man braucht lange, um sich in so einem großen Gebilde einzubringen", erzählt Hantschel, die in einer 8. Klasse Englisch unterrichtet.

"Das macht wieder richtig Spaß, zumal hier die überwiegende Zahl an Schülerinnen und Schüler viel freundlicher und angenehmer ist als in der Großstadt", freut sich die Schulleiterin, die vor allem von der Größe des Schulgeländes begeistert ist. "Meine früheren Kollegen haben sich im Internet informiert, und alle waren erstaunt über die große Zahl an Freiflächen, das gibt es in Frankfurt kaum."

Erinnerungen an Campus

Das Häuser-Ensemble mit mehreren Schulhöfen, Sportplatz, Spielplatz und Grünflächen erinnert sie an einen Campus. Vor allem die noch vorhandenen Elemente aus den 50er Jahren, wie einige Fenstermosaiken, will sie unbedingt erhalten. "Für mich ist diese Schule so etwas wie ein Kulturdenkmal und typisch für die 50er Jahre."

So will sie diesen Charme erhalten, und sie hofft, "dass der Kreis in der Lage sein wird, uns zu unterstützen und die notwendigen Renovierungs- und Ausstattungsarbeiten sukzessive zu finanzieren", so die überzeugte Verfechterin des gemeinsamen Lernens aller Schüler mit ganz unterschiedlicher Begabung und Leistungsprofil.

So schrieb sie an die Elternvertreter: "Schule muss aus meiner Sicht ein für Schülerinnen und Schüler angenehmer Aufenthaltsort sein, an dem sie sich wohlfühlen, an dem sie zu Leistungsverbesserungen und Aktivitäten herausgefordert und immer auch - in Stärken und Schwächen - gefördert werden." Um diese Ziele umzusetzen, will Dorothee Hantschel einige Neuerungen einführen.

Dazu gehören Jahrgangsteams, "ein Merkmal guter Integrierter Gesamtschulen", so die Pädagogin. An der Schule wird diese Veränderung seit Längerem diskutiert, und es besteht bereits ein Pilotteam.

"Ich hoffe, die Kolleginnen und Kollegen zu einer Jahrgangsorientierung motivieren und die mit den Veränderungen verbundenen Schwierigkeiten lösen zu können", sagt sie.

Ein weiterer Schwerpunkt soll die Unterrichtsentwicklung hin zu einem individualisierten und auch selbst organisierten Lernen sein. "Die vom hessischen Kultusministerium allen hessischen Schulen vorgegebene Umsetzung kompetenzorientierten Unterrichts bietet auch dafür einen günstigen Boden", ist sich die Schulleiterin sicher.

Wunsch: Gute Kooperation

Eines ist Hantschel noch ganz wichtig: "Ich wünsche mir eine gute Kooperation, auch bei der Schulentwicklung aller an der Schule Beteiligten." So hat sie seit ihrem Antritt schon viele Gespräche geführt, mit den Mitgliedern der Schulleitung ebenso wie mit dem Kollegium, dem Schulhausverwalter und den Sekretärinnen sowie mit Schüler- und Elternvertretern.

"Nur wenn eine positive Identifikation vieler mit der Schule besteht, kann sich so etwas wie eine gute, sich gegenseitig unterstützender Schulgemeinde entwickeln", meint Hantschel und fügt hinzu: "Ich habe durchaus den Eindruck, dass die Allermeisten an der Schule Tätigen sowie viele Eltern und die Schüler ihre Unterrichtsarbeit und ihre Angebote auch jetzt schon sehr schätzen."

Dass die Hauptarbeit von den Lehrern in den Klassen mit den Schülern geleistet werden muss, ist der neuen Schulleiterin klar. Und so arbeitet sie bereits an einem Konzept für einen pädagogischen Tag, der im April stattfinden soll.

Das hat noch einen Vorteil für sie: "Nur durch gemeinsame Arbeit lernt man die Menschen kennen".

Quelle: Wetterauer Zeitung

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