"Alle wissen, dass sie da durch müssen", sagt Kreisschulsprecher Marlon Reiber über die aktuelle Situation. Doch es gibt auch Kritik vonseiten der Schülerschaft.
+
»Alle wissen, dass sie da durch müssen«, sagt Kreisschulsprecher Marlon Reiber über die aktuelle Situation. Doch es gibt auch Kritik vonseiten der Schülerschaft. (Symbolbild)

Schule in Corona-Zeiten

Schulen in der Wetterau: „Die kleinen Dinge stellen die größten Entbehrungen dar“

  • vonHedwig Rohde
    schließen

Die Situation an den Schulen ist eines der heißen Themen der Corona-Diskussion. Kreisschülersprecher Marlon Reiber spricht über die Herausforderungen des Lernens in Pandemie-Zeiten.

Wie stark beeinflussen das Coronavirus und aktuell der »Lockdown light« Ihre Arbeit?

Aktuell zieht uns die Pandemie sozusagen den Boden unter den Füßen weg, da unsere Arbeit darauf basiert, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Eine Vollversammlung des Kreisschülerrats ist eine große logistische Herausforderung. Unsere Aufgabenfelder selbst haben sich dagegen nur ein wenig geändert, und gleichzeitig ist das öffentliche Interesse an der Meinung der Schülerschaft deutlich gestiegen, und das freut uns sehr.

Wie gehen Schüler/innen mit der Situation um?

Alle wissen, dass sie da durch müssen, und alle hoffen, dass alles so bald wie möglich wieder vorbei ist. Ich denke, dass mehr Schüler/innen an Politik interessiert sind. Es werden innerhalb weniger Wochen neue Regelungen geschaffen, und natürlich muss man da auf dem neuesten Stand bleiben.

Löst die aktuelle Situation mehr Ängste und Probleme aus?

Das Ganze ist weniger problematisch als beim ersten Lockdown. Inzwischen wissen die Schüler/innen, wie sie sich persönlich im Falle einer Schulschließung zu verhalten haben.

Was vermissen Schüler/innen zurzeit am meisten?

Soziale Kontakte. Sich umarmen, sich mit Handschlag begrüßen - das fehlt. Es sind die kleinen Dinge, die die größten Entbehrungen darstellen. Ältere Schüler/innen vermissen gesellige Treffen oder Partys. Sehr schmerzhaft ist die Absage von Auslandsjahren, Abschlussfahrten und -feierlichkeiten.

Gibt es an den Schulen einheitliche Regeln im Umgang mit Corona?

Eindeutig nicht. Natürlich gibt es Rahmenbedingungen wie zum Beispiel die Maske auf dem Schulgelände, aber die Schulen müssen ihr Hygienekonzept individuell gestalten, und das ist von sehr vielen Faktoren abhängig.

Marlon Reiber Kreisschulsprecher

Wie beurteilen Sie die Quarantäne-Regelung?

Wir sind keine Virologen. Wir müssen auf die Behörden vertrauen, auch wenn dies schwer ist, wenn man aus der ein oder anderen Schule hört, dass noch nicht mal die Sitznachbarn in Quarantäne geschickt werden, mit der Begründung, dass alle ja Masken getragen hätten. Diese Frage kann man nur mit dem Vorwissen beantworten, ob Schulen einen Infektionsherd darstellen - und dazu gibt es auch bei Experten unterschiedliche Meinungen.

Welche Erfahrungen haben Schüler/innen im ersten Lockdown mit dem Digitalunterricht gemacht?

Da sind die Meinungen gespalten. Der »Unterricht« verlief über die Plattform »wtkedu«. Ich persönlich hatte keinerlei Probleme, andere beschwerten sich über häufige Systemabstürze und gestörten Mail-Verkehr. Die Schüler/innen mussten ihren Tag neu strukturieren: Stehe ich jetzt später auf, um nachmittags länger zu arbeiten, oder umgekehrt? Ich glaube, wenn wir etwas gelernt haben, dann, dass das Thema Digitalisierung künftig einen größeren Stellenwert einnehmen sollte. Grundsätzliche Probleme waren die fehlende Infrastruktur (nicht alle haben einen gut funktionierenden Laptop) und die Verstärkung des psychischen Drucks durch Lehrkräfte, die sich beim Erteilen von Arbeitsaufträgen vergriffen haben.

Welche Fortschritte macht die Digitalisierung der Schulen?

Der Wetteraukreis hat Endgeräte angeschafft, der Digitalisierung wird mehr Aufmerksamkeit zuteil und man ist bereit zu handeln: Neue Software wie Video-Konferenz-Tools werden getestet, teilweise gibt es Wlan für alle Schüler/innen an Schulen, und das Konzept »Bring your own device« wird gestärkt. Man versucht, digitalen Unterricht zu ermöglichen. Wir erkennen jedoch kein wirkliches Konzept, weshalb das Ganze etwas durcheinander scheint.

Wäre allgemeiner Digitalunterricht jetzt eine Alternative?

Allgemeiner Digitalunterricht ist sinnvoll in bestimmten Situationen, wenn alle Schüler/innen gleich ausgestattet sind. Wir wollen möglichst viel Präsenzunterricht, da der Lerneffekt dabei höher ist. Ein genereller Digitalunterricht kommt für uns nicht infrage, denn Schule ist auch ein sozialer Raum.

Wenn Sie zu entscheiden hätten: Welchen Weg würden Sie den Schulen empfehlen?

Ein Hybridmodell, das heißt, Teilung der Klassen ab Jahrgangstufe 5 mit wochenweise wechselndem Präsenz- und Distanzunterricht mit Ausnahme der Abschlussklassen, die verstärkten Präsenzunterricht erhalten sollten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare