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Detektiv Jürgen Sinner: Ein Mann für alle Fälle

Jürgen Sinner ist seit über 30 Jahren Detektiv und führt einen Sicherheitsdienst in Kefenrod. Seine Einsätze reichen vom Ladendiebstahl bis zur Überführung eines Waffenhändlers.

Was Sie in Detektivserien sehen, müssen Sie ganz schnell vergessen", sagt Jürgen Sinner und winkt ab. "Das hat in den meisten Fällen nichts mit der Wirklichkeit zu tun." Denn damit kennt sich der 56-Jährige aus. Jürgen Sinner ist Detektiv. Seit über 35 Jahren führt er eine Detektei und einen Sicherheitsdienst in Kefenrod (SDK). Er bewacht Gebäude, fährt nachts Streife und sorgt bei Veranstaltungen für Sicherheit. Aber auch Ermittlung und Observation gehören zu seinem Berufsalltag.

Kurz nachdem er sich 1984 selbstständig gemacht hatte, wurde Sinner zum Personenschützer für einige prominente und hochrangige Persönlichkeiten. Darauf ist er noch heute sehr stolz. Den Anfang machte Hans Sachs, seinerzeit leitender Oberstaatsanwalt aus Nürnberg und bekannt aus der Fernseh-Ratesendung "Was bin ich?". Ihn lernte Sinner über den damaligen Postminister Christian Schwarz-Schilling kennen, der in Büdingen wohnte. Sachs hatte eine Beziehung zu einer Bekannten von Schwarz-Schilling aus Büches.

Die Arbeit für Hans Sachs führte dazu, dass Sinner von Eduard Zimmermann, dem Gründer der Fernsehserie "Aktenzeichen XY…ungelöst", engagiert wurde. Ihn begleitete er zu vielen öffentlichen Auftritten. "Das war eine gute Werbung für meine Dienste", sagt Sinner, der damals am Anfang seiner Karriere stand. "Besser geht es gar nicht."

Als Dritter vertraute ihm Hans-Joachim Reisacher, leitender Kriminaldirektor im Niedersächsischen Innenministerium, seine persönliche Sicherheit an. "Alle drei hatten Kriminelle hinter Gitter gebracht, Zimmermann stand auf der Todesliste der RAF."

Detektiv Jürgen Sinner: Unterschlagung, Diebstahl, Ehebruch

Gelernt hat Sinner sein Handwerk während der Ausbildung bei der CSG-Einheit der NATO-Stationierungsstreitkräfte in Kaiserslautern. "Das war das Beste, was es damals in Deutschland gab", sagt er. In den zwei Jahren habe er neben der Theorie auch gelernt, mit Pistole und Gewehr umzugehen.

Mit 20 machte sich Sinner selbstständig. "Das war schon etwas Besonderes", sagt er. "Ich hatte andere Pläne im Kopf als Gleichaltrige." Einen Spitznamen habe man ihm auch schnell gegeben: "Alle im Ort haben mich Sheriff genannt."

Doch wenn Sinner als Wachmann unterwegs ist, finden das nicht alle gut. "Ich werde wie Polizei und Rettungskräfte oft beleidigt oder sogar angegriffen", sagt er. Das hätte in den vergangenen 30 Jahren zugenommen.

Oft unterstützt Sinner mit seinen Ermittlungen die Polizei. "In einem Monat habe ich in Büdingen drei Täter hintereinander erwischt", erzählt er. Er überführte eine Frau, die Autoteile klauen wollte, entdeckte einen betrunkenen Einbrecher in einer Änderungsschneiderei und konnte durch Beobachtung den mysteriösen Diebstahl von Geld aus Spielautomaten in einem Restaurant aufklären. "Der Bruder des Chefs war der Täter, deshalb gab es auch keine Spuren. Er hatte einen Schlüssel zur Gaststätte."

Sinner ist aber nicht nur in der Wetterau im Einsatz. Er half etwa bei der Überführung eines Waffenhändlers aus dem Odenwald, indem er Kontakt zu dem Kriminellen knüpfte und als Scheinaufkäufer auftrat. Zu seinem Alltag gehörten aber auch Ermittlungen bei Unterschlagung, etwa wenn Mitarbeiter Ware klauen, oder Versicherungsbetrug.

Detektiv Jürgen Sinner: Schwarze Schafe bei der Polizei

Das alles erledigt Sinner nicht alleine. "Meine Mitarbeiter sind ehemalige Kriminalbeamte", sagt er. Sogar einer vom Bundeskriminalamt sei dabei. "Sie sind im Ruhestand, wollen aber trotzdem noch etwas tun."

Leider sei er in seinem Berufsleben auch schwarzen Schafen innerhalb der Polizei begegnet. Ein Dienstgruppenleiter der Büdinger Polizei sei beim Diebstahl erwischt worden. "Er hat sich unter dem Vorwand der Observation Schlüssel von Geschäften geben lassen und hat dann nachts die Regale ausgeräumt." Nach seiner Entlassung habe er den ehemaligen Polizisten noch betrunken am Steuer erwischt. "Von einem anderen bin ich am Telefon bedroht und beleidigt worden, als ich einen verdächtigen Vorfall melden wollte." Der Polizist sei daraufhin angezeigt worden.

Und das typische Klischee der eifersüchtigen Ehefrau, die einen Privatdetektiv auf ihren Mann ansetzt, um ihn auszuspionieren? "Das gibt es", sagt Sinner. Aber auch Männer würden ihre Frauen überwachen lassen. "Vom Heiratsschwindler, der nur aufs Geld aus ist, bis zur monatelangen Affäre - sie glauben gar nicht, was ich schon alles erlebt habe."

Detektiv Jürgen Sinner: RAF und Bohnacker

Einen weiteren Höhepunkt erlebte Jürgen Sinner Anfang der 80er Jahre, als er durch eigene Ermittlungen den Aufenthalt des gesuchten Terroristen Christian Klar vom harten Kern der zweiten Generation der Rote-Armee-Fraktion (RAF) auf einem Campingplatz im Hirzenhainer Ortsteil Merkenfritz belegen konnte. Klar war an RAF-Anschlägen und Überfällen beteiligt und wurde in zwei Gerichtsverfahren wegen gemeinschaftlich verübten, neunfachen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.

1999 beteiligte sich Sinner außerdem an der Suche nach der vermissten achtjährigen Johanna Bohnacker in Ranstadt.

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