Nur ein Schnupfen? Oder Grippe? Oder Corona? Die Unsicherheit ist in diesen Tagen und Wochen groß. Auch in der Wetterau. Die Hausärzte sind mit vollem Einsatz dabei, um Schlimmeres zu verhindern. 
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Nur ein Schnupfen? Oder Grippe? Oder Corona? Die Unsicherheit ist in diesen Tagen und Wochen groß. Auch in der Wetterau. Die Hausärzte sind mit vollem Einsatz dabei, um Schlimmeres zu verhindern. 

Kein bestätigter Fall

Coronavirus: Wetterauer Hausärzte kämpfen am Limit

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Noch gibt es in der Wetterau keine bestätigte Corona-Infektion. Damit das so bleibt, arbeiten Hausärzte und ihre Team zurzeit am Limit. Hier sprechen drei von ihnen.

Dr. Götz Sailer, Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin in Ober-Mörlen, sieht die Lage in seiner Praxis entspannt. Zumindest was panische Patienten betrifft. Die seien noch nicht aufgeschlagen, sagt er. Sailer nimmt die Sache dennoch ernst, er wird von Gesundheitsamt, Kassenärztlicher Bundesvereinigung und anderen Institutionen mit Richtlinien versorgt.

Dem Vorgehen des Wetteraukreises kann er viel abgewinnen. Wie diese Zeitung berichtete, werden nur Menschen getestet, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten oder Kontakt mit einer nachweislich infizierten Person gehabt haben - und die zusätzlich selbst entsprechende Symptome zeigen. Genau das fragen die Mitarbeiter der Praxis Sailer Patienten, die sich - möglichst telefonisch - an sie wenden. "Die Zielaufgabe ist es, die Schwerkranken rauszufischen", sagt Sailer. "Viele schieben massive Panik", aber die Masse der Patienten habe "ganz banale virale Infekte - weder Grippe noch Corona".

Coronavirus: Teures Desinfektionsmittel

Alles strukturiert und besonnen, könnte man sagen. Wenn da nicht die Hamsterkäufe wären. "Die wiegen das jetzt bald in Gold auf", verweist Götz Sailer auf die Engpässe bei und die Preise für Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Eine seiner Mitarbeiterinnen habe in einem Würzburger Baumarkt Masken besorgt. Fünf Flaschen Desinfektionsmittel würden ihn normalerweise 25 Euro kosten, er habe sie nun für 76 Euro gekauft, sagt Sailer. "Angebot und Nachfrage, so ist das."

Coronavirus: Ein Test auf dem Parkplatz

Normalerweise werden Verdachtspatienten in der Wetterau von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes getestet. Einmal habe das Amt aber seine Praxis damit beauftragt. "Wir hatten einen Fall, den haben wir auf dem Parkplatz gemacht." Eine Mitarbeiterin von ihm sei mit Schutzkittel, Maske und Handschuhen nach draußen gegangen. Das Ergebnis des Tests stehe noch aus.

Götz Sailer

"Wir haben schon immer wieder Patienten, die Angst haben, dass sie Corona haben", sagt Dr. Dorothée Seefeldt, Fachärztin aus Bad Vilbel. Bei entsprechenden Symptomen oder Risikofaktoren sollten die Leute erstmal anrufen, "damit wir entscheiden können, welcher Weg richtig ist". An der Praxistür hänge ein entsprechender Hinweis.

Sie und ihr Team haben eine Grippesprechstunde eingerichtet, damit sich niemand mit ganz anderen Symptomen ansteckt. Was den Vorrat an Mundschutz und Desinfektionsmitteln angeht, macht sich Seefeldt keine Sorgen. Eventuell würde man - falls nötig - Desinfektionsmittel selbst herstellen.

Coronavirus: Ein Patient, der aus Mailand kam

Dr. Wolfgang Pilz, Facharzt für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin mit Praxis in Ockstadt, hat bereits mit Corona-Verdachtsfällen zu tun gehabt. Es habe aber immer Entwarnung gegeben, sagt Pilz. Die Patienten hätten allesamt keine klassische Symptomatik gehabt, und sie gehörten nicht zu den Risikogruppen. Ein Mann sei von einer Konferenz in Mailand zurückgekommen, habe sich gemeldet. Mailand sei kein Risikogebiet, sagt Pilz. Und der Mann habe keine Beschwerden gehabt. Die Ockstädter Praxis habe beim Ausrichter der Konferenz nachgefragt, ob Teilnehmer vom Virus befallen seien. Der besorgte Patient sei zur Sicherheit erstmal zur Hause geblieben. Pilz telefonierte täglich mit ihm. Der Mann durfte das Haus wieder verlassen.

Coronavirus: Auch eine Sorge um sich selbst

Entwarnung also, doch "auch unter Ärzten gibt es eine Wahnsinns-Panik-Fraktion", sagt Pilz und verweist auf Ärzte-Foren im Internet. Er selbst gehört nicht zu dieser Fraktion, wobei auch er sich Sorgen macht. Zum einen um den Vorrat an Desinfektionsmitteln und Schutzmasken. Zu Zeiten von SARS und Schweinegrippe habe man geplant, den Vorrat immer rechtzeitig aufzufüllen. "Das ist uns irgendwie ein bisschen durch die Lappen gegangen", gibt der Arzt zu. Er und sein Team kämen aber zurecht. Außerdem habe eine Apotheke angekündigt, Desinfektionsmittel selbst zu mixen.

Wolfgang Pilz

Eine andere Sorge gilt ihm, dem Hausarzt, selbst. "Ein bisschen mulmig ist mir manchmal schon", sagt er mit Blick auf die Ansteckungsgefahr. Er sei ein Mann und nicht mehr der Jüngste - nicht die besten Voraussetzungen, um den Coronavirus gut wegzustecken. Dazu kommt eine andere Sorge: Dass mal ein Corona-Fall durchrutschen könnte und die Praxis wegen Ansteckung dicht gemacht werden müsste. "Wir haben eine richtig große Praxis. Wenn die von heute auf morgen zu wäre, das könnten die Kollegen nicht kompensieren", sagt Pilz.

Erkältung, Grippe, Corona - es sind harte Zeiten für Ärzte. Pilz und sein Team versuchen noch, Patienten über 60 und chronisch kranke Menschen gegen Grippe und Lungenentzündung zu impfen. Es ist ein volles Programm - auch in Ockstadt. In Zeiten von Corona arbeitet Pilz im Schnitt elf Stunden am Tag. "Wir laufen alle auf vollen Touren." Damit tragen sie einen wichtigen Teil dazu bei, dass es nach wie vor keine offiziell bestätigte Coronavirus-Infektion in der Wetterau gibt.

Im Vogelsbergkreis gibt es nun den ersten Fall einer Coronavirus-Infektion. In Gießen wurde inzwischen der dritte Fall bekanntgegeben. Bislang war man von zwei bestätigte Coronavirus-Fällen ausgegangen. Nachdem der erste Fall in Wetzlar bekannt wurde, ist im Kreis Gießen eine Firma lahmgelegt worden. In der Wetterau gibt es bislang keine bestätigten Fälle. Allerdings befinden sich Wetterauer in häuslicher Quarantäne. Neben den Wetterauer Hausärzten, kämpfen auch die Gießener Hausärzte gegen das Virus. Sie schlagen nun Alarm.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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