Betschel-Pflügel gewählt, Kreisspitze komplett

Friedberg (jw). Grünes Licht für die rot-grün-gelbe Koalition im Wetteraukreis: Helmut Betschel-Pflügel ist am Mittwoch im Friedberger Kreishaus zum neuen Ersten Kreisbeigeordneten gewählt worden. Auf den 55-jährigen Grünen-Politiker entfielen bei der Abstimmung alle 41 Stimmen der Koalition aus CDU, Grünen und FDP.

Vor der Wahl lautete die Frage keineswegs, ob die Koalition geschlossen hinter ihrem Kandidaten steht. Das tat sie. Bei den Grünen zweifelt niemand an der Eignung von Betschel-Pflügel, SPD und FDP halten sich an die Vereinbarungen der Koalition und einen Gegenkandidaten gab es nicht. Die (bange) Frage am Morgen vor der Wahl lautete daher: Treffen alle Kreistagsabgeordneten rechtzeitig ein? Und finden sie, angesichts des überfüllten Parkhauses, einen Parkplatz? "Zehn vor Zehn waren wir komplett, da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen", verriet Betschel-Pflügel nach der Wahl.

Das Ergebnis brachte dann keine Überraschung: Von 79 abgegebenen Stimmen des 81-köpfigen Kreistages waren vier ungültig, es gab 34 Nein- und 41 Ja-Stimmen. Betschel-Pflügel ist somit für die nächsten sechs Jahre zum hauptamtlichen Kreisbeigeordneten gewählt. Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch nahm ihm den Amtseid ab, Landrat Joachim Arnold (beide SPD) überreichte ihm die (ab 1. Oktober gültige) Ernennungsurkunde. "Es ist für mich selbstverständlich, dass ich Sie umfassend und rechtzeitig informiere, damit Sie Ihre Entscheidungen treffen können", sagte Betschel-Pflügel an die Adresse der Kreistagsfraktionen.

"Unser Auftrag ist es, das Beste für die Menschen im Wetteraukreis zu erreichen. Das werden wir teilweise Seit’ an Seit’ erledigen, manchmal werden wir aber auch um die beste Lösung kämpfen", sagte der Erste Kreisbeigeordnete und bot allen Fraktionen eine "kollegiale Zusammenarbeit" an.

Stefan Lux gab das Ergebnis des Wahlvorbereitungsausschusses bekannt. Neben Betschel-Pflügel gab es zwei weitere Bewerber, die aber aus Sicht der Politik nicht für das Amt in Frage kamen. Zumal man, unterstrich Gerhard Salz (Grüne), mit dem Energieanlagen-Elektroniker, Diplom-Sozialarbeiter und Diplom-Pädagogen, der zuletzt selbständig in der Schulsozialarbeit und als Berufsbetreuer tätig war, einen Fachmann für die anstehenden Aufgaben im Kreis habe.

Fast keine taktischen Querschüsse

Taktische Querschüsse waren von der Opposition (fast) nicht zu erwarten. Die CDU akzeptiert ihre Rolle, stellte daher keinen Gegenkandidaten auf. "Wir werden Ihre Arbeit kritisch begleiten und, wo es Sinn macht, unterstützen", sagte Alexander Kartmann. "Wir werden aber auch nicht mit Gegenvorschlägen sparen, wenn wir glauben, dass sie besser sind." Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD) sprach von einer sowohl politisch als auch fachlich begründeten Wahl. Als ehrenamtlicher Schuldezernent habe sich Betschel-Pflügel vielen Schwierigkeiten gestellt und diese gemeistert. Peter Heidt (FDP) stellte fest, dass mit Arnold, Betschel-Pflügel und dem ehrenamtlichen FDP-Dezernenten Wolfgang Patzak die Kreisspitze komplett sei. Der Liberale unterstrich, dass die Koalition mit der Streichung der dritten Stelle eines Hauptamtlichen ein Sparsignal gesetzt habe. Der Kreis spart 300 000 Euro im Jahr.

Wenn es freilich nach Erich Spamer (FW) gegangen wäre, hätte Betschel-Pflügel erst in einem Jahr seinen Dienst antreten dürfen. Spamer hatte auf die im Haushalt festgelegte einjährige Stellenbesetzungssperre hingewiesen und gefordert, der Kreis müsse das Regierungspräsidium fragen, ob die Besetzung der Stelle überhaupt erfolgen dürfe. Eine Antwort bekam er nicht. "Das ist so blöd, dass es keine Antwort verdient", lautete ein Zwischenruf aus den Reihen der SPD, während die FDP von "Klamauk" sprach und die Grünen den Kopf schüttelten. Die Regelung im Haushalt gilt für Laufbahnbeamte, nicht für Wahlbeamte, denn andernfalls, so der SPD-Abgeordnete Georg Wegner, würde eine Behörde dem obersten Souverän eines Kreises vorschreiben, "ob wir unsere Handlungsfähigkeit herstellen dürfen".

Am Mittwoch: Wahl des Ersten Kreisbeigeordneten Kreistag: Neue Koalition wählt Veith und Lich ab

Quelle: Wetterauer Zeitung

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