Sprachpapst

Bastian Sick findet alle Fehler

  • VonIsabell Steinhauer
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Das Material geht Bastian Sick nicht aus: Irgendetwas geht immer schief, wenn Mensch und Sprache aufeinander treffen. Wo er die größten Fehler findet, verrät er bei »Friedberg lässt lesen«.

Das Material geht Bastian Sick nicht aus: Inzwischen gibt es mehrere Fortsetzungsbände von »Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod« und der »Happy-Aua«-Reihe. Die Lesung am Donnerstagabend zu seinem aktuellen Buch »Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen« in der Reihe »Friedberg lässt lesen« im Ovag-Gebäude war ausgebucht. Und die Gäste erlebten nicht »nur« eine Lesung, sondern erlebten den Autor auch singend und dichtend.

Bastian Sick hat ein außerordentliches Gespür für die Fallstricke der deutschen Sprache und für ihr humoristisches Potenzial. Groß- und Kleinschreibung, Satzbau und Grammatik – was Sick auf Werbetafeln oder in Lokalzeitungen findet, lässt das Publikum immer noch Tränen lachen. Seien es die »panischen Orangen«, »Hohes Zeh« oder wie in seinem neuen Buch beschrieben der »Vonitiv«.

Das fiese Apostroph

Er liest Beispiele aus Lokalzeitungen: »Letzter Kritiker von Putin erschossen« oder »Sicherheitsbeamter von Gauck beklaut«. Nicht nur falsche Formulierungen, auch die politisch korrekte Neufassung von Pippi Langstrumpf ist für ihn ein Thema. »Karl May wird man komplett einstampfen müssen«, sagte Sick, denn alle Indianerstämme Nordamerikas seien von ihren Feinden falsch benannt worden, so bedeute der Name »Shoshonen« »Die, die zu Fuß gehen«, denn sie hatten keine Pferde. Oder der Begriff »Apache« sei einfach das Wort für »Feind«, wohingegen die Indianer sich meist selbst als »Menschen« oder »Volk« bezeichneten. »Und was wird, jetzt da es den Sarotti-Mohr nicht mehr gibt, eigentlich aus dem Zigeunerschnitzel?«, fragte Sick.

Große Heiterkeit lösen beim Publikum die fehlerhaften Schreibweisen auf Werbetafeln aus, die stets eine ungewollte Komik offenbaren, wie das Hornveilchen, das mal zum »Hornfeilchen« oder auch zum »Hornpfeilchen« wird, der »Nazize« ergeht es nicht besser. Auch Beispiele für Apostrophe an den unmöglichsten Stellen hat Sick dabei, bei der Pluralbildung werde es gerne eingesetzt und nicht nur das »s« ist betroffen, auch »Nudel’n« blieben nicht verschont. Wahllose Worttrennungen gäben Dingen eine völlig neue Bedeutung: »Der ›Scheuer Schwamm‹ ist dann wohl ein bisschen schüchtern«, sinniert Sick.

Wenn auf der Verpackung »Tomaten Suppe« steht, sehe es vielleicht nur unschön aus, anders sei es wenn »Mutter Erde« in Fünf-Liter-Säcken verkauft werde.

In manchen Fällen habe sich die Alltagssprache schon so weiterentwickelt, dass das Richtige falsch erscheine, wie das Wort »wohlgesonnen«, das es gar nicht gebe, richtig müsse es »wohlgesinnt« heißen. Auch Redewendungen, die mittlerweile oftmals lustige Veränderungen erfahren, wie die vom Titel seines aktuellen Buches »Schlagen Sie dem Teufel ein Schnäppchen«, erklärt der Autor. Diese stamme aus dem Mittelalter und laute richtig »dem Teufel ein Schnippchen schlagen«. Das »Schnippchen« sei ein Fingerschnippen, ein Ausdruck von Spott und Verachtung. »Möglich ist vieles, korrekt ist noch lange nicht alles«, sagt Sick.

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