Appetit auf ein Stück "Küche"

Friedberg (con). Die Buchhandlung Bindernagel war sehr gut besucht, als dieser Tage Rose-Anne Clermont ihr Buch "Busch-Girl" vorstellte. Die schlanke, jugendlich wirkende Frau aus Haiti berichtete in lockerem amüsantem Ton von ihrem Leben in Deutschland. Damit bereicherten die Veranstalter - Buchhandlung Bindernagel, Ovag und Stadt Friedberg - im Rahmen ihres Zyklusses "Friedberg lässt lesen" die kulturell-kritische Literaturlandschaft.

Die sympathische Autorin wurde in New York geboren. Ihr Vater, Arzt in Haiti, musste wegen politischer Aktivitäten mit seiner Familie das Land verlassen, hielt Kultur und Sprache seines Landes jedoch immer hoch und den Kindern stets vor Augen. Rose-Anne Clermont absolvierte ein Journalismus-Studium an der Columbia-Universität. Sie verliebte sich dort in einen deutschen Austauschschüler und ging zunächst mit ihm nach Berlin. Dort lernte sie die Licht-, aber auch Schattenseiten kennen, denen man als "Einwanderer in Deutschland" ausgesetzt sein kann. Denn mit ihrer Hautfarbe ist sie offensichtlich keine Deutsche, nicht mal Europäerin und so erlebte sie mehr als einmal, dass sie mit der Gattin von Obama verglichen wurde oder dass man bemerkte, sie sehe aus wie die US-Außenministerin Condolaezza Rice, was die Autorin keineswegs erfreute.

Manchmal wurde sie auch gefragt, wo in Mittelamerika sie denn geboren sei. Da Rose-Anne natürlich bestrebt war, die deutsche Sprache zu erlernen, fand sie sich oftmals in Diskussionen mit Jens verwickelt, dem es mehr als einmal peinlich war, wenn ihre Sprachschnitzer unangenehme Momente mit sich brachten. Denn, so erzählt sie, man solle in der Liebe nur die Sprache sprechen, in der man sich kennen gelernt habe, und das sei in ihrem Fall nun mal englisch gewesen. So musste sie einige Abenteuer bestehen, die nicht immer lustig waren. So bestellt sie schon einmal ein Stück "Küche", statt eines Stücks Kuchen, und Dinge fielen bei ihr "aus", statt "auf".

Somit ergab es sich, das sich die beiden schließlich trennten. Einige Zeit später lernt die Journalistin ihren jetzigen Mann kennen, mit dem sie auch zwei Kinder hat. Aber nicht nur die Sprachbarriere macht ihr zu schaffen, allein die Tatsache, dass sie eine dunkle Hautfarbe hat, gibt auch in den späten neunziger Jahren noch immer häufig genug Anlass für nicht nur unangenehme, sondern auch durchaus lustige Situationen.

Rose-Anne versteht es, mit Witz und und guter Beobachtungsgabe aus den Erlebnissen ihres Lebens einen Roman zu verfassen, der liebevoll und trotzdem kritisch ist. Aus der Sicht einer exotisch aussehenden Mitbürgerin beschreibt sie ohne Negativität oder Bitternis ihre Erfahrungen, die sie in einem fremden Land macht. Immerhin hat sie nicht nur eine Familie gegründet, ihre hawaiianische Familie lebt und arbeitet inzwischen auch in Berlin. Aber sie springt auch in den Zeiten und den Kontinenten hin und her und schildert damit eindrucksvoll ihre Familiengeschichte.

"Busch Girl - Wie ich unter die Deutschen geriet" von Rose-Anne Clermont, erschienen bei Bertelsmann, Euro 14,99.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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