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Da muss Sky du Mont den Finger heben: "Wir zeigen den Leuten hier, dass es noch schlimmere Weihnachten gibt als ihre." FOTOS: LOD

Wie ein altes Ehepaar

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Friedberg(har). Es war ein etwas anderer Adventsabend, den die Besucher im ausverkauften Theater Altes Hallenbad am Samstag erlebten. Im aktuellen Weihnachtsprogramm von Schauspieler Sky du Mont, der unter anderem durch "Otto - Der Film" und "Der Schuh des Manitou" bekannt wurde und der Pianistin und Kabarettistin Christine Schütze wechseln sich heitere mit besinnlichen Geschichten ebenso ab wie klassische Musik mit Chansons und kabarettistischer Einlagen.

Streitend, wie ein altes Ehepaar, betraten die beiden Protagonisten des Abends die mit Weihnachtsbaum und Geschenke festlich dekorierte Bühne. Schütze trug einen roten "Nikolaus-Mini", was du Mont nicht gerade begeisterte. Schütze eröffnete den Abend mit exzellentem Klavierspiel, das gar nicht enden wollte. Jedes Mal, wenn ihr Partner zum Vorlesen eines Gedichts ansetzte, spielte sie weiter. Das war so recht nach dem Geschmack der Besucher, ebenso wie das folgende Zwiegespräch, dass in du Monts Feststellung seinen Höhepunkt erreichte: "Wir zeigen den Leuten hier, dass es noch schlimmere Weihnachten gibt als Ihre." So schlimm wurde es dann doch nicht.

Die beiden entpuppten sich als kongeniales Duo. Du Mont las die Geschichten mit seiner sonoren Stimme so intensiv, so dass die Besucher die verschiedenen Figuren, die er sprach, geradezu vor sich sahen. Jede der Geschichten wurde so lebendig, wie ein Film.

Schütze trug mit virtuosem Klavierspiel, ihrem nicht minder tollen Gesang und der ein oder anderen passenden kurzen Begleitung während des Vorlesens zum rundum gelungenen vorweihnachtlichen Abend bei. So leitete sie mit "Fairytale of New York" - einem Song mit irischen Elementen - zur Geschichte über einen irischen Einwanderer in New York über. Der wollte gerne ins Gefängnis, um dort im warmen zu überwintern. Doch was er auch anstellte, alle Versuche schlugen fehl. Du Mont las intensiv, begeisterte mit seiner Ausstrahlung. Mit dem von Schütze wunderschön gespielten und gesungenen Wiegenlied von Stephen Forster, dem Komponist von "Oh Susanna", sowie "Slumber my Darling" leitet die ausgebildete Pianistin über zu einer "ganz fiesen Weihnachtsgeschichte" über einen vom Vater einer Familie reaktivierten Weihnachtsbaumständer, der sich drehte und "O du fröhliche" spielte.

Es endet im Chaos

Dass der Heilige Abend im Chaos endet, da der Baum im wahrsten Sinne des Wortes "durchdrehte" war vorhersehbar. Du Monts Lesung des so entstandenen Chaos gehörte zu den höchst vergnüglichen Höhepunkten des Abends. "So ging es bei uns auch zu", meinte Du Mont. Geglaubt hat ihm das natürlich keiner. Zu der Geschichte passte Schützes musikalisches Kabarettstück von dem sich jedes Jahr in der Weihnachtszeit streitenden Ehepaar, das trotzdem 50 Jahre verheiratet ist. Da bekam die von Schütze genutzte Melodie von "Morgen Kinder wird’s was geben" eine ganz neue Bedeutung.

Schützes Kommentar zu Du Mont: "Ich hab dich genommen, wie du bist, aber ich konnte dich doch nicht so lassen, wie du warst." Die fröhliche Schilderung vom Schneechaos, die den zunächst die weiße Pracht liebenden Ich-Erzähler schließlich in die Psychiatrie brachte, beendet den ersten Programmteil.

Nach der Pause überraschte Schütze - nun im goldfarbenen Abendkleid mit tiefem Dekolleté - mit einer ruhigen Schumann-Komposition, hervorragend gespielt auf dem Flügel. Du Mont leitete mit der Geschichte der feinen englischen Dame Mrs. Reed als einzige weibliche Passagierin auf einem deutschen Frachter um 1900 das Ende des Abends ein.

Warum Oma sich zum 80. Geburtstag einen nackten Mann "zum Anfassen" wünschte, erfuhren die Besucher schließlich noch, bevor Du Mont die von Schütze gesungene "tragische Liebesgeschichte" eines Paares mit zwei Nashorn-Handpuppen "visuell darstellte", wie er es bezeichnete.

Mit Leonard Cohens "Halleluja" als Zugabe verabschiedete sich das Duo, das den Besuchern einen fröhlichen Abend beschert hatte.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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