Für schnelles Internet ist Sichtkontakt zu Antennen nötig

Florstadt-Nieder-Mockstadt (sl). Viele Fragen hatten sie, die Nieder-Mockstädter Bürger, für die es noch in diesem Frühjahr in ein neues Internet-Zeitalter gehen soll. Zu einer Informationsveranstaltung in der Goldbachhalle hatten sich jetzt rund 50 Anwohner versammelt; nach zwei Stunden waren es noch über 30, die sich als Interessenten für das schnelle Internet in eine Liste eintragen ließen.

Wie einige andere Kommunen im Ostkreis war Florstadt an Fördermittel der EU gekommen, um eine bessere Breitbandversorgung mit schnellem Internet zu ermöglichen. In Florstadt betrifft das die Stadtteile Staden, Nieder-Mockstadt und Stammheim, wo derzeit maximal das Telekom-Angebot "DSL Light" mit einem Durchsatz von 384 KB pro Sekunde genutzt werden kann.

Den Zuschlag für den Ausbau erhielt die Firma OR Network in Grünberg, die eine Funklösung anbietet. Einzige Voraussetzung, so der für die Planung zuständige Referent Max Roosen: "Sie brauchen eine direkte Sichtverbindung in Richtung unserer Antennen." Die sind auf den Flutlichtmasten am Sportplatz und in Richtung Dauernheim zu finden. Dort, in unmittelbarere Nähe des an der Autobahn aufgebauten Funkmastes für die Handynetze, betreibt OR Network bereits einen Container, von dem aus Richtung Ranstadt gesendet wird. Die zweite Einspeisungsmöglichkeit wird über die Windkraftanlagen bei Rodenbach erreicht, von wo aus man Stammheim und Staden versorgen will.

In der Waldsiedlung nutzt OR Network an einer Umspanneinrichtung der Ovag ein Glasfaserkabel, um von dort das schnelle Internet per Funk an die Windräder zwischen Stammheim und Rodenbach zu senden. Dann wird das Signal an einen Flutlichtmast am Stammheimer Bolzplatz geschickt, um von dort die neue DSL-Lösung für Stammheim, Staden und sogar einen Teil von Nieder-Mockstadt zu ermöglichen. Die Sendeleistung beträgt dabei 0,1 Watt, was dem Zwanzigstel eines Handys entspricht. Möglich sind Datenmengen von zwei bis 16 Megabit pro Sekunde, je nach Bedarf und Tarif.

Die wiDSL genannte Technik ist bis zu 30-mal schneller als DSL, erfuhren die Bürger. Für den Versand eines Bildes mit einer Datenmenge von zwei Megabit benötigt man mit ISDN viereinhalb Minuten, mit "DSL Light" 43 Sekunden, mit Funkinternet im billigsten Tarif ist der Transfer nach acht Sekunden abgeschlossen. Internet-Downloads werden also viel schneller, Video-Sequenzen aus dem Internet sollen ohne Ruckeln oder Unterbrechungen zu betrachten sein.

Weitere Vorteile des wiDSL-Anschlusses: Man erhält einen vollwertigen DSL-Anschluss per Funk, der aber schneller ist als DSL. Eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde sind auch dort möglich, wo bislang kein DSL erreicht wurde, sofern die Sichtverbindung besteht. Aus Richtfunk wird somit Sichtfunk. Man benötigt keine separate Telefonleitung, da über denselben Anschluss auch telefoniert werden kann. Ein ISDN-Anschluss ist also auch nicht mehr nötig. Man ist immer online, eine Abrechung nach Onlinezeiten erfolgt nicht. Auch die Installation soll einfach sein: Um an das "neue" Internet zu gelangen, müsse man nur die Empfangsantenne mit Blickkontakt in Richtung der Sendemasten ausrichten und den bisherigen Router daran anschließen, warb Roosen.

"Anschluss keinesfalls selber kündigen"

Zur Verdeutlichung brachte Roosen einen Datenvergleich. Das Volumen von 20 Gigabyte pro Monat stehe für etwa 4000 Lieder, 20 Filme oder 66 000 Webseitenaufrufe. Wer den günstigsten Tarif wähle und dabei an das Limit stoße, werde gedrosselt. Ein Umstellen auf ein höheres Niveau sei möglich. Wer aber eine Tarifstufe niedriger gehe, zahle eine Umstellungsgebühr von 29 Euro.

Parallel dazu könne man für fünf Euro pro Monat einen Telefonanschluss mit einer Leitung und einer Rufnummer schalten lassen. Der Minutenpreis solle dann bei zwei Cent liegen. Oder man schaltet zwei Leitungen mit drei Nummern und einer Flatrate ins deutsche Festnetz für 12 Euro im Monat. Die Verbindungskosten in andere Netze sollen bei neun Cent liegen, das sei jedoch noch nicht fix, sagte Roosen. Wichtig sei, seinen Anschluss bei der Telekom nicht zu kündigen, sonst seien die bekannten Rufnummern futsch. Im Falle eines Wechsels solle man OR Network mit der Änderung beauftragen.

OR Network hat in seinem Vertrag mit der Stadt verankert, auf eine Kabellösung umzurüsten, wenn man innerhalb von drei Jahren 255 neue Kunden finden sollte. Noch schneller kann es gehen, wenn innerhalb von zwei Jahren 384 Interessenten vorhanden sind.

Im Januar und Februar soll die Planungsphase abgeschlossen werden, damit im März und April der Aufbau der Umsetzerstandorte erfolgen kann. Im Mai soll dann das sogenannte Rollout an den Endkunden abgeschlossen sein, sodass die Internet-Nutzer in Staden, Nieder-Mockstadt und Stammheim endgültig aus dem "Tal der Ahnungslosen" kommen.

Für die Stadtteile Staden und Stammheim ist für Mittwoch, 9. Februar, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Stammheim eine weitere Infoveranstaltung von OR Network vorgesehen.

Zwischen 12 und 49 Euro im Monat

Für den Anschluss an das neue Internetzeitalter werden monatliche Kosten - je nach Tarif und Nutzungsvolumen - zwischen 12 und 49 Euro fällig. Dazu kommt eine einmalige Anschlussgebühr von 129 Euro für einen Einjahresvertrag oder 69 Euro bei einem Zweijahresvertrag. Ferner erhebt OR Network eine Installationspauschale von 40 Euro, die aber bei Selbstmontage entfällt.

Die Nutzungstarife sind gestaffelt nach vier Datengeschwindigkeiten (2 MBit, 4 MBit, 8 MBit oder 16 MBit) und teilen sich in zwei Gruppen: in die günstige mit Beschränkung des Datenvolumens oder die Flatrates ohne Volumenbegrenzung. Für den Einsteiger bedeutet das eine 2000er KBit-Rate, ein freies Volumen von 20 Gigabyte und einer Upload-Geschwindigkeit von 512 KBit pro Sekunde für monatlich 12 Euro. Im teuersten Privat-Tarif für Powernutzer wären das Download- und Uploadgeschwindigkeiten von 16 000 respektive 2000 KBit pro Sekunde sowie einem unbegrenzten Datenvolumen für 49 Euro im Monat.

Zudem wird ein gesonderter Business-Tarif für Geschäftsleute und Unternehmen angeboten.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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