"Das Rauchen hab ich in der Schule gelernt"

Florstadt-Nieder-Mockstadt (lk). Sherlock Holmes und Jean-Paul Sartre mochten es, Günter Grass und Thomas Behrend mögen es noch immer: das Pfeiferauchen. Letzterer seit 42 Jahren. Und weil ihm das Pfeiferauchen so viel Spaß bereitet und er außerdem seine Leidenschaft zum Beruf machen wollte, betreibt der 57-jährige Nieder-Mockstädter seit einigen Jahren gemeinsam mit Ehefrau Gabriele einen kleinen Laden, in dem es alles gibt, was das Herz eines Pfeifenrauchers begehrt.

Die Reklame, mit der Thomas Behrend auf sein Geschäft in der Lauterbacher Straße hinweist, ist nicht sonderlich auffällig: Lediglich ein kleines Schild (pfeiferauchende Perserkatze mit blauer Kappe) lässt erkennen, dass sich hinter den Mauern der "Pfeifen-Behrend" versteckt. Öffnungszeiten gibt es keine. Entweder Thomas Behrend ist da, oder eben nicht. Seine Haupteinnahmequelle ist nicht die Laufkundschaft, sondern der Online-Handel.

Auf die Idee, einen Pfeifenladen zu eröffnen, kam er durch sein eigenes Interesse an Pfeifen, schließlich raucht Thomas Behrend die, seit er 15 Jahre alt ist. "Das haben wir in der Schule gelernt. Nicht im Klassenzimmer, sondern auf dem Schulhof", erklärt er. Zigaretten raucht er nicht. Zumindest nicht mehr. "Die Sucht nach der Pfeife ist nicht so ausgeprägt wie die nach Zigaretten." Süchtig ist er vielmehr nach neuen Tabakspfeifen. Rund 200 besitzt er mittlerweile. "Das Auge raucht eben mit", erklärt der 57-Jährige sein Faible. Gezielt gesucht habe er nach den Pfeifen nicht. "Das hat sich so ergeben, das ging ganz automatisch", sagt er.

Pfeifenraucher sieht man nicht jeden Tag. Und wenn, dann sind es meist ältere Herren, die sich einen Zug gönnen. Stirbt die Pfeife aus? "Vielleicht ein bisschen. Die Leute trauen sich nicht mehr auf die Straße, die werden dumm angeguckt", erklärt Behrend das Schwinden der Pfeife im Alltag. Auf Video-Plattformen im Internet seien jedoch auch jüngere Pfeifenraucher zu sehen.

Die Auswahl ist groß: Allein bei "Pfeifen-Behrend" sind 350 Tabaksorten - 13 davon eigens hergestellte Haussorten - und 500 verschiedene Pfeifen erhältlich. Die Pfeifen sind aus Bruyèreholz, Meerschaum, Porzellan, Ton und anderen Materialien. Es gibt wuchtige Modelle und filigrane, lange und kurze, teure und günstige. "Eine Pfeife kann zwischen 20 und 1000 Euro kosten", sagt der Kenner.

Pfeifenrauchen sei eine Lebenseinstellung, betont Behrend. "Wenn ich morgens die Pfeife anmache, bin ich zufrieden", sagt der gelernte Automechaniker, der bereits als Tankstellenpächter und Taxifahrer seine Brötchen verdient hat. Dann kam der Online-Handel. "Ich war immer gegen Computer", verrät er. Nach und nach freundete er sich mit dem PC an, kaufte eine Software, erstellte eine Homepage und ging als "Pfeifen-Behrend" im Netz an den Start.

Er mag seine Arbeit. "Ich hab' nie was gemacht, woran ich keinen Spaß hatte", betont der 57-Jährige.

Aber was genau ist es, das für Behrend den Reiz der Pfeife ausmacht? "Pfeiferauchen ist etwas Edles, Erhabenes und Exquisites", sagt er. Nicht jeder vertrage chinesisches Essen, so sei es auch mit dem Rauchen. Pfeiferauchen sei die andere Art zu leben, und wo man einen Pfeifenraucher treffe, dort treffe man auch immer einen Freund. Pfeiferauchen sei Philosophie und Zeremonie zugleich, zudem seien Pfeifenraucher der ruhende Pol in einer hektischen Zeit, versucht der Nieder-Mockstädter zu erklären.

"Wir sind nicht alle gleich"

Dass Rauchen nicht gesundheitsfördernd ist, weiß Behrend auch. "Ich mache mir natürlich Gedanken darüber, aber in meiner Familie sind viele Leute sehr alt geworden, obwohl sie geraucht haben", sagt er und verweist auf seinen 83 Jahre alten Vater. Es gebe Menschen, denen das Rauchen schlechter bekäme als anderen. "Wir sind nicht alle gleich", sagt er.

Der Gesundheit zuliebe mit dem Rauchen aufzuhören, mit dem Gedanken spielt Thomas Behrend - wie Tausende andere Raucher auch - nicht. Er mag seine Pfeife eben.

Vor drei Jahren hat er sogar den Wetterauer Pfeifenstammtisch ins Leben gerufen. Jeden ersten Dienstag im Monat trifft er sich gegen 19 Uhr mit Gleichgesinnten in seinem Laden. Nach einer Tabakprobe geht es ins Lokal. "In die Rauchergaststätte versteht sich", sagt Thomas Behrend schmunzelnd.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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