Hunderte Bürger schon wieder ohne Telefon

Florstadt-Nieder-Mockstadt (dab). Nachdem in Nieder-Mockstadt bereits Mitte Dezember Hunderte Telefonanschlüsse wegen eines Wasserschadens für eine Woche ausgefallen waren, heißt es nun schon wieder: "Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar." Erneut sei Feuchtigkeit ins Kabel eingedrungen, diesmal aber in ein anderes Teilstück, erklärte Telekom-Sprecher André Hofmann auf WZ-Anfrage.

Am Dienstag sollen die "Tiefbaumaßnahmen" beginnen. Wie lange sie dauern, konnte Hofmann nicht sagen, weil seine Kollegen erst herausfinden müssten, welches Stück defekt sei und ausgetauscht werden müsse.

Dass es zweimal hintereinander dasselbe Hauptkabel getroffen hat, nennt Hofmann "ungewöhnlich". Für Ortsvorsteherin Silke Schmidt-Bernhardt ist der neuerliche Ausfall "der absolute Gipfel". Dabei ärgert sie am meisten, dass die Telekom nicht auf die zahlreichen Störungsmeldungen reagiere. "Wir bekommen keinerlei Auskunft, die Leute werden hängen gelassen", beklagt sie sich.

Einer von ihnen ist Serdar Ülke, der Geschäftsführer der Shell-Tankstelle im Gewerbegebiet "In der Grobach". Seit die Telefone stumm sind, können seine Kunden nicht mehr mit Karte bezahlen, denn auch die sogenannte Datenfernübertragung ist von der Störung betroffen. An vielleicht zwei Stunden am Tag funktioniere die Technik - zu wenig, um sich als Geschäftsmann darauf zu verlassen. Deshalb hängen an der Tankstelle Schilder, dass momentan nur Barzahlung akzeptiert werde. Die Konsequenz: "Im Vergleich zum Dezember 2009 haben wir in diesem Dezember Einbußen von 60 Prozent zu beklagen", schäumt Ülke.

Denn er gehört zu den Pechvögeln, die auch von der ersten Störung Mitte Dezember betroffen waren. "Die Leute fahren weiter. Das kann ich verstehen - das würde ich auch machen, wenn ich ein großes Auto für 80 Euro volltanken und bar bezahlen müsste." Auch er beschwert sich, dass er keine Nachricht von der Telekom erhalte und sich offenbar niemand um den Schaden kümmere, der nun schon seit zwei Wochen bekannt sei. "Natürlich habe ich mich schon beschwert, die Antwort lautete: Es ist in Auftrag, es wird kontrolliert." Nun denke er über eine Schadenersatzklage nach.

Über eine Entschädigung werde im Einzelfall entschieden, sagte Telekom-Sprecher Hofmann. Die Kunden sollten ihre Beschwerden einreichen. Eine pauschale Aussage über eine Wiedergutmachung könne er nicht machen.

Claudia Winnerl hat Glück: Ihr Telefon funktioniert inzwischen wieder. Doch auch sie hat nach ihrem Beschwerde-Telefonat via Handy nichts mehr von der Telekom gehört - weder woran die Störung liege noch wann mit einer Behebung zu rechnen sei. Dass ihr Anschluss wieder frei ist, musste sie selber herausfinden.

"Die Menschen sind nicht nur sauer, sondern auch enttäuscht", rügt Ortsvorsteherin Schmidt-Bernhardt und wird deutlich: "Ich hoffe, dass sie sich dahingehend orientieren, die Geschäftsverbindungen zur Telekom zu kippen. Ich werde jedem dabei behilflich sein, gegen das Unternehmen vorzugehen."

Den Vorwurf, die Telekom reagiere nicht, will Hofmann nicht stehen lassen. "Aufgrund der Witterungsbedingungen haben wir in der Region ein erhöhtes Störungsaufkommen." Man arbeite mit Hochdruck daran, die Leitung so schnell wie möglich in gewohnter Qualität herzustellen. Dass dies momentan recht lange dauere, sei "natürlich ärgerlich für die Kunden". Doch seine Kollegen gäben ihr Möglichstes. Es sei nicht so einfach, bei minus 3 Grad ein Kabel auszutauschen. Auf die Frage, ob das Hauptkabel schlampig verlegt worden oder marode sei, erwiderte Hofmann nur, man werde intern klären, woran es liege, dass schon wieder dasselbe Kabel einen Defekt aufweise.

Quelle: Wetterauer Zeitung

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